Alternde Pop- und Rockstars

Und sie kommen doch zurück

Von Christian Riethmüller
 - 11:47

Eine Boxerweisheit lautete viele Jahre lang „They never come back – Sie kommen niemals zurück“. Doch dann stieg am 20. Juni 1960 der frühere Schwergewichts-Champion Floyd Patterson gegen den amtierenden Weltmeister Ingemar Johansson in den Ring, vermöbelte diesen nach allen Regeln der Faustkampfkunst und expedierte mit seinem Sieg auch gleich den alten Spruch auf den Lagerplatz unbrauchbar gewordener Aphorismen. Was seither für Schwergewichte im Boxen gilt, kann Schwergewichten im Popgeschäft nur recht und billig sein.

Manche haben das Comeback sogar zum wichtigen Bestandteil einer langfristigen Strategie umfunktioniert. Diese Strategie funktioniert dergestalt, dass sich der/die alternde Künstler/Künstlerin oder die einander gram gewordene Band mit Getöse und einer groß angekündigten Farewell-Tour von ihren Fans verabschiedet. Nach einiger Zeit versteht man sich aber wieder und stürzt sich voller Tatendrang in eine Comeback-Tour, bei der dann wiederum bestürzt festgestellt wird, dass man sich ja einst aus guten Gründen getrennt hatte. Aus der abermaligen Pause kommt man dann aber abermals vereinigt auf die Bühnen zurück, um sich etwa in bis dahin unbekannter „Unplugged“-Manier den Fans zu präsentieren, bevor nach einer nun aber wirklich allerletzten Runde durch die Stadien endgültig Schluss sein soll – bis zur nächsten Wiedervereinigung.

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So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

Mit dieser Strategie sind bekannte Bands wie etwa a-ha und Status Quo in den vergangenen Jahren nicht zuletzt im Rhein-Main-Gebiet gut gefahren, wo man wohl einigen Gefallen an diesen Wiedersehensszenarien findet. Ob die Lust am Comeback einstiger Stars generell gilt, können schon im nächsten Monat Gianna Nannini am 10. März in der Alten Oper und Toto am 20. März in der Stadthalle Offenbach überprüfen, die sich allerdings einer anderen Marketingstrategie bedienen, indem sie mit ihren Tourneen Jahrestage ihrer langen Karriere feiern und damit in gewisser Weise auch ihr Durchhalten.

Durchgehalten hat gewiss Sir Elton John, der sich nun unter dem Motto „Farewell Yellow Brick Road“ auf eine lange Abschiedstournee um die Welt begibt und dabei auch am 1. Juni 2019, also im nächsten Jahr, nach Wiesbaden kommen will, um auf dem Bowling Green vor dem Kurhaus ein Open-Air-Konzert zu geben. Der offizielle Vorverkauf hat gestern begonnen.

Mit nun siebzig Jahren auf dem Buckel könnte sich Elton John nach dieser Tour tatsächlich zurückziehen – oder sich ein Beispiel an Ozzy Osbourne nehmen, der nach einer Abschiedstournee mit Black Sabbath in diesem Sommer nun eben unter seinem Namen die Stadien füllen wird. Das gelingt gewiss auch einer Band, deren Comeback von vielen Rockfans in der Tat sehnsüchtig erwartet wird: Guns n’ Roses. Die wollen am 24. Juni auf dem Maimarktgelände in Mannheim auftreten. Wäre da nur nicht das Tourmotto, das da „Not In This Lifetime“ heißt.

Quelle: F.A.Z.
Christian Riethmüller
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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