TV-Kinderserie „Peppa Pig“

Es allen recht machen? Das kann kein Schwein

Von Tilman Spreckelsen
 - 10:54

Als Schwein, so scheint es, wird man schnell mit argwöhnischen Augen beobachtet. Besonders wenn man im Fernsehen auftritt und dort vor allem von Kindern im Vorschulalter gesehen wird. Dabei erfreut sich „Peppa Pig“ (in der deutschen Fassung: „Peppa Wutz“) unter den jungen Zuschauern großer Beliebtheit. Die kurzen Folgen der 2004 erstmals ausgestrahlten britischen Trickfilmserie um das Schweinemädchen Peppa, ihrer Familie und ihren Freunden werden in 180 Ländern ausgestrahlt und in Sprachen wie Gälisch, Maltesisch und Katalanisch rezipiert. Gezeigt werden unterschiedliche Tiere, die sich wie kleine und große Menschen verhalten, mit der Ausnahme vielleicht, dass alle ganz furchtbar lieb miteinander umgehen, niemanden ausgrenzen und sich gegenseitig mit den jeweiligen Besonderheiten annehmen.

Wer eine solche Botschaft verbreitet und eine solche Gefolgschaft hat wie Peppa Pig, kann sich nicht nur auf das millionenfache Verkaufen von Merchandising-Artikeln zurückziehen. Er tritt als Vorbild auf, auch in alltäglichen Dingen, und tut er das nicht, erheben sich die Stimmen einer wachsamen Öffentlichkeit. So wurde die Serie bereits für ihren laxen Umgang mit Fahrradhelmen und Anschnallgurten kritisiert, was die Urheber rasch korrigierten, im offensichtlichen Bemühen, es allen recht zu machen, vor allem den besorgten Eltern.

Doch es scheint, dass gerade dieser doppelte Anspruch – interkulturelles Miteinander auch über die Grenzen der Spezies hinweg und weltweiter Erfolg – dort an seine Grenzen stößt, wo die Realität nicht mitspielt. Wie der „Guardian“ berichtet, hat der australische Sender ABC eine Episode, die bereits 2012 auf Proteste stieß und zurückgezogen wurde, nun ein weiteres Mal aus dem Angebot genommen. Es handelt sich um eine Folge, in der eine Spinne auftaucht und Peppa sich vor ihr ängstigt. Vater Pig beruhigt sie mit den Worten, die Spinne sei doch so klein und könne ihr nicht weh tun, woraufhin Peppa ihr großes Herz auch für die Spinne öffnet und mit ihr Tee trinkt.

Was allerdings für die Tierwelt in England gilt, entspricht nicht den Erfahrungen in Australien, wo jährlich zweitausend Menschen wegen Spinnenbissen behandelt werden müssen und sehr viel größere dieser Tiere beutegierig herumhuschen. So gesehen, ist die Empörung australischer Eltern über die Episode verständlich, auch wenn man sich fragt, ob ihre Kinder nicht sehr wohl zwischen den Spinnen auf dem Bildschirm und den echten da draußen unterscheiden können. Jedenfalls ist die Kluft, die zwischen der Peppa-Fiktion und der Realität klafft, Wasser auf die Mühlen des konservativen Kommentators Piers Akerman aus Sydney. Im dort erscheinenden „Daily Telegraph“ witterte er bei Peppa Pig insgesamt einen „schrägen Feminismus“ und sorgte sich daher um die jungen Zuschauer, die diesem Einfluss ausgesetzt seien.

Was genau Akerman mit diesen Worten meint, bleibt bislang sein Geheimnis. Um explizite Äußerungen Peppas oder gar das öffentliche Bekenntnis zum Feminismus kann es kaum gehen, schließlich hält das Schwein größtmöglichen Abstand zu allem, was es – jenseits der Toleranzbotschaft – auf eine bestimmte Weltanschauung festlegen könnte. Vor sieben Jahren sagte Peppa sogar einen vereinbarten Auftritt auf einer Labour-Veranstaltung ab. Natürlich war das auch kein Bekenntnis zu den Tories. Das Jungschwein, so hieß es nach der Absage, sei ein weltweiter Star und daher einfach zu beschäftigt.

Quelle: F.A.Z.
Tilman Spreckelsen - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Tilman Spreckelsen
Redakteur im Feuilleton.
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