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Der bizarre Fall des Artur Klose

Von Andreas Platthaus
 - 06:11
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Am 30. Mai dieses Jahres nimmt die Tochter von Artur Klose mit ihrem Handy eine bizarre Szene auf. Da steht ihr Vater am frühen Nachmittag in der Einfahrt des Familienwohnhauses im oberhessischen Dorf Hombressen, ihm gegenüber auf dem Bürgersteig ein junger Mann in Freizeitkluft. Mit der einen Hand hält der Mann einen Schäferhund, in der anderen eine Pistole. Ein Überfall am helllichten Tag? Mitnichten, der Mann in Räuberzivil behauptet, Polizist zu sein, allerdings kann er seinen Ausweis nicht vorzeigen, denn mit der einen Hand hält er ja den Hund, in der anderen die Pistole. Hörbar nervös brüllt er nach „Giorgio“. Was Klose und seine Tochter noch nicht wissen, ist, dass „Giorgio“ in einem abseits geparkten VW-Bus auf die Ankunft von weiteren dreizehn Beamten eines Sondereinsatzkommandos hofft, die auf dem Weg sind, sich aber verfahren haben. Der Mann mit der Pistole hat allen Grund, nervös zu sein. Er steht allein vor einem Unbewaffneten und dessen Tochter, und wie es der Zufall will, kehrt auch noch Frau Klose früher als üblich von der Arbeit heim und sieht, wie jemand mit einer Schusswaffe vor Ehemann und Kind herumfuchtelt.

Wie konnte es dazu kommen? Dazu muss man weit zurückgehen, ein rundes Vierteljahrhundert. Damals kam Artur Klose aus Polen nach Deutschland, genauer gesagt aus Schlesien, wo er 1971 als Kind einer der letzten dort noch ansässigen deutschstämmigen Familien geboren worden war. Die Kloses durften nicht ihren Namen tragen – „Kosa“ mussten sie sich nennen, das klang polnischer –, und Deutsch in der Öffentlichkeit zu sprechen wäre unklug gewesen. Kaum hatte Klose 1991 das Abitur in der Tasche, zog er in die Bundesrepublik, studierte in Kassel Kunst, blieb dort, heiratete und wurde Vater. Als Trickfilm- und Comiczeichner erregte er einiges Aufsehen, vor allem mit „Geheimnisvolles Kassel“, einem selbstverlegten Bilderbuch für Kinder. Dessen spielerische Faktenvermittlung übertrug er auf andere Städte. Dabei unterstützte ihn das Goethe-Institut, das ihn für Comiczeichnerkurse in Osteuropa engagierte. Nun war Klose Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland. Alles hätte so gut sein können.

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Quelle: F.A.Z. Woche
Andreas Platthaus
Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.
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