Nach geplatzter Übernahme

Eine ungewisse Zukunft lastet auf Aixtron

Von Martin Hock
 - 11:42

Es ist das erste Mal, seitdem die Bundesregierung auf Betreiben der amerikanischen Regierung die Übernahme des Chipanlagenbauers Aixtron durch die chinesische Fujian Grand Chip Investment (GCI) verbot, dass das Unternehmen Geschäftszahlen vorlegt.

2016 verbuchte Aixtron demnach bei einem minimal gesunkenen Umsatz von rund 196,5 Millionen Euro einen Betriebsverlust (Ebit) von 21,4 Millionen Euro. Dieser fiel damit etwas geringer aus als im Vorjahr, als ein Minus von 26,7 Millionen Euro zu Buche stand. Operativ betrug der Verlust 7,9 Millionen Euro. Damit hat sich die Ertragslage seit 2012 in jedem Jahr verbessert. Seinerzeit hatte der Verlust mit 115,6 Millionen Euro noch die Hälfte des Umsatzes betragen. Auch unter dem Strich sind die Verluste gesunken.

Nichtsdestoweniger steht in der Bilanz ein kumulierter Verlust von 125,5 Millionen Euro, der das Eigenkapital um ein Viertel verringert. 2011 stand an derselben Stelle noch ein Bilanzgewinn von 263 Millionen Euro.

Aixtron hatte zwischen 2007 und 2011 noch gute Umsätze mit Anlagen für die Leuchtdiodenherstellung (LED) gemacht. Das sorgte für ein enormes Wachstum. 2010 und 2011 betrug der Umsatz in diesem Segment mehr als eine Milliarde Euro. In den fünf Jahren danach aber fiel das Geschäft förmlich in sich zusammen. Der Umsatz betrug nur insgesamt noch 320 Millionen Euro, in den beiden vergangenen Jahren setzt Aixtron mit LEDs nur noch so viel um wie Mitte der 2000er Jahre.

Auch wenn der Gesamtauftragseingang 2016 erreichte mit 225,1 Millionen Euro 35 Prozent über dem des Vorjahres lag und den höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht hatte, ist Aixtron eine deutlich kleinere Firma, der die notwendigen Entwicklungsausgaben nicht leicht fallen. Deswegen wäre eine Übernahme für Aixtron auch sinnvoll gewesen. Deswegen erwartet Aixtron für 2017 auch wieder ein höheres Minus. Eine Wiederbelebung des LED-Geschäfts ist nicht zu erwarten. Der stärkere Auftragseingang kommt vor allem aus den Bereichen Opto- und Leistungselektronik und dem Halbleitersegment.

Nach dem Verbot der Übernahme hat sich das Unternehmen eine nachhaltige Rückkehr in die Profitabilität und ein positives Betriebsergebnis für das Geschäftsjahr 2018 zum Ziel gesetzt, so der scheidende Vorstandsvorsitzende Martin Goetzeler. Dazu sucht man immer noch nach einem Partner, der genaue Weg vor allem zur Kostensenkung bei Forschung und Entwicklung ist noch nicht klar. Auch ein neuer Vorstand ist noch nicht benannt, übergangsweise wird Aufsichtsratschef Kim Schindelhauer die Geschäfte führen.

Die wenig konkreten Botschaften und geringfügigen Verbesserungen können dem Aktienkurs naturgemäß nicht helfen. Tatsächlich fällt dieser am Donnerstag um 1,5 Prozent auf 3,65 Euro. Er bleibt damit auf dem niedrigen Niveau, auf das er nach der geplatzten Übernahme gefallen ist. Erholungsaussichten gibt es derzeit wenig.

Mit einer Eigenkapitalquote von 85 Prozent ist Aixtrons Verschuldung allerdings gering, allzumal es praktisch keine Finanzschulden gibt. Die Mittelzuflüsse sollten sich allerdings irgendwann wieder verbessern, den bislang letzten Zahlungsmittelzufluss verzeichnete das Unternehmen 2010.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin (mho.)
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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