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Gesellschaft für Krümelmonster

Eine Autistin zieht in die „Sesamstsraße“

© dpa, dpa/AFP

Krümelmonster, Grobi und Co. bekommen eine neue Freundin: In der amerikanischen Version der „Sesamstraße“ ist im April zum ersten Mal Julia zu sehen. Die neue Puppe ist vier Jahre alt, hat orange Haare, einen Kuschelhasen und Autismus – eine psychische Erkrankung mit Symptomen wie Verhaltens- oder Sprachauffälligkeiten. Im deutschen Fernsehen wird Julia voraussichtlich nicht zu sehen sein, teilte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) am Montag auf Anfrage mit.

Zum Konzept der Kindersendung, die von Sendern in 34 Ländern koproduziert wird, gehörten auch landestypische Figuren, die nur regional zu sehen seien – wie in Deutschland Finchen und Wolle. Julia gehört in den Vereinigten Staaten zum „regionalen Cast“. Ein Einsatz in Deutschland sei zunächst nicht geplant. Sollten die Produktionen mit Julia den internationalen Partnern zur Verfügung gestellt werden, könnten die entsprechenden Clips dem NDR zufolge aber synchronisiert und auch Teil der deutschen „Sesamstraße“ werden.

Die Vielfalt der Gesellschaft werde in der vom NDR produzierten „Sesamstraße“ aber auch jetzt schon thematisiert. In verschiedenen Reihen und Beiträgen gehe es etwa um das Leben mit einer Behinderung oder um religiöse und ethnische Vielfalt, sagte NDR-Redakteur Holger Hermesmeyer.

Julia ist in der amerikanischen „Sesamstraße“ die Nachbarin von Figuren wie dem Kekse über alles liebenden Krümelmonster, die seit fast 50 Jahren auf dem Bildschirm zu sehen sind. Online gibt es bereits Material über und Videos mit Julia zu sehen, zum Beispiel, wie sie „Sunny Days“ singt. Julias Puppenspielerin ist Stacey Gordon, deren Sohn Autismus hat.

In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Autismus-Diagnosen bei Kindern in den Vereinigten Staaten stark an. Nach Angaben der amerikanischen Gesundheitsbehörden hat eines von 68 Kindern im Land eine Autismus-Störung. Das Thema kindgerecht aufzuarbeiten, stellte die „Sesamstraße“ vor große Herausforderungen, wie die Autorin Christine Ferraro am Sonntag in der CBS-Sendung „60 Minutes“ sagte. „Es ist knifflig, weil Autismus nicht eine bestimmte Sache ist, es ist bei jedem Menschen anders.“ In einem BBC-Bericht sagte die Autorin der „Meet Julia“-Folge, sie fände es gut, wenn Julia nicht als „das Kind der Sesamstraße mit Autismus“ wahrgenommen werde. „Mir würde gefallen, wenn sie einfach Julia ist.“ Die Folge wird in den Vereinigten Staaten am 10. April ausgestrahlt.

Quelle: dpa/AFP
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