Kommentar zu Sprachsexismus

Bäcks und Hausmeistis

Von Klaus Ungerer
 - 14:49

BäckerIn. FußgängerIn. NachrichtensprecherIn. Seit es vor vielen Jahren aufkam, war nie recht nachvollziehbar, wie das Binnen-I eine Gleichberechtigung herstellen sollte. Phallisch ragte es aus dem Wort heraus, als trotzige Ansage einer gefühlten Minderheit (Frauen), doch bitte schön auch – und eben mehr als „auch“ – vorhanden zu sein. Ein verwandter Eingriff in die Sprache ist ja der homosexuellen Community gelungen, als sie die Schimpfworte „schwul“ und „lesbisch“ einfach übernahm und die Freunde verbaler Niedertracht damit elegant entwaffnete. Die Problemlage bei der weiblichen Form ist allerdings komplizierter: Hier ist nicht gegen bestimmte Begriffe vorzugehen, sondern gegen ein strukturelles Problem: Frauen werden nicht beschimpft. Sie wurden unsichtbar gemacht.

„Der“ Mensch heißt es im Deutschen, anders als etwa im Schwedischen, wo „människa“ weiblich ist. Im Sexismus konsequent, ist auch für alle Einzelmenschen immer die männliche Form selbstverständlich: Bäck-er, Fußgäng-er, Nachrichtensprech-er. Der Unmut darüber war schon immer nachvollziehbar. Schon immer aber fragt mensch sich auch: Wäre nicht zunächst ein Entfernen der „er“-Endung zwingend, um zu einer neutralen, geschlechterübergreifenden Form vorzustoßen? Stattdessen wiederholten die Erfinderinnen des Binnen-Is die gruselige Botschaft der biblischen Schöpfungsgeschichte: Wo Adam „der Mensch“ war und die Frau erst nachträglich aus ihm abgeleitet wurde, so betonte auch das Binnen-I die Frau als Sonderfall. Normal: Bäcker. Daraus abgeleitet: Bäcker-In. Wieso, und das fragt unterzeichnendes Menschlein sich seit Jahrzehnten, ist der Vorschlag nie gemacht worden: Mann-Endung und Frau-Endung seien gleichzustellen?

Der Eingriff wäre ein schlichter: Zum Bäck-er gesellt sich die Bäck-in. Alle zusammen sind sie die Bäcks. Neben dem Schornsteinfeger radelt die Schornsteinfegin, zusammen die Schornsteinfegs (oder „-fegis“?); zufrieden klatschen wir sie beide ab. Gut, und jetzt denken Sie also schon nach, und vermutlich fallen Ihnen zwei oder drei Berufe ein, mit denen das nicht funktioniert. Aber von dysfunktionalen Ausnahmen her zu argumentieren, ist ja meistens Sabotagepolitik. Selbst wäre mensch froh über eine Zukunft mit sprachlicher Gleichberechtigung, mit Gärtner und Gärtnin, Ingenieur und Ingenieuse, Hausmeister und Hausmeistin. Fragt sich nur: Wofür braucht es überhaupt eine Geschlechterunterscheidung? Käme man nicht mit durchweg neutralen Formen am weitesten? Läge nicht im „Bäck“ die Rettung vor all den nervigen Binnensternchen und Unterstricheleien, mit denen täglich neu entdeckte Geschlechter und Untergeschlechter sich ins Bewusstsein hineinzukämpfen versuchen? Sprache, aber das ist nur die Ansicht eines geistig anspruchslosen Schreiblings, sollte ja vor allem flutschen. Damit die Menschen zueinanderfinden.

Quelle: F.A.Z.
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