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Streamingdienst der Telekom

Sie ist der erste Star im Programm

Von Claudia Reinhard
 - 12:10
Für ihre Rolle der Magd Offglen in „The Handmaid’s Tale – Report der Magd“ erhielt Elisabeth Moss kürzlich einen Emmy. Bild: AP, F.A.Z.

Zwei junge Frauen stehen schüchtern nebeneinander, während Gäste der Telekom sich mit ihnen fotografieren lassen. Ihre Gesichter sind von weißen Flügelhauben umrahmt, die weinrote Robe beißt sich mit dem magentafarbenen Hintergrund. Ende der vergangenen Woche lud das Unternehmen in Berlin zur Vorstellung ihres neuen Streamingangebots „EntertainTV“, und abgesehen von der schwierigen Farbkombination könnten die verkleideten Frauen ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Portals sein.

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Schon Anfang September auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) hatte der Privatkunden-Chef der Telekom, Michael Hagspihl, erklärt, dass man sich als „Aggregator“ verstehe: „Wir bündeln Inhalte auf unseren Plattformen.“ Um die Frage, welche Inhalte das genau sind, ging es jetzt bei der Veranstaltung in Berlin. Denn neben dem Sport- und Musikprogramm, auf das EntertainTV-Kunden schon seit einigen Monaten Zugriff haben, wird es vom 4. Oktober an auf der Plattform auch Serien zu sehen geben. „Content ist für uns superwichtig, und nachdem sechzig Prozent der Deutschen mittlerweile regelmäßig Serien anschauen, lag es nahe, zu sagen, wir machen jetzt Entertain-TV-Serien“, sagte Wolfgang Elsäßer, Leiter des neuen Fernseh-Bereichs, auf der Bühne in Berlin.

Amerika in einer dystopischen Zukunft

Drei Serien hat sich die Telekom zum Start exklusiv gesichert. Die Frauen mit den Flügelhauben verweisen auf die prestigeträchtigste der drei: „The Handmaid’s Tale – Report der Magd“. Die Serie wurde in Amerika gerade mit acht Emmy Awards ausgezeichnet, unter anderem in den Kategorien Drama-Serie, Regie, Drehbuch und Kamera. In der großartigen Adaption von Margaret Atwoods gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1985 haben sich die Vereinigten Staaten in einen theokratisch-totalitärem Staat namens Gilead verwandelt.

Die Bevölkerung ist größtenteils unfruchtbar, und die wenigen Frauen, die noch Kinder gebären können, werden hochrangigen Mitgliedern der Regierung zugeteilt, um für deren Nachwuchs zu sorgen. In „Zeremonien“ werden diese „Handmaids“, im Schoß der Ehefrau liegend, faktisch vergewaltigt, wehrt sich eine von ihnen, wird als erste Warnung ein Auge entfernt. Die Hauptdarstellerin Elisabeth Moss bekam für ihre Rolle der Magd Offglen verdient einen Emmy, wenn auch die Scientology-Mitgliedschaft der Schauspielerin dem Ganzen einen etwas absurden Beigeschmack verleiht.

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Krimi- und Comedy-Fans werden auch bedient

Die zweite Serie, die in Deutschland ausschließlich bei der Telekom gezeigt wird, ist „Cardinal“, das meistgesehene Krimistück des Jahres in Kanada. Hier ermittelt der exzentrische Polizist John Cardinal ijn einem Mordfall, der sich bald als die Tat eines Serienmörders herausstellt. Dem privat gebeutelten, aber genialen Ermittler wird eine neue Partnerin zur Seite gestellt, jung, blond, Vorzeigepolizistin. Diese Konstellation der Figuren ist zwar wenig innovativ, aber die Serie überzeugt mit spannenden Twists und dem atmosphärischen Setting einer Kleinstadt in Ontario, die mit ihrer schroffen Landschaft und menschenfeindlichen Kälte einen sehr passenden Schauplatz für die düstere Geschichte bietet.

Wenn auch hierzulande noch unbekannt, wird „Cardinal“ beim auf Krimis abonnierten deutschen Publikum wohl gut ankommen, aber sicher kein ausschlaggebender Grund sein, sich EntertainTV anzuschaffen. Das gilt wahrscheinlich auch für „Better Things“, eine Serie von Louis C.K., der in der amerikanischen Comedy-Szene eine große Nummer ist, in Deutschland allerdings den wenigsten ein Begriff sein dürfte, was auch daran liegt, dass sein sarkastischer Humor und seine auf die Verhältnisse in Amerika bezogenen Pointen kaum zu übersetzen sind. In „Better Things“ geht es um eine alleinerziehende Mutter von drei Töchtern, die versucht, sich als Schauspielerin durchzuschlagen.

Zusammenarbeit mit Bavaria

Das alles hatte die Telekom schon auf der IFA bekanntgegeben, auch wenn der Emmy-Erfolg von „The Handmaid’s Tale“ das Ansehen des Angebots sicher noch einmal aufgewertet hat. Eine, wenn auch kleine, weil schon öfter angedeutete, Überraschung gab es in Berlin dann aber auch noch: „Neben der Tatsache, dass wir die Pipeline immer weiter mit Content befüllen werden, den wir lizenzieren, wollen wir noch einen Schritt weiter gehen. Wir haben mit der Bavaria einen ganz tollen Partner gefunden, mit dem wir in das Thema Eigenproduktionen einsteigen wollen“, verkündete Wolfgang Elsäßer stolz und überließ es dann dem Bavaria-Produzenten Moritz Polter, das erste gemeinsame Projekt vorzustellen.

In der Dramedy-Serie „Germanized“ verkauft die Bürgermeisterin eines bankrotten französischen Küstendorfs einem reichen Manager dort einen Weiler. Der schickt prompt seine Belegschaft hin, und plötzlich leben zweihundert Deutsche in dem 1800-Seelen-Ort. Das Autorenteam von „Germanized“ besteht aus Thomas Rogel von der „heute-show“ sowie Franck Magnier und Alexandre Charlot, die das Drehbuch zu dem französischen Kassenschlager „Willkommen bei den Sch’tis“ mitgeschrieben haben. Die Hauptrolle übernimmt Christoph Maria Herbst, allerdings, wie Polter betont, spielt er „nicht Stromberg“. Dann zeigt Polter ein Teaser-Video zur Serie: Herbst sitzt in seiner Rolle des Manfred in einem kargen Büroraum, blickt direkt in die Kamera und fragt „Filmen Sie das jetzt?“ Das sieht nicht aus, als hätte man versucht, Parallelen zu Herbsts berühmtester Rolle zu vermeiden. „Germanized“ ist noch in der Drehbuchphase, im Frühjahr 2019 soll gefilmt und Ende des Jahres ausgestrahlt werden.

Telekom bietet Zugriff auf Partner-Streamingdienste

Zusätzlich zu den Exklusiv-Produktionen hat die Telekom Titel der Ufa und den Katalog von Fox+ lizenziert, dem On-Demand-Angebot der Fox Network Group. Dazu gehören Serien wie der „The Walking Dead“, „How I Met Your Mother“, „24“ und „Prison Break“ – sehr erfolgreiche, aber schon durchaus betagte Titel. Insgesamt besteht das Paket aus fünfzig Serienstaffeln, die sich auf 1500 Stunden summieren – das ist durchaus überschaubar. Zum Vergleich: Netflix bietet in Deutschland knapp siebenhundert Serien an.

Mit diesem Angebot will die Telekom allerdings auch gar nicht konkurrieren, ganz im Gegenteil. Sie integriert Netflix in ihre Plattform und ermöglicht den Internet-TV-Kunden so den direkten Zugriff auf das Programm des Fremdanbieters (bei dem diese allerdings auch Kunde sein müssen). Weitere Partner sind Sky, Youtube und Maxdome. Die tatsächlichen Konkurrenten, die mit der neuen Fernseh-Strategie angegriffen werden sollen, sind wohl eher andere Netzanbieter und Kabelnetzbetreiber wie Unitymedia, die mit ihrem Mutterkonzern Liberty Global für 2019 ebenfalls eine eigene Thriller-Serie angekündigt hat. Der Trend, dass Plattform-Anbieter sich immer mehr auf Inhalte konzentrieren, ist in Amerika schon länger zu beobachten. Ende 2016 kündigte der Telekommunikationskonzern AT&T die Übernahme von Time Warner an, und immer wieder gibt es Gerüchte, dass Amazon seine Prime-Unterhaltungsangebote in Europa bald zusammen mit einem Internetzugang verkaufen will.

„The Handmaid’s Tale“ und „Germanized“ werden für Aufmerksamkeit für das neue Serienangebot der Telekom sorgen. Ob die Strategie des Konzerns verfängt, wird aber vom Gesamtangebot abhängen, zu dem zum Beispiel auch immer mehr Virtual-Reality-Programme und Sport gehören sollen.

Quelle: F.A.Z.
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