Anzeige

Philip Mirowski im Gespräch

Die Linke hat auch keine Antwort

 - 13:04
Die Finanzkrise hat uns Arbeitsplätze gekostet. Aber intellektuell und strukturell ist alles beim alten geblieben, sagt der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Philip Mirowski. Bild: Archiv, F.A.Z.

In Ihrem Buch „Never Let a Dire Crisis Go to Waste“, das im kommenden Mai erscheinen wird, beschäftigen Sie sich mit der Finanzkrise und ihren Folgen. Oder sollte ich besser sagen: Sie klagen über einen Mangel von Folgen?

Anzeige

Ja, das ist ein Hauptthema des Buches. Was jetzt? Vier, fünf Jahre danach. Es ist erstaunlich, wie wenig nur sich intellektuell verändert hat, aber auch strukturell ist fast alles beim Alten geblieben. Das Letztere ist bekannt, da erzähle ich niemandem etwas Neues über den Bankensektor, der nun praktisch genauso aussieht wie vor dem Crash, und der Schattenbankensektor, also mit Hedgefonds und Private Equity, ist wirklich unverändert über die Runden gekommen. Verändert hat sich nur, dass viel mehr Leute keine Arbeit haben und Regierungen zugeben mussten, dass ihre Haushalte außer Kontrolle geraten sind. Was alles sehr seltsam ist, wenn man die Wucht und Reichweite der Krise in Betracht zieht.

Es wäre jedoch gar nicht so seltsam, wenn man dazu neigte, diese Krise als eine unter vielen, sozusagen als immer mal wieder drohende Betriebsstörung abzuhaken.

Sehen Sie, da kommen wir zum Kern der Sache. Es ist ja nur zu verständlich, dass die Leute ihr vertrautes Bezugssystem hervorholen, um zu verstehen, was um sie herum vor sich geht. Nicht allein auf der Rechten wird so gedacht, auch auf der Linken gibt es solche Stimmen. Lesen Sie nur David Graebers Buch „Schulden“, in dem er über fünfzehnhundert Jahre zurückblickt und dauernd enorme Schuldenzyklen ausfindig macht. Eine verständliche Reaktion, aber dass so viele Leute daran glauben, finde ich etwas merkwürdig. Denn die Krise hat ein paar ganz spezielle Aspekte zu bieten. Zuallererst den, dass die Leute es vorziehen, lediglich eine Makrokrise zu sehen, und das ist sie ohne Zweifel nicht. Paul Krugman etwa will nur die Makroökonomie verändern und glaubt, dann sei alles beherrschbar. Aber das ist nicht wahr.

Anzeige

Worin irrt sich der Wirtschaftsnobelpreisträger von 2008?

Die Krise entspringt zunächst einmal den letzten dreißig Jahren, die von der Transformation des Aktienmarkts und Finanzsektors geprägt sind. Sie sehen das an Sachen wie den Flash Crashes, dem Hochfrequenzhandel, auch an der Tatsache, dass die Big Players im Grunde jetzt denken, es sei ein Fehler, überhaupt Aktien zu besitzen, weil es keine Möglichkeit mehr gebe, das riesige Computersystem zu beherrschen. Mit konventionellen Analysen ist diesem Computersystem nicht beizukommen. Aber auch ökonomisch ist etwas Tiefgreifendes im Gange, und die Leute ignorieren das einfach. Es gibt nur noch wenige von uns, die sich ernsthaft mit der Geschichte des ökonomischen Denkens beschäftigen und aus den Universitäten nicht vertrieben worden sind.

Was übersieht oder will die Mehrheit der Ökonomen nicht sehen?

Die ökonomische Orthodoxie prallte in den späten siebziger Jahren auf unlösbare Probleme. Es wurde klar, dass es keinen Großentwurf gibt, der all die eher simplifizierten Strukturen rechtfertigen kann, auf die wir uns oft beziehen, um Märkte zu erklären. Einige erkannten, dass dies an die Fundamente ging, unter ihnen Alan Kirman in Frankreich und Werner Hildenbrand in Deutschland. Sie registrierten, dass die Vorstellung, es gebe eine gültige Theorie der ökonomischen Rationalität, auf die sich eine Mehrheit von Ökonomen in ihrer Arbeit berufen kann, in sich zusammengebrochen war. All jene aber, die damals zugaben, dass es ein Problem gibt, wichen in andere wissenschaftliche Gebiete aus. Wer blieb, war im alten Denken gefangen.

Was genau ist passiert?

Wir reden jetzt nicht über die Welt, sondern über die ökonomische Erzählung. Und die fiel auseinander. Es brachen ihr die Fundamente weg. Einzelrationalität, die, wenigstens in einer idealen Welt, zu einem allgemeinen Gleichgewicht führt - davon ist nichts übrig. Es stimmt nicht einmal in einer idealen Welt, um wie viel weniger in der wirklichen. Die Folgen? Einige Leute sind in die Verhaltensökonomie abgewandert, die manch ein Fundament des rationalen Handelns und seiner Psychologie untergräbt, aber nichts an seine Stelle setzt. Andere haben sich Spieltheorien zugewandt, was auch wieder Widersprüche hervorrief. Kurz, die Wirtschaftswissenschaft trieb richtungslos dahin, schon bevor die Finanzkrise ausbrach.

Die Finanzkrise, hätte man denken sollen, würde eine verunsicherte Wissenschaft weiter zersplittern und in unterschiedliche Schulen treiben. Nichts davon ist eingetreten. Die Wissenschaft hat sich noch stärker abgeschottet und verteidigt ihre alten Positionen. In Harvard gibt es berühmte Leute, die sagen: Wenn wir bezahlt werden, müssen unsere Ergebnisse auch richtig sein. Das ist kein Witz, Leute sagen heute solche Sachen! In der gesamten intellektuellen Geschichte, wie ich meine, ein nie dagewesener Vorgang.

Die ökonomische Krise ist eine intellektuelle Krise?

So ist es. Und der Finanzkrise zum Trotz hält sich die Wirtschaftswissenschaft für unangreifbar. Die Frage ist: Warum? Ich habe darauf nicht alle Antworten. Wir müssen uns als Erstes auf eine Diagnose einigen. Wir dürfen nicht jammern: Da ist zu viel Mathematik drin! Ein dumme Antwort, die mich ganz krank macht. Die einfache neoklassische Theorie geht von Menschen aus, die sich rational verhalten. Wir wissen, dass sie das nicht tun. Auch das ist eine dumme Antwort. Die Theorie aber, die uns gegenwärtig zur Verfügung steht, erlaubt uns nicht zu begreifen, wie sich ein normal operierendes System so entwickeln kann, dass es sich selbst untergräbt. Keines der existierenden Modelle kann das nachzeichnen.

An welche Probleme denken Sie genau?

Die kulturelle Dominanz des Neoliberalismus, wie er von der Mont Pelerin Society seit den vierziger Jahren entwickelt wurde, macht die Annahme, ein Markt könne versagen, fast unmöglich. Im neoliberalen Denken wird der Markt als grandioser Informationsprozess verstanden. Die meisten Leute glauben daher, der Markt wisse mehr als sie selbst. Wenn das stimmt, dann sind wir nicht in der Lage, ein Marktversagen zu diagnostizieren. So ist in die Kultur eingebaut, dass wir Marktversagen nicht einmal mehr als Konzept wahrnehmen. Wir brauchen aber eine Theorie, die über eine Erzählung verfügt, in der Märkte als unreine und unvollkommene Informationsprozesse geschildert werden. Viele Märkte führen uns eben oft in die Irre, und einige Märkte existieren, um uns im Dunkeln zu lassen. Ökonomen, ich versichere es Ihnen, können das nicht zugeben. Sie sind Teil dieser Kultur. Deshalb sind Wissenschaftshistoriker nötig.

Geben Sie als Wissenschaftshistoriker uns ein Beispiel für einen solch dunklen Markt?

Bis zu einem gewissen Grad ist der Schattenbankensektor dazu da, diese Dunkelheit herzustellen - also Handel und Preise undurchsichtig zu machen, und zwar vorsätzlich! Zu sagen: Ach, Credit Default Swaps werden nun auf einem offenen Markt gehandelt, alles wird gut. Das ist lachhaft! Das ganze System zielt darauf ab, Ignoranz zu fördern. Einige Leute haben das sogar schon zugegeben, aber dann behauptet, das sei gut so, weil zu viel Wissen einen Lähmungszustand hervorrufen könnte. In einigen Märkten sollen die Leute verwirrt bleiben.

Müsste da nicht der Staat wieder Durchsichtigkeit herstellen?

Die Neoliberalen selbst haben eine sehr interessante Vorstellung, die ich als doppelte Wahrheit bezeichnen würde. Den meisten Leuten reicht die schlichte, ältere liberale Erzählung, nach der es einen Markt gibt, der in der Regel gut ist, und einen Staat, vor dem man sich in Acht nehmen muss, und darum wäre ein Nachtwächterstaat am besten. Zugleich ist nach dieser geläufigen Vorstellung der Markt ein ungeheuer gefährliches Ding, das vom Staat irgendwie unter Kontrolle gehalten werden muss.

Neoliberale aber denken anders, und das müssen wir ganz klar sehen. Sie wollen um ihrer Macht willen, dass andere das glauben, aber sie selbst tun das nicht. Sie glauben vielmehr, dass sie für die Märkte, die sie als die besten erachten, den Staat dazu bringen müssen, gewisse Strukturen aufzuerlegen. Was auch die Geschichte des Ordoliberalismus ist. Es ist das Ziel der Neoliberalen, den Staat in ihrem Sinne zu veranlassen, bestimmte Strukturen zu schaffen und eine Welt herzustellen, die für ihre Marktevolution geeignet ist. Das wollten sie tun, das haben sie getan, und das zu verstehen heißt, die Geschichte des Neoliberalismus von den siebziger Jahren an zu verstehen.

Können Sie das konkreter schildern?

Nehmen wir die Klimaerwärmung, eine Wissenschaftskontroverse, und das ist ein ganz naheliegendes Thema, denn die Geschichte der Ökonomie wird total von der Geschichte der Naturwissenschaften bestimmt. Der frühe Neoklassizismus ist ja nichts anderes als eine Imitation der Physik. Wir müssen uns darum auf die Naturwissenschaften beziehen, um zu verstehen, was ökonomisch vor sich geht. Also die Klimaerwärmung: Was denken Neoliberale darüber? Ein Aspekt, der aus ihren Denkfabriken kommt, ist die Verleugnung. Wir müssen uns aber diese Verleugnung näher ansehen. Glauben Sie, dass die Neoliberalen glauben, sie könnten die Wissenschaft verändern? Durch Verleugnung? Nein, sie sind doch nicht dumm! Ihre Verleugnung dient ihnen dazu, Zeit für andere neoliberale Politik zu gewinnen.

Für welche Politik genau?

Etwa für einen Emissionshandel, von dem Sie vielleicht denken: Oh, das ist so ein linkslastiges Ding! Sie müssen sich aber einmal die Geschichte davon näher ansehen, und da werden Sie feststellen, dass die Preisermittlung von Karbonemissionen zwei- oder dreimal im europäischen Kontext dramatisch fehlgeschlagen ist. Niemals wurde zudem der Anstieg von Karbonemissionen verringert. Meinen Sie nicht, dass die das wissen? Die sind doch nicht blöd! Obwohl sie das ganze Programm erfunden haben, erwarten sie, dass es nicht funktioniert. Sie kaufen sich lediglich Zeit und gaukeln den Leuten vor, dass etwas gegen die Klimaerwärmung unternommen wird. Welches Programm aber verfolgen sie auf lange Sicht? Was glauben sie wirklich? Sie glauben, dass jedes Problem, mit dem sich die Menschheit konfrontiert sieht, durch mehr Märkte zu lösen ist. Sie glauben somit, dass Unternehmer, denen erlaubt wird, uneingeschränkt Neuerungen einzuführen, marktwirtschaftliche Lösungen finden werden, uns zu retten. Bei der Klimaerwärmung bedeutet das: Geoengineering.

Wie soll denn den Leuten die technologische Manipulation der Erde verkauft werden?

Die Leute sind einfach nicht aufmerksam genug. Wie können Neoliberale das Geoengineering vorantreiben und gleichzeitig die Klimaerwärmung leugnen? Weil sie ein breitgefächertes Spiel treiben, wie es niemand auf der Linken vermag. Weil sie es gründlich durchdacht haben. Sie benutzten den Staat, um uns in eine Lage zu manövrieren, in der Unternehmer und Wissenschaftler gemeinsam eine Art von Science-Fiction-Lösungen anstreben. Karbonemissionen werden nicht reduziert, aber der Wille des Marktes geschieht. Es ist ein in sich schlüssiges Programm.

Dem die Linke nichts entgegenzusetzen hat?

Die Linke kann da nicht mithalten. Sie verfügt über keine vergleichbare ökonomische Theorie, auf die sich ein politisches Langzeitprogramm stützen könnte. Was sie vorschlägt, ist immer nur kurzfristig gedacht. Sie weiß nicht, was sie sich unter einem Markt vorstellen soll. Ich kenne so viele Leute auf der Linken, die auf bizarre Weise das neoliberale Konzept eines Marktes übernommen haben.

Sie sehen tatsächlich keinerlei Gegenbewegung zum neoliberalen Mainstream?

Es geht viel tiefer. Ich frage mich auch, warum der Stand der Ökonomen so unempfänglich für Kritik ist. Vor allem ist er mehr als integriert mit der Finanzbranche. Er ist, um es klar auszusprechen, ein Teil von ihr. Ökonomen bekommen nicht nur gelegentlich ein bisschen Geld, weil sie ein Gutachten verfasst haben. Sie sind Vizepräsidenten von Pimco, sie sind die Chefökonomen von Moody’s, und sie geben nie in ihren wissenschaftlichen Veröffentlichungen an, dass sie das sind. Die Leute draußen haben keine Ahnung, was da vor sich geht.

Sie zeichnen ein trostloses, haarsträubendes Bild von den gegenwärtigen ökonomischen, akademischen und politischen Verhältnissen.

Nein, ich will nur nicht sagen, jeder Beteiligte sei voll guten Willens und bemühe sich, die Sache wieder ins Lot zu bringen. Das System hat sich über einen längeren Zeitraum entwickelt, und wir versuchen jetzt zu verstehen, wie gewisse intellektuelle Trends Rückhalt finden und sich wiederholen, zumal in Krisenzeiten.

Wie kann dieser Kreislauf unterbrochen werden?

Die wachsende Macht der Ökonomen, im größeren Rahmen betrachtet, hängt ja eng mit Veränderungen im Universitätssystem zusammen. In den vergangenen drei Jahrzehnten sind Universitäten in Amerika unter immer mehr Druck geraten, auch ökonomisch erfolgreich zu sein. Wer sind die Hohepriester und Theoretiker dieses Wandels? Ökonomen. Nun funktioniert das nach all der Zeit nicht besonders gut. Was soll ein Universitätspräsident tun? Er könnte sagen, es sei ein Fehler gewesen, und zum Rückzug blasen oder, ganz im Gegenteil, die bisherigen Anstrengungen noch verstärken, wofür er wiederum Unterstützung brauchte, nämlich die von Ökonomen. Sie werden zu Apologeten der neuen Universität, die nicht auf sie verzichten kann. Damit aber sind sie doppelt unangreifbar, im universitären Bereich ebenso wie im finanziellen.

Ihre Erzählung wird immer grausiger. Gibt es denn keinen Ausweg aus diesen Abgründen intellektueller Unehrlichkeit und finanzieller Verstrickungen?

Ich beschreibe nur Strukturen. Menschen waren schon auf ihren Vorteil bedacht, als sie noch mit Steinen hantierten. Es geht nicht um Geldgier. Es geht darum, dass Ökonomen nun eng verknüpft sind mit der Zukunft unseres bestehenden finanziellen Sektors sowie des neuen Universitätsmodells und sich folglich entsprechend verhalten. Mit Gier ist überhaupt nichts zu erklären. Davon reden nur Leute, die sich nicht die Mühe machen wollen, im Detail herauszufinden, was um sie herum passiert.

Wie lassen sich solche Strukturen aufbrechen, ohne dass das gesamte System zerstört wird?

Ich denke da an einen Rückbau des Schattenbankensektors und einen Rückzug der Ökonomen aus den Zentralbanken. Stattdessen hat uns die Krise gelehrt, dass ihre Auslöser mächtig genug sind, sich zu verteidigen. Wir befinden uns jedoch in einer unhaltbaren Lage. Die jetzige amerikanische Zentralbank ist bereit, alles zu tun, um jede Großbank davor zu bewahren, irgendeinen Schuldenschnitt erleiden zu müssen. Das ist unhaltbar.

Müssten nicht erst einmal die Lügen aufgedeckt werden, die, wie Sie es schildern, die Oberhand gewonnen haben?

Seien wir vorsichtig, das Lügen zu nennen. Man verkauft den Leuten nur eine Geschichte, die verwirrend sein könnte, auch undurchschaubar, aber wer das verkauft, wird darin keine Lügen sehen. Er glaubt wirklich, dass auf dem Marktplatz der Ideen jeder die Freiheit hat, das zu glauben, was er will. Das geht über Lügen weit hinaus.

Gibt es nirgendwo am Horizont auch nur die vage Skizze einer Erzählung, die der neoliberalen Version Konkurrenz machen könnte?

Niemand ist heute daran interessiert, eine Theorie auszuarbeiten, die vom Neoliberalismus nicht kooptiert werden könnte. Hayek warnte seine Mitstreiter davor, die Aufgabe bloß ökonomisch anzugehen. Er hatte recht. Wir haben es nicht nur mit einem ökonomischen, sondern einem kulturellen Problem zu tun. Es geht darum, wie wir uns selbst verstehen. Und was Märkte sind und welche Rolle wir in Märkten spielen und wie ein gutes Leben aussieht. Nur mit solchen Erzählungen sind die Leute zu aktivieren. Darum hat mich die Occupy-Bewegung so schmerzlich enttäuscht, die von der Vorstellung ausging, Ideen würden irgendwo von unten hochsprudeln. Eine irrsinnig naive Ansicht.

Was wäre denn Ihr Rezept zur Krisenbewältigung?

Wir wollen Mont Pelerin nicht imitieren, aber einige Aspekte davon sollten wir ins Auge fassen. Vor allem den: Mont Pelerin war eine Zeitlang eine „debating society“, ein Diskussionsclub am Rande der Gesellschaft. Heute sehe ich nirgendwo auf der Linken einen solchen Club. Mont Pelerin war ganz ungewöhnlich insofern, als niemand dort wusste, wohin die Reise gehen sollte. Alle Teilnehmer aber waren bereit, über Grenzen hinauszudenken und neue Möglichkeiten zu entdecken. Sie fragten sich in den vierziger Jahren etwa: Was, wenn wir mit dem Laisser-faire aufhören? Könnte die Linke jetzt nicht sagen: Was, wenn wir mit der Fetischisierung des Staats aufhören?

Die Fragen stellte Jordan Mejias.

Zur Person

Philip Mirowski ist Ökonom und Wissenschaftsgeschichtler. 1989 führte er in seinem Buch „More Heat Than Light“ (Mehr Hitze als Licht) den Nachweis, dass alle Grundbegriffe der heute dominanten Volkswirtschaftslehre sich einer schlichten Übersetzung von Grundbegriffen der Physik des 19. Jahrhunderts verdanken. Im Jahr 2002 erweiterte er diese These in „Machine Dreams: Economics becomes a Cyborg Science“ und untersuchte den Einfluss der Maschinentheorie auf die Wirtschaftswissenschaft sowie die Märkte. Morowski lehrt seit 1990 an der Universität von Notre Dame (Indiana). In „Science Smart - Privatizing American Science“ (2011) hat er die wachsende Abhängigkeit der amerikanischen Forschung von Interessen der Wirtschaft untersucht.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenPaul KrugmanDeutschlandFrankreichDie LinkeHarvardOccupyFinanzkrise

Anzeige