Album der Woche:

Götz Alsmann singt Italo-Hits

Von Rolf Thomas
 - 21:02

Das Forum Music Village in Rom, jenes berühmte Musikstudio, das einst Ennio Morricone gehörte, befindet sich direkt unter der Kirche Sacro Cuore di Maria. Wo sonst Cher oder die Red Hot Chili Peppers ihre Platten aufnehmen, hat sich im April dieses Jahres Götz Alsmann mit seiner Band einquartiert, um achtzehn italienischen Liedern in deutscher Sprache authentisches Flair zu verleihen. Sein neues Album „In Rom“ ist der dritte Teil einer Trilogie, für die sich der Sänger und Multi-Instrumentalist aus Münster zuvor bereits „In Paris“ und „Am Broadway“ herumgetrieben hat.

Bei den ersten beiden Platten ging es Alsmann neben den bekannten Gassenhauern wie „La mer“ oder „My Favorite Things“ auch immer darum, unbekanntere Perlen der Jazz-Schlager-Geschichte der Vergessenheit zu entreißen. Bei der italienischen Variante dagegen setzt er ausschließlich auf die Schlachtrösser, die wohl jeder im Ohr hat, der in den letzten fünfzig Jahren auch nur ab und zu mal das Radio eingeschaltet hat.

Und so hören wir deutsche Fassungen von „Azzurro“, das einst Vico Torriani und Peter Rubin auf Deutsch sangen, von „Quando Quando Quando“, auf Deutsch ein Hit für Caterina Valente, oder von „Arrivederci Roma“, das Gerhard Wendland uns nahegebracht hat. Manchmal war Alsmann mit den Textvorlagen allerdings auch nicht zufrieden, dann machte er sich kurzerhand selbst ans Werk. „Ciao Ciao Ciao“ zum Beispiel hat 1958 der österreichische Schlagerstar Jörg Maria Berg in deutscher Sprache eingesungen, dabei den Witz der Vorlage jedoch nicht erfasst. „Sein Text beschränkt sich ziemlich auf ,Die Zeit mit dir war schön / wann werden wir uns wiedersöh’n‘“, erzählt Alsmann. „Im Original geht es aber darum, dass ,ciao‘ sowohl ,Guten Tag‘ als auch ,Auf Wiedersehen‘ heißt. Das hat gleich einen ganz anderen Witz, denn es spielt mit dieser Sprachlektion. Also musste ein neuer Text her.“

„Volare“, längst ein internationaler Evergreen, hieß bei Peter Alexander „Bambina“ und hatte mit dem eigentlichen Inhalt des Liedes nichts zu tun. Götz Alsmanns Version heißt da viel präziser „Ich fliege“ und gibt die Sehnsucht, von der Fabio Rovazzis Lied handelt, kongenial wieder. „Marina“ von Rocco Granata spielt die Götz Alsmann Band in einer erfrischend gegen den Strich gebürsteten Instrumental-Version – ganz einfach, weil der Bandleader das Lied nicht leiden kann.

Überhaupt ist die musikalische Umsetzung der vermeintlich zu Tode gedudelten Lieder exquisit. Mit viel Understatement und originellen Arrangement-Ideen – wir hören zum Beispiel Mandolinen, aber auch Klarinetten, Orgeln, Vibraphon und viel präzise eingesetzte Rhythmus-Instrumente des Perkussionisten Markus Paßlick – hauchen die fünf Musiker den Schlagern neues Leben ein, Produzent Régis Ceccarelli sorgt für einen schlanken und transparenten Klang.

Alsmann singt sich leicht, lässig und elegant durch das Repertoire, er kann aber auch den seifigen Charme eines Conférenciers der sechziger Jahre aktivieren. Die ironische Grundfärbung seiner Stimme muss man allerdings nach wie vor mögen, sie verliert sich eigentlich nur in den leiseren Momenten der Musik. Und dann hat er auch noch ein Lied ins Repertoire geschmuggelt, von dem es gar keine italienische Vorlage gibt. Die „Caprifischer“, einst von Rudi Schuricke mit unnachahmlichem Schmelz in der Stimme gesungen, haben zwar ihren Siegeszug fast über die ganze Welt angetreten, sind aber in Italien entgegen anderslautender Gerüchte vollkommen unbekannt.

Götz Alsmann: „In Rom“. Blue Note (Universal)

Quelle: F.A.Z.
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