Zum Tod von George Young

Unter Strom

Von Edo Reents
 - 17:46

Ohne George Young, ja, überhaupt ohne den schottisch dickschädeligen Young-Clan hätte es eine der erfolgreichsten Bands aller Zeiten vermutlich nie gegeben. Während Malcom und Angus in der australischen Diaspora, wohin die Familie Anfang der sechziger Jahre von Glasgow aus eingewandert war, noch von der großen Karriere träumten, war George schon deutlich weiter: Als Rhythmusgitarrist und Songschreiber der auch in Europa erfolgreichen Easybeats, die mit „Friday On My Mind“ (1966) einen gewaltigen Hit hatten, war er schon ein Rollenvorbild, als die Kleinen noch keinen Ton von Chuck Berry gehört hatten, auf den sie wiederum von Schwester Margaret aufmerksam gemacht wurden.

Auf Margarets Nähmaschine stand auch das Schild, das auf Gleichstrom/Wechselstrom hinwies. George brachte den Brüdern die ersten Griffe bei, die dermaßen saßen, dass sie nie mehr überarbeitet werden mussten, gab ihnen Tipps für professionelles Verhalten, ermahnte sie zur ewigen Treue zur Band-Idee und trichterte ihnen auch ein, nur ja vor keinem Plattenboss zu kuschen – fertig waren, 1973, AC/DC.

Deren erste und beste Platten produzierte George mit seinem Kumpel Harry Vanda für die australische Firma Albert Productions. Der Rest ist nun wirklich Legende. Nach dem Easybeats-Ende blieb George einer der wichtigsten Strippenzieher des australischen Rock und Pop, machte mit Vanda unter dem Namen Flash and the Pan durchaus wegweisende synthesizerlastige Wave- und Diskomusik („Waiting for a Train“, 1982, „Ayla“, 1987) und fing irgendwann auch wieder an, AC/DC zu produzieren – bodenständig wie eh und je. Nun ist George Young im Alter von siebzig Jahren gestorben. Wieder ist die Rockmusik ärmer.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Reents, Edo (edo.)
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