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Journalismus und die AfD

Deckel drauf

Von Michael Hanfeld
 - 16:03

Die AfD schafft es einfach immer wieder. Mit jeder Provokation, mit jedem gezielten Tabubruch sorgt sie für Aufsehen und fordert die etablierten Parteien und den Journalismus heraus. Soll man über jedes Stöckchen springen, das einem die Rechtsaußen-Partei hinhält? Bisweilen muss man es, wie gerade bei der Äußerung des Parteivorsitzenden Alexander Gauland, der die NS-Herrschaft als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte bezeichnete, damit aber angeblich mitnichten die Vernichtungspolitik der Nazis verniedlicht haben wollte.

Gauland dürfte selbst ganz genau wissen, wozu sein „Vogelschiss“ taugt. Auf seine Einlassung hin gab es reichlich Kontra, aber auch eine Reaktion, die im hiesigen Journalismus um sich greift. Sie lautet: Man soll oder darf mit den „Rechten“ nicht nur nicht reden, sondern darf auch nicht auf ihre Themensetzung eingehen. Denn damit lasse man sich von ihrem „Framing“ einfangen, also der Interpretation, zumeist Zuspitzung, von Ereignissen und Themen, die dadurch gleich Schlagseite bekämen.

Dabei ist nicht nur die Zuschreibung „rechts“ unbestimmt, volatil und in einem fließenden Übergang zu „rechtsradikal“ oder „rechtsextrem“ begriffen. Verquer ist auch die Auffassung vom vermeintlichen Agenda-Setting oder Framing von „rechts“, das man nicht beachten dürfe. Denn das führt dazu, dass die bösartigen Attacken von AfD & Co. unwidersprochen ihre Wucht entfalten können und dass Themen, auf die diese Partei setzt, als kontaminiert erscheinen und unter den Tisch gekehrt werden.

Sie sind aber – wie zum Beispiel die Flüchtlingspolitik – ausgesprochen virulent und werden nur noch virulenter, wenn Journalisten, wie das in Mode kommt, zu Aktivisten werden, sich damit brüsten, gegen die AfD zu demonstrieren und Sprechverbote erteilen.

Insofern ist die besonnene Reaktion der drei Talkshowmoderatorinnen, die bei ARD und ZDF die Bühne für den öffentlichen Disput bereiten, ausgesprochen erfreulich. Maybrit Illner, Sandra Maischberger und Anne Will sagten bei einer Blitzumfrage der Deutschen Presse-Agentur dem Sinn nach, sie entschieden nach journalistischen und inhaltlichen Kriterien, wen sie einladen; extremen Äußerungen gebe man keinen Raum, und die AfD sei ohnehin nicht Dauergast. Nur Frank Plasberg zog die Reißleine und verkündete, er werde Gauland nie wieder in seine Sendung einladen. Damit begibt er sich der Chance, den AfD-Chef herauszufordern und zu stellen. Er macht es sich bequem und lässt sich von dem mit einer Gauland-raus-Petition versehenen Internet-Hype beeindrucken. Dafür gab es Applaus von den Grünen und vom „Monitor“-Moderator Georg Restle.

Doch genau das nennt man Framing – bestimmen, mit wem über was und wie geredet wird. Dahinter steckt, was die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer unlängst dem ZDF-Moderator Jan Böhmermann vorwarf, als der eine Liste mit 1270 Online-Accounts von Leuten „aus dem rechten Spektrum“ ins Netz stellte, die man blockieren solle: „Blockwart-Denke“. Einen größeren Gefallen, als sich so zu verhalten, kann man der AfD gar nicht tun.

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Zehntausende auf der StraßeFür und gegen die AfD

Quelle: F.A.Z.
Michael Hanfeld
verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.
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