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Jetzt Deutschlands Banken kaufen?

Von Dennis Kremer
© Klenner, Maria, F.A.S.

Es ist noch kein Jahr her, da machte sich die Finanzwelt Sorgen um Deutschlands Banken. Der Kurs der Commerzbank-Aktie fiel auf rund sechs Euro, und der Aktienkurs der Deutschen Bank stürzte angesichts immer neuer Milliardenstrafen auf ein Rekordtief. Finger weg von Bankaktien, lautete der Rat vieler Analysten.

Nun ist man hinterher immer schlauer: Aber wer die Warnung der Fachleute einfach ignorierte, kann sich heute freuen. Der Kurs der Commerzbank-Aktie hat sich seit dem Tiefstand fast verdoppelt, auch der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie hat kräftig zugelegt. Bankaktien, wer hätte das gedacht, gehören zu den Gewinnern des Jahres.

Anleger sollten sich zwar keine Illusionen machen: Der Kauf erfordert weiterhin Mut. Aber was 2016 noch eine außerordentlich kühne Wette auf eine Erholung der Aktienkurse war, lässt sich jetzt mit starken Argumenten unterfüttern. Es spricht viel dafür, dass sich die Kurse der beiden wichtigsten deutschen Banken in den kommenden Monaten gut entwickeln.

Die Zinswende wird wahrscheinlicher

Dies hat zuallererst mit einer Frau und einem Mann zu tun, über die sich Deutschlands Bankvorstände häufig geärgert haben: mit Janet Yellen, Präsidentin der amerikanischen Notenbank Fed, und Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Beide haben über Jahre hinweg den Leitzins bei null Prozent gehalten, was für Banken ein großes Problem darstellt. Verdienen sie doch ihr Geld vor allem damit, die Einlagen ihrer Sparer deutlich geringer zu verzinsen als die Kredite, die sie an ihre Schuldner ausreichen. In Zeiten von Negativzinsen allerdings schmilzt diese sogenannte Zinsmarge in sich zusammen und erschwert den Banken ihr Geschäft.

Hier zeichnet sich eine Veränderung ab. In der vergangenen Woche hat Janet Yellen in einer Anhörung vor dem Kongress bekräftigt, an ihrer Politik der moderaten Zinserhöhungen festhalten zu wollen: Erstmals hatte sie Ende 2015 den amerikanischen Leitzins wieder erhöht, mittlerweile notiert er bei 1 bis 1,25 Prozent.

© F.A.Z., F.A.S.

Mario Draghi ist noch längst nicht so weit, der Leitzins im Euroraum steht bei null Prozent. Seit einer Rede des Notenbankpräsidenten vor gut zwei Wochen glauben viele Anleger aber, dass auch das nicht ewig so bleiben wird. Da sprach Draghi anerkennend davon, dass sich Europas Volkswirtschaften auf dem Wege der Besserung befänden – für viele ein Zeichen dafür, dass die EZB Anfang 2018 allmählich aus ihrem Kaufprogramm für europäische Anleihen aussteigen und die Zinswende einleiten könnte.

Rendite deutscher Bundesanleihen steigt

Der Effekt von Draghis Rede und Yellens Kongressauftritt war unmittelbar zu spüren: Die Rendite deutscher Bundesanleihen hat sich in den vergangenen zwei Wochen auf 0,6 Prozent verdoppelt. „Setzt sich der leichte Zinsanstieg fort, hat dies einen positiven Einfluss auf die Gewinne der Banken“, sagt Raik Hoffmann von der Fondsgesellschaft FPM.

Über die bessere Lage der europäischen Konjunktur können sich die Banken aber nicht nur wegen des neuen Optimismus der Notenbanker freuen, sondern noch aus einem zweiten Grund: Geht es der Wirtschaft gut, sinkt üblicherweise auch die Zahl der ausfallgefährdeten Kredite. Dies gilt besonders in Deutschland, wo sich die Wirtschaft im besten Zustand seit der Wiedervereinigung befindet.

Commerzbank oder Deutsche Bank wählen?

Welche Aktie aber soll man nun kaufen – Deutsche Bank oder Commerzbank? Billig zu haben sind beide. Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) heißt die Kennziffer, an der die Spezialisten das ablesen. Bei der Deutschen Bank liegt der Wert bei 0,4, bei der Commerzbank bei 0,49. Vereinfacht gesagt, bedeutet dies: Nach Ansicht der Börse ist jeder Euro, den ein Aktionär einer der beiden Banken zur Verfügung stellt, in den Händen der Bank nur rund 50 Cent wert. Dies drückt die Zurückhaltung aus, mit der viele Anleger Bankaktien immer noch gegenüberstehen, zeigt aber gleichzeitig auch: Trotz ihres jüngsten Kursanstiegs sind Bankaktien weiter günstig.

Vermögensverwalter Hendrik Leber von Acatis gehört zu jenen, die zuletzt wieder Bankaktien gekauft haben – allerdings nur die Aktie der Deutschen Bank. Für sie spricht aus seiner Sicht, dass die größten Rechtsrisiken bewältigt zu sein scheinen, die jüngste Kapitalerhöhung reibungslos glückte und dass die Bank nicht allein vom Kreditgeschäft abhängig ist. Auch wenn mitunter umstritten, verdient der Bereich des Investmentbanking mit Börsengängen und der Ausgabe von Firmenanleihen Geld.

Der Commerzbank traut Leber dagegen weniger zu: Zwar spart die Bank, indem sie Stellen abbaut, zwar gab es zuletzt Gerüchte, ausländische Investoren hätten Interesse an einem Einstieg. Ein wirkliches Konzept für die Zukunft vermag Vermögensverwalter Leber aber nicht zu entdecken. Gute Nerven, so viel ist sicher, werden Bankaktionäre auch in Zukunft brauchen.

Quelle: F.A.S.
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