Porträt Gerd Knebel

Der wo da wieder Musik macht

Von Christian Riethmüller
 - 11:33

Volles Haus. Rund 4000 Menschen feiern in der Stadthalle Offenbach das vierzigjährige Bestehen der Band Rodgau Monotones, schwelgen in Erinnerungen. Der ohnehin lautstarke Jubel schwillt noch an, als zwei Männer in Anzügen auf die Bühnen kommen und a cappella Pharrell Williams’ Hit „Happy“ darbieten. Die beiden Männer sind Henni Nachtsheim und Gerd Knebel, besser bekannt als Komikerduo Badesalz, seit bald 30 Jahren eine hessische Institution.

Über diese lange Zeit und angesichts der Popularität von Badesalz ist es fast ein wenig in Vergessenheit geraten, dass sowohl Nachtsheim als auch Knebel ihre Bühnenkarrieren als Musiker begannen. Nachtsheim war in den achtziger Jahren Sänger und Saxophonist der Rodgau Monotones, während Knebel als Sänger der Gruppe Flatsch! die andere hessische Kultband jener Zeit anführte.

Neues Musikprojekt: Rap

Die beiden Bands waren gut miteinander befreundet und wurden in und um Frankfurt herum auch gern im Doppelpack für Konzerte gebucht. Nicht weiter verwunderlich also, dass Knebel beim bekanntesten Lied der Rodgau Monotones, der 1984 veröffentlichten inoffiziellen Hessen-Hymne „Die Hesse komme“, gut vernehmbar im Background sang.

Gerappt wird in dem Stück ja auch, und genau dieser Rap ist drei Jahrzehnte später so etwas wie das Bindeglied zu einem neuen musikalischen Projekt Gerd Knebels. Denn diesen Rap, in dem „ein wüster Krach aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach“ besungen wird, hört irgendwann auch ein Kind in Darmstadt, das später selbst mit südhessisch oder „neuhessisch“ eingefärbtem Rap Karriere machen wird – Marco Döll alias Mädness.

Gemeinsames Album veröffentlicht

Döll wächst in Eppertshausen mit den Sketchen und Sprüchen von Badesalz auf, ahmt die Charaktere aus den Programmen des Komikerduos nach. Vermutlich daher gibt er in einem Magazininterview auf die Frage, mit wem er denn gern einmal zusammenarbeiten würde, die Antwort „Badesalz“. Gerd Knebel hat dieses Interview gelesen und erinnert sich: „Ich kannte Aufnahmen von Mädness und dachte mir, das könnte passen. Also sprach ich ihn einfach mal auf einer Veranstaltung in Darmstadt, auf der wir beiden waren, an.“

Das war im Jahr 2013, als Döll neben seiner Hip-Hop- und Rap-Karriere noch Puppenspieler im Kikeriki-Theater war. Fortan hätten die beiden sich immer mal wieder getroffen, um eine Zusammenarbeit zu besprechen, erzählt Knebel, der im Rodgauer Stadtteil Nieder-Roden lebt. Bei diesen Treffen entstanden Skizzen, Riffs, Textideen, die sich schließlich zu zehn Stücken für ein Album fügten, das Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurde. Erschienen ist es bei Frau Batz Records, einem Label, das Henni Nachtsheim und Knebel für ihre musikalischen Abenteuer gegründet haben. Den Vertrieb übernimmt mit Indigo ein bekannter Name aus dem Independent-Bereich.

Knebel und Döll firmieren für das Album mit dem Titel „Putzintensiv“ unter dem Namen Dirty Dabbes, was sich mit dem schönen Wort Drecksdepp übersetzen lässt, schließlich ist es von Rodgau nach Bayern nicht weit.

Deppert im Sinne von „dabbisch“ oder tölpelhaft geht es bei den Liedern, die in einem Darmstädter Studio aufgenommen wurden, aber nicht zu, sondern eher klamaukig bis skurril. Auch haben Knebel und Mädness kein Hip-Hop-Album voller Reime und Beats aufgenommen, sondern sich bei Stilen von Rock, Funk und Reggae bis hin zu Folk bedient und zu diesen Klängen mal gesungen, mal gerappt und mal gesprochen.

Kein Bühnenprogramm geplant

Die hessisch grundierten Texte, die etwa von einem saufenden Paar im Irish Pub handeln („Guinessbär“), dann die Klage eines unter dem Pantoffel seiner Partnerin stehenden Typs führen („Isch hab disch“) oder den weitverbreiteten Hang zur Erregung („Zutiefst beleidigt“) thematisieren, sind dabei gar nicht weit von musikalischer Comedy entfernt und lassen einige Male an Flatsch! denken.

Als Grundlage für ein Bühnenprogramm wird das Album aber nicht dienen. „Es ist ein Projekt gewesen“, sagt Knebel: „Außerdem lebt Marco ja nun in Berlin.“ Er selbst hätte zudem wohl auch nicht so viel Zeit, stehen doch in den nächsten Tagen und Wochen etliche Auftritte mit seinem Soloprogramm „Weggugge“ an. Da lebt Knebel seine Freude am schwarzen Humor und am Sarkasmus aus. Er erzählt von Dingen, mit denen man sich nicht unbedingt beschäftigen möchte, piekst Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten auf.

Mit alten Weggefährten spielen

Lieder gibt es in diesem Programm allenfalls als Zugabe zu hören, doch hat er solche bitterbösen Sentenzen vor anderthalb Jahren schon einmal in Songs gefasst und unter dem Namen „The Knebells“ herausgebracht (ebenfalls auf Frau Batz Records). „Um die 400 CDs“ habe er davon verkauft, sagt Knebel. Enttäuscht hört er sich nicht an. „Das Geld, das ich mit Badesalz verdiene, stecke ich halt in solche Projekte“, lacht er und zählt auf, dass er seit dem Ende von Flatsch! vor nun dreißig Jahren mit einigen musikalischen Unternehmungen zugange war, auch wenn die nicht die Bekanntheit seiner alten Band erreichten.

Mit einigen Weggefährten wie Olaf Mill und Sepp’l Niemeyer spielte er in der Band Die Groben Junggesellen, dann mit Aren Emirze, der heute unter dem Namen Emirsian auftritt, bei den Deutschrockern Angst vor Clowns, wieder mit Olaf Mill bei den Netten Rabenvätern, bevor er sich mit der Band GiftDwarf an englischen Texten und Metal versuchte.

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Badesalz„Black Or White“

Gerade von Metal ist Knebels neuestes Musikprojekt ganz weit entfernt. Gemeinsam mit Kerstin Pfau, der Sängerin der Rodgau Monotones, und der Schlagzeugerin Carmen Knöll hat er die Band Insoulin gegründet, die, wie der Name vermuten lässt, Soul spielen will; Covers, aber auch eigene Songs, darunter zwei Stücke vom Dirty-Dabbes-Album. Mit Insoulin will Knebel, der Gitarre spielt und singt, auch Konzerte geben. Der erste Auftritt des Trios ist am 19. April im Café Central in Weinheim, inmitten von Knebels Tour mit seinem Soloprogramm.

Diese Tour wird im Sommer unterbrochen durch einen acht- bis zehntägigen Ausflug nach Portugal, wo er mit Henni Nachtsheim am neuen Badesalz-Programm arbeiten will. Nächstes Jahr wird das Duo wieder durch die großen Hallen in Hessen und die etwas kleineren Säle im restlichen Deutschland ziehen. Zur Einstimmung soll davor noch eine DVD vom letzten Badesalz-Programm „Dö Chefs“ veröffentlicht werden. Und sollte dann immer noch etwas Zeit sein, wird Knebel gewiss ein weiteres Projekt einfallen, das in Erinnerung ruft, dass er ja auch und wieder Musik macht.

Quelle: F.A.S.
Christian Riethmüller
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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