ZDF-Krimi „Dengler“

Ein Knall auf griechischer See

Von Matthias Hannemann
 - 17:59

Ach, Griechenland! Die Welt brennt an allen Ecken und Enden, und so hätten wir beinahe vergessen, dass da ja auch noch etwas war. „Fremde Wasser“, der neue Fall mit Georg Dengler (Ronald Zehrfeld), einem Privatermittler mit BKA-Vergangenheit, der auch in seinem vierten Abenteuer von der Hackerin Olga (Birgit Minichmayr) unterstützt wird, katapultiert uns ins Thema zurück.

In der Ägäis, wir schreiben die Zeit der EU-Troika, wippt ein Segelboot auf den Wellen wie in einem Spot des griechischen Fremdenverkehrsverbandes. An Bord ist eine vierköpfige Familie. Der Vater ist mit der Reparatur des Motors beschäftigt, ohne sich größere Sorgen zu machen. Aber nebenher nimmt er einen Anruf aus Berlin entgegen, bei dem Stichworte wie „Korruption“, „Staatsanwaltschaft“ und „Bundestag“ zu hören sind. Da ahnt man nichts Gutes, so entspannt Konstantinos Kolidis (Michael Sideris) mit seinem Sohn auch bald ins goldblau funkelnde Nass springt – als sie untertauchen, wird das Boot von einer Explosion in tausend Teile gerissen.

Der Kameramann Heinz Wehsling, für die Anmutung dieses politischen Krimis der entscheidende Mann, filmt das Inferno aus der Actioncam- und Unterwasserperspektive. Mutter und Tochter sind tot, Vater und Sohn auch oder verschwunden. Die Aufzeichnungen zur Privatisierung der griechischen Wasserversorgung, die am Telefon zur Sprache kamen, sind allem Anschein nach eine Sache für sich.

Georg Dengler, boxender Privatermittler mit Vollbart, breiter Brust und gefälschtem BKA-Ausweis, kommt ins Spiel und zu einem neuen Auftrag. Eine Berliner Beratungsfirma, die griechische Kommunen gegen erzwungene Privatisierung unterstützt, will den Fall klären. Kolidis hat jahrelang als Lobbyist für Konzerne gearbeitet und Schmiergelder verteilt. Vor allem ist Denglers Auftraggebern aber bekannt, dass Kolidis auspacken wollte. Die Explosion auf dem Boot könnte daher kein Unglück sein, wie die griechischen Ermittler glauben, sondern Mord an einem Mann, der als potentieller Kronzeuge eines Korruptionsprozesses betrachtet werden muss.

Das klingt spannend. Und wird auch spannend, obwohl die Lösung von „Fremde Wasser“ – eine Variation des gleichnamigen Dengler-Romans von Wolfgang Schorlau, in dem es 2006 noch keinen Griechenland-Hintergrund gab; einen griechischen Fall gibt es in der Buchreihe erst im aktuellen Band neun – auf eine Serviette geschrieben werden könnte.

Der Film besticht vor allem durch den Kontrast zwischen den in warmen Farben gezeichneten griechischen Drehorten mit ihrem gleißenden Licht und den kalten Berliner Kulissen am Spreebogen, der Heimat der Technokraten. Kaum haben sich Dengler und Olga erstmals in Griechenland umgehört, führt sie die Fährte zu dem Bundestagsabgeordneten Andreas Schülkopf (Max von Pufendorf), der sich der Parteilinie in Sachen Griechenland widersetzt – weil ihm die Folgen der Privatisierung von Trinkwasser bewusst sind.

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Trailer„Dengler – Fremde Wasser“

Fortan werden wir in die Abgeordnetenbüros ebenso geführt wie in die Straßen von Athen, an dunkle BKA-Schreibtische ebenso wie auf die lichten Hügel einer griechischen Insel. Um von A nach B zu kommen, bedarf es des Firmenfliegers des Beratungsunternehmens, den Dengler herbeiwinken darf. Ein Mann mit Sonnenbrille, der eine Pistole mit Schalldämpfer und ein Scharfschützengewehr mit sich herumträgt, geht auch auf Tour.

Ein temporeicher Film. An der Logik hapert es hier und da. Aber der Drehbuchautor Lars Kraume und der Regisseur Rick Ostermann setzen uns gekonnt einen Thriller vor, der vielleicht sogar internationales Format erhalten könnte, gäbe es mehr Zeit und Raum für die Figuren und die politischen Hintergründe, als neunzig Minuten hergeben, in die hier alles zu stauchen ist. Denglers vorangegangener Fall, der von Verschwörungstheorien rund um die NSU-Verbrechen handelte, war über das Ziel hinausgeschossen. Das ist dieses Mal nicht der Fall. Das ist gut für die Fans der Filmreihe und für jeden, der das Duo Zehrfeld-Minichmayr, das hier nicht zuletzt bei einer Verfolgungsjagd im Regierungsviertel kongenial zusammenarbeitet, noch nicht so gut kennt. Gerne mehr davon.

Dengler – Fremde Wasser, heute, Montag 14. Mai, um 20.15 Uhr im ZDF.

Quelle: F.A.Z.
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