Kommentar

Eine Armee ist kein Wohlfahrtsunternehmen

Von Edo Reents
© dpa, F.A.Z.

Auch wenn die Säuberung schon in vollem Gang ist, doch noch eine Frage an die Frau Minister von der Leyen: Soll es jetzt etwa Carl-von-Ossietzky-, Kurt-Eisner-, Petra-Kelly- oder, man mag es ja gerne global, Mahatma-Gandhi-Kasernen geben? Schon andernorts aussortierte Namen wie Paul Hindenburg oder Erwin Rommel sind jetzt auch dem Militär einfach nicht mehr gut genug, ja offenbar geradezu schädlich im Sinne von Korpsgeist und „Haltung“. Es ist das eine, zweifellos Richtige, Hakenkreuze und völkisches Schrifttum zu entfernen; das andere, weniger Einleuchtende ist es, wenn man nun, wie schon bei den absurden Straßenumbenennungen, auch noch anfängt, den genuin militärischen Traditionsbestand so lange zu säubern, bis er dermaßen keimfrei ist, dass irgendwann kein Soldat mehr weiß, was eine Armee überhaupt soll, nämlich kämpfen und gegebenenfalls auch töten.

Es ist verlogen, den Leuten weismachen zu wollen, die Bundeswehr sei jetzt auch eine dieser Dienstleistungsagenturen wie die für Arbeit und keine Institution, die ursprünglich für die Landesverteidigung und den Katastrophenschutz da war, seit dem Wort des SPD-Verteidigungsministers Peter Struck aber auch dazu, „die Freiheit Deutschlands am Hindukusch“ zu verteidigen – ein Wort, das durch die seither betriebene dauernde Wiederholung übrigens nicht wahrer wurde. Und selbst wenn es das doch wäre: Eine Armee ist eine Armee ist eine Armee und kein Wohlfahrtsunternehmen.

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Entweder man leistet sich eine und nimmt einen sich hier und da, nicht überall, geradezu zwangsläufig einschleichenden, ungute Erinnerungen weckenden Geist zähneknirschend in Kauf; oder man lässt es bleiben. Was, hätte Adenauer sich damals anders entschieden und auf eine Wiederbewaffnung verzichtet, aus der Bundesrepublik geworden wäre, weiß man nicht. Sicher ist jedenfalls, dass aus der Idee der Verteidigungsministerin, die Hindenburg-Tradition durch eine bundeswehreigene zu ersetzen, so leicht nichts werden wird. Es gibt nämlich gar nicht so viele Namen. Oder welcher aus den rund sechzig Jahren Bundeswehr fiele einem dabei spontan ein?

Wie man in der Politik Spitzenkandidaten am besten aus dem kleinen Kreis derer rekrutiert, die schon Wahlen gewonnen haben, so taugen für eine Armee eigentlich auch nur die für eine Namenspatenschaft und (stillschweigende) Identifikation, die schon einmal eine Schlacht gewonnen haben. Oberst Klein, der in Afghanistan Zivilisten bombardierte, kommt hier wohl ebenso wenig in Frage wie General Kießling, den der Minister Wörner als Homosexuellen aussortierte. Jetzt alle Kasernen nach den Verteidigungsministern als den ja meistens doch recht zivilen Dienstherren umzubenennen, wäre wohl etwas einfallslos; Helmut Schmidt darf ja nicht einmal mehr in Wehrmachtsuniform an der Wand hängen.

Quelle: F.A.Z.
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