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Technische Analyse

Der Tec-Dax klettert und klettert und klettert

Von Achim Matzke
© Wolfgang Eilmes, F.A.Z.

Der Tec-Dax befindet sich seit Oktober 2011 in einem technischen Hausse-Trend, wobei der Index aktuell am Abschluss der fast zweijährigen Konsolidierung (unterhalb der Widerstandszone um 1890 Punkte) arbeitet. Da die technische Gesamtsituation für den Index als nächstes Etappenziel den Bereich um 2100 Punkte andeutet, bleiben technische Neuengagements bei deutschen Technologiewerten interessant. Kaufenswert aus der Gruppe der technischen Marathonläufer sind Carl Zeiss Meditec und Dialog Semiconductor. Aufgrund neuer Kaufsignale sind Adva und Morphosys hervorzuheben. Die langfristige technische Erholung sollte sich bei den Drägerwerk Vorzügen fortsetzen. Auf die technische Beobachtungsliste (für spätere Käufe) wird United Internet gesetzt, da es hier schnell zu einer technischen Verbesserung kommen kann.

Im Tec-Dax sind - unterhalb des Dax - die 30 deutschen Titel aus den Bereichen Technologie, Halbleiter, Internet, Telekommunikation und Zulieferer, Software, Biotechnologie und Medizintechnik zusammengefasst. Dieser Index befindet sich seit Oktober 2002 und einem Niveau um 306 Punkte in einer sehr langfristigen Aufwärtsbewegung. Seit März 2009 (Start bei 400 Punkten) hat sich ein technischer Hausse-Zyklus herausgebildet, wobei ab Oktober 2011 und Kursen um 616 Punkte ein idealtypischer Hausse-Trend vorliegt. Dieser seit fünfeinhalb Jahren bestehende Hausse-Trend wird von der Trendlinie, die aktuell bei 1680 Punkten liegt, begrenzt. Im Jahr 2015 hatte der Index einen mittelfristigen Aufwärtstrend bis auf ein Kursniveau um 1890 Punkte (Dezember 2016; neue Widerstandszone) durchlaufen, wobei eine sehr ausgeprägte relative Stärke im deutschen Indexvergleich vorgelegen hatte.

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Die (Zwischen-)Baisse am deutschen Aktienmarkt (von April 2015 bis Februar 2016) hat der Tec-Dax mit einer schwankungsintensiven Seitwärtspendelbewegung zwischen der Unterstützungszone von 1465 bis 1500 Punkten und der Widerstandszone um 1890 Punkte überstanden. Diese Seitwärtspendelbewegung, die weiterhin innerhalb des seit 2011 vorliegenden Hausse-Trends ablief, hat aus mittelfristiger technischer Sicht einen trendbestätigenden Charakter (nach oben). Nachdem 2016 eine moderate relative Schwäche im deutschen Index-Vergleich aufgetreten war, hat der Index seit Juni 2016 (Start bei 1490 Punkten) wieder einen Aufwärtstrend herausgebildet. Zuerst hat dieser Trend mit seinen Trading-Kaufsignalen den Index wieder an die Widerstandszone um 1890 Punkte geführt. In den letzten Handelstagen arbeitet der Tec-Dax an einem neuen Investment-Kaufsignal (Abschluss der zweijährigen Seitwärtspendelbewegung und Sprung über diese Widerstandszone) und der Wiederaufnahme des Hausse-Zyklus. Aufgrund der guten technischen Gesamtlage (200-Tage-Linie dreht nach oben; angemessene Marktbreite) sollte es sich bei dem bisherigen technischen Kurspotential von 2100 Punkten 2017 nur um ein Etappenziel für den Tec-Dax handeln.

Aktie I: Dialog Semiconductor

Der Geschäftsschwerpunkt von Dialog Semiconductor liegt in elektronischen Produkten für Mixed-Signal-Schaltungen, die bei tragbaren Geräten wie etwa Smartphones und Tablets verwendet werden. Die Aktie von Dialog befindet sich seit Oktober 2008 (Start bei 0,41 Euro) in einer Hausse-Bewegung. Seit April 2013 und Kursen um 8,40 Euro liegt ein idealtypisches Wechselspiel von Investment-Kaufsignalen, mittelfristigen Aufwärtstrends und zwischenzeitlichen Konsolidierungen oder technischen Korrekturen vor. Bei Dialog endete der letzte Korrekturtrend (Juli 2015 bis Juni 2016; Kursrückgang von 53,90 auf 23,20 Euro) im ersten Halbjahr 2016 in einem Trading-Doppelboden.

Im September 2016 hat die Aktie diese Bodenformation mit einem Investment-Kaufsignal und einer Kursetablierung oberhalb der jetzt wieder nach oben laufenden 200-Tage-Linie beendet und einen neuen mittelfristigen Aufwärtstrend etabliert. Dieser wird von einer Aufwärtstrendlinie bei aktuell 40 Euro begrenzt. In den letzten Handelstagen hat Dialog Semiconductor neue (Trading-)Kaufsignale nachgeliefert, so dass die technische Hausse eine hohe Qualität aufweist. Da die technische Gesamtlage bei Dialog Semiconductor als nächstes Etappenziel einen Test der Widerstandszone von 53,50 bis 54 Euro andeutet, bleibt die Aktie ein technischer Kauf. Der strategische Sicherungsstopp sollte bei 35 Euro liegen.

Aktie II: Adva Optical Networking

Adva Optical Networking entwirft und produziert Produkte für optische Netzwerke. Die Aktie war durch die technische Hausse der Jahre 2014/2015 bis in die seit dem Jahr 2001 bestehende sehr langfristige, gestaffelte Widerstandszone von 11 bis 12,05 Euro gelaufen. Vor dem Hintergrund der mittelfristig überkauften Lage setzte in der Aktie ab dem Jahreswechsel 2015/2016 eine technische Korrektur ein, die im weiteren Jahresverlauf von der Gesamtmarktschwäche mit unterstützt wurde. Der Titel etablierte einen technischen Korrekturtrend, wobei die Aktie im Bereich von 6,80 bis 7 Euro eine Unterstützungszone herausgebildet hat. Im Februar 2017 ist Adva - begleitet von hohen Handelsvolumina - mit einem Investment-Kaufsignal über die 200-Tage-Linie gesprungen und hat den Korrekturtrend (bei Kursen um 8,50 Euro) verlassen. Da Adva an der Etablierung eines neuen mittelfristigen Aufwärtstrends arbeitet und das nächste technische Etappenziel im Hineinlaufen in die gestaffelte Widerstandszone von 11 bis 12 Euro liegen sollte, stellt der Titel einen technischen Kauf dar. Der strategische Sicherungsstopp sollte bei 7,80 Euro liegen.

Aktie III: United Internet

United Internet bietet schwerpunktmäßig eine breite Palette von Internetzugangsdiensten an. Die Aktie hatte von März 2009 (Start bei 4,30 Euro) bis Dezember 2015 (Höchstkurse um 52 Euro; Widerstandszone) eine technische Bilderbuch-Hausse durchlaufen. Vor dem Hintergrund der mittelfristig überkauften Lage und der in den Folgemonaten einsetzenden Gesamtmarktschwäche kam es bei United Internet zu einer technischen Gegenbewegung (auf die vorherige, siebenjährige Hausse). Ausgehend von 52 Euro sorgte ein Baisse-Trend für eine Kursschwäche bis auf 34,40 Euro (neue Unterstützungszone). In den letzten Monaten schwächte sich die mittelfristige Abwärtsdynamik ab, und United Internet ist in eine Seitwärtspendelbewegung hineingelaufen. Hier deutet sich eine technische Bodenformation mit der Unterstützung um 34,40 Euro und Widerstandszone um 40,50 Euro an. Zuletzt hat die Aktie bereits den Baisse-Trend zur Seite verlassen. Aus technischer Sicht bietet sich bei United Internet eine Doppelstrategie an. Aktuell sollte eine Anfangsposition aufgebaut werden. Springt die Aktie mit einem Investment-Kaufsignal aus der Bodenformation nach oben heraus (liegt bei Kursen über 41 Euro vor), sollte die Position deutlich ausgebaut werden. Der strategische Sicherungsstopp sollte bei 33,50 Euro liegen.

Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research.

Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research

Quelle: F.A.Z.
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