Neue Staffel „Game of Thrones“

Es kann nur eine geben

Von Nina Rehfeld
 - 20:13

Im Osten eine Drachenmutter auf Überfahrt. Im Norden ein von den Toten auferstandener unehelicher Königssohn, den man jetzt selbst König nennt. In der Hauptstadt eine Massenmörderin auf dem Eisernen Thron. Über ganz Westeros verteilt drei Waisen voller Rachegedanken und mit außergewöhnlichen Kräften. Und hinter der großen Mauer ist eine Armee von Zombies im Anmarsch.

Das ist die Ausgangslage der siebten Staffel von „Game of Thrones“ auf dem mythischen Kontinent Westeros, wo seit 2010 ein halbes Dutzend mächtige Häuser um den Eisernen Thron ringen. Viel Blut ist geflossen, vom umfangreichen Ensemble ist nur eine Handvoll Figuren übrig. Englische Buchmacher nehmen bereits Wetten auf die Überlebenschancen der Verbliebenen an. Der Winter ist da.

Einstweilen steht Cersei Lannister (Lena Heady) im Zentrum des Geschehens, Zwillingsschwester des Königsmörders Jaime (Nikolaj Coster-Waldau), der mit der Tötung des „wahnsinnigen Königs“ Aerys Targaryen die Ereignisse in Gang setzt. Cersei führt mit Jaime eine inzestuöse Beziehung, und sechs Staffeln lang versuchte sie, ihre Kinder auf den Thron zu bugsieren – eines nach dem anderen kam zu Tode. Zuletzt riss Cersei selbst den Thron an sich, nachdem sie ihre Feinde einem Feuersturm preisgab.

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Aus dem Osten nähert sich eine weitere drastische Frauengestalt – Daenerys Targaryen (Emilia Clarke), die von ihrem Bruder Viserys als Kindbraut an die Dothraki verkauft wurde und sich zur Herrscherin über zahlreiche Völker und drei feuerspeiende Drachen aufschwang. Die Tochter des von Jaime ermordeten Königs, auch Drachenmutter genannt, segelt mit ihrem Berater (und seiner Familie entfremdeten) Tyrion Lannister (Peter Dinklage) aus Essos gen King’s Landing.

Es gibt weitere Anwärter auf den Thron – Jon Snow (Kit Harington) zum Beispiel, der gar nicht der uneheliche Sohn von Ned Stark ist, als der er sechs Staffeln lang galt, sondern der Spross von Neds Schwester Lyanna und Rhaegar Targaryen, dem ältesten Bruder von Daenerys. Damit ist Jon, der sich einst der Nachtwache an der Mauer verschrieb, um Westeros gegen eine mythische Gefahr aus dem Norden abzusichern, Blaublüter. Blöd nur: Nach seiner Ermordung und seiner Wiedererweckung durch die Kult-Führerin Melisandre (Carice van Houten) ist Jon Snow ein Untoter. Kann so jemand König werden? Außerdem sind da noch die Kinder von Ned und Catelyn Stark, die danach trachten, die Ermordung ihrer Eltern zu rächen. Arya (Maisie Williams) war auf der Flucht, studierte Kampfkünste und hakte einen Namen nach dem anderen auf ihrer Todesliste ab, auf der auch Cersei Lannister steht. Sansa (Sophie Turner), einst eine hochnäsige kleine Prinzessin, musste eine albtraumhafte Abfolge sadistischer Ehemänner ertragen und zeigte sich zuletzt als scharfsinnige Strategin. Bran (Isaac Hempstead Wright), der einst von Jaime aus dem Fenster gestoßen wurde und seither gelähmt ist, schulte seine übersinnlichen Fähigkeiten so weit, dass er nicht länger an Zeit, Raum oder Form gebunden ist.

Nun also spitzen sich die Dinge zur entscheidenden Schlacht zu. Besser: Zu den beiden entscheidenden Schlachten. Denn während der Kampf um den Eisernen Thron entbrennt, zieht hoch im Norden eine Gefahr auf, mit der seit achttausend Jahren niemand mehr rechnet: eine gigantische Horde von Untoten, deren Existenz zu lange ins Reich der Märchen und Fabeln verwiesen wurde.

„Game of Thrones“ ist in vielerlei Hinsicht eine Serie, die man erst mal aushalten muss – weil ständig liebgewonnene Charaktere sterben, weil die Figuren übelsten Grausamkeiten ausgesetzt sind und weil kaum je etwas so endet, wie man denkt. Aber die Serie ist auch unwiderstehlich – wegen ihrer komplexen Figuren, die ungeachtet von Alter und Geschlecht, von sozialem Status sowie geistiger und körperlicher Kapazitäten in diesem Ränkespiel mitmischen. Niemand ist unschuldig, keiner vor dem anderen sicher, und nichts bleibt ohne Konsequenz. Und dann besticht die Serie, weil man sie als Spiegel aktueller politischer Gegebenheiten sehen kann – die wichtigsten Institutionen in Westeros sind zum Beispiel unterbesetzt und unterfinanziert. Die Befreiung versklavter Völker führt zu anderen unmenschlichen Zuständen. Ganz besonders muss man die fürchten, die vorgeben, mit höheren Mächten in Verbindung zu stehen und den Weg zum Glück zu kennen.

Fernsehtrailer
„Game of Thrones“
© Sky, Sky

Die Geschichte nach den Romanen von George R. R. Martin, die der Abosender HBO mit großem Aufwand verfilmt und opulent inszeniert, hat weltweit so viele Menschen in ihren Bann geschlagen, dass sie als die meistdiskutierte – und im Internet meistgeklaute – Serie aller Zeiten gilt. Als die „Sopranos von Mittelerde“ beschrieb der Drehbuchautor David Benioff die Serie einst. Seit Staffel sechs indes müssen Benioff und sein Koautor D. B. Weiss ohne Martins Vorlagen arbeiten, weil der mit dem Romaneschreiben nicht hinterherkommt. Das veranlasst nun die Fans zu wilden Spekulationen über den Fortgang der Geschichte. Etwa, dass Jaime, der seine Schwester in der bislang letzten Episode besorgt beäugte, Cersei ermorden wird. Schließlich tötete er einst den „wahnsinnigen König“, um dem Volk Leid zu ersparen, und Cersei hat soeben eine halbe Stadt in die Luft gejagt. Oder dass Bran mit seinen Fähigkeiten, die Vergangenheit zu manipulieren, König Aerys in den Wahn trieb und damit die Dinge in Gang setzte. Oder dass Ned Stark noch lebt.

Die kommenden dreizehn Episoden – sieben in Staffel sieben, sechs in Staffel acht – werden unter diese Spekulationen einen Schlussstrich setzen. Dem Phänomen „Game of Thrones“ allerdings werden sie kein Ende bereiten. Bei HBO sind inzwischen ganze fünf Ableger-Serien in Arbeit. Und wer weiß, wie lange George R. R. Martin noch braucht, um die ausstehenden zwei Romane, die seine Saga abschließen sollen, fertigzustellen? Vermutlich werden bis dahin noch einige Winter kommen und gehen.

Die siebte Staffel von Game of Thrones ist in der Nacht von Sonntag auf Montag über Sky on Demand und Sky Go zu empfangen, bei Sky Atlantic ist sie am Montag um 20.15 Uhr zu sehen.

Quelle: F.A.Z.
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