AfD setzt heißes Thema

Sommerpause für Rundfunkgebühren

Von Michael Hanfeld
 - 12:28

Eigentlich hatten wir dieser Tage das Auftauchen der Schnappschildkröte erwartet. Für gewöhnlich lässt sie sich an Hochsommertagen blicken, an denen sonst nicht viel los ist, und sorgt für Unruhe am Badesee und in der Boulevardpresse. Es kann auch eine Seeschlange sein oder ein Alligator, der sich beim Picknick in der Au über den Fresskorb hermacht. Doch noch hat sich keines der Tiere sehen lassen, und der Blauhai von Mallorca zählt nicht wirklich. Stattdessen hat sich Frauke Petry von der AfD die Gelegenheit der schlagzeilenarmen Tage geschnappt und eine Ich-bin-dann-mal-ab-in-den-Urlaub-Idee in die Welt gesetzt: Sie fordert eine „Sommerpause“ für den Rundfunkbeitrag.

Begründung: Im Sommer machten aktuelle Sendungen wie die Talkshows eine Pause, es liefen haufenweise Wiederholungen, und die Informationssendungen seien ohnehin von minderer Qualität. Das, so meint die Parteivorsitzende der AfD, sei eine „Programm-Sommerflaute“, die mit besagter Sommerpause beim Rundfunkbeitrag zu quittieren sei. Auf diesen Vorschlag reagierten ARD und ZDF wie üblich und wie bei einem ordentlichen Sommertheater gewünscht, mit ernsthafter Entrüstung: Selbstverständlich stellten sie aktuelles Programm auf die Beine, Nachrichtensendungen von früh bis spät, tolle Dokus, Kinofilme, Leichtathletik-WM, ist das vielleicht nichts? Selbstverständlich weiß jeder, auf dessen Fernbedienung sich noch die Knöpfe für die öffentlich-rechtlichen Programme finden, dass dort längst Sommerpause herrscht und dass diese mindestens so lange dauert wie die Sommerferien in Frankreich.

Dieses System hat seinen Festpreis

Doch dass sich im Programm zurzeit viele Wiederholungen finden und gesendet wird, was sonst keinen Platz findet, mindert ja nicht den Finanzbedarf der Anstalten. Im Gegenteil: Im Sommer wird für Zehntausende öffentlich-rechtliches Urlaubsgeld fällig, die Pensionszahlungen laufen weiter, für die ein Großteil des Rundfunkbeitrags draufgeht, der beileibe nicht allein ins Programm fließt. Ist also nichts mit einer Sommerpause, befindet auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Frank Überall, und fordert eine „Sommerpause für unüberlegte AfD-Vorschläge zum Rundfunk“ (dabei täte ihm seinerseits eine Sommerpause ohne tägliche Wortmeldung zu irgendwas vielleicht auch gut).

Im Unüberlegten des Vorschlags steckt aber natürlich dessen Reiz(thema): Dieses Rundfunksystem hat seinen Festpreis, ganz gleich, was und wie viel gerade über den Bildschirm flimmert, sommers wie winters. Dass die AfD ihr eigenes Programm zur selben Zeit im Vertrieb über Amazon kostenpflichtig macht, ist allerdings auch wieder eine Pointe. Erst kostete es 2,99 Euro, nun neunundneunzig Cent. Der Zwangsbeitrag lohnt sich nicht wirklich. Wir schalten zurück zur Schildkrötenbeobachtung am Badesee. Vielleicht tut sich da ja doch noch etwas.

Quelle: F.A.Z.
Michael Hanfeld  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Hanfeld
verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.
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