Börsenaufschwung

Defensive Wachstumstitel sind wieder in Mode

Von Achim Matzke
 - 13:05

Parallel zu dem Börsenaufschwung in den Standardwerte-Indizes wie dem S&P 500 und Dax seit November und Dezember 2016 konnten ausgewählte konjunktursensitive Sektoren wie Rohstoffe und Stahlindustrie ebenfalls profitieren. Vor dem Hintergrund der wieder etwas geringeren Inflationserwartungen, des Wartens auf das Konjunktur- und Steuerprogramm der neuen amerikanischen Regierung und der zuletzt wieder gesunkenen Anleiherenditen kommt es bei diesen Sektoren aber zu Gewinnmitnahmesignalen.

Demgegenüber fallen defensive Wachstumssektoren wieder mit technischen Verbesserungen auf. Besonders hervorzuheben ist der Stoxx Personal & Household Goods. Neben der guten technischen Lage bei den französischen Luxusgüter-Konzernen LVMH und Christian Dior sowie beim Sportartikelhersteller Adidas sind noch Beiersdorf und Henkel zu nennen. Diese beiden Werte bieten sich auch für technische Zukäufe an.

Langfristige Baisse-Bewegung endete 2016

Der Stoxx Basic Resources mit seinen 20 Werten umfasst nicht nur die europäischen Minengesellschaften, sondern auch die europäischen Stahl- und Papieraktien. Dieser Sektorindex befand sich seit dem Kurshoch bei zirka 837 (Mai 2008) in einer Baisse-Bewegung. Hierbei hatte sich ein fast neunjähriger Baisse-Trend, der zuletzt bei zirka 380 lag, ergeben.

Mit der Abwärtsbeschleunigung im Jahr 2015 endete diese langfristige Baisse im Januar 2016 in einem Ausverkauf bei zirka 191,4. Danach ist der Sektorindex nach oben umgeschlagen. In den Folgemonaten weitete sich dieser mittelfristige Aufwärtstrend zu einem Hausse-Trend aus.

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Mit Hilfe dieses Aufwärtstrends ist es dem Sektorindex nach fast neun Jahren gelungen, den alten übergeordneten Baisse-Trend im Bereich um 380 im vierten Quartal 2016 zumindest zur Seite zu verlassen. Der technische Nachteil bestand aber darin, dass der seit Januar 2016 laufende mittelfristige Aufwärtstrend bereits mit einer deutlich überkauften Situation an diesen Baisse-Trend herangelaufen war und dann ohne Konsolidierung weitergestiegen ist.

Salzgitter AG fliegt aus dem DAX

Deshalb überrascht es nicht, dass der Sektor diesen steilen Hausse-Trend nach einem Kursanstieg bis auf 455 nicht noch weiter durchhalten konnte. In den letzten Handelstagen hat der Stoxx Basic Resources diesen Hausse-Trend mit einem Gewinnmitnahmesignal zur Seite verlassen.

Da der Abbau der stark überkauften mittelfristigen Lage noch einige Zeit in Anspruch nehmen sollte, steht zunächst eine Seitwärtspendelbewegung unterhalb der Widerstandszone von 455 auf der technischen Agenda.

Die Salzgitter AG handelt und produziert ein umfangreiches Sortiment an Stahlerzeugnissen und Rohren. Ausgehend von dem damaligen Hausse-Top von 158 Euro im Juli 2007 hatte die Aktie eine neunjährige Baisse-Bewegung hinnehmen müssen. Durch diese jahrelange Kursschwäche ist unter anderem auch die Dax-Mitgliedschaft wieder verlorengegangen.

Diese Baisse-Bewegung mündete mit einer Abwärtsbeschleunigung im Februar 2016 in einen technischen Ausverkauf bei Kursen um 16,80 Euro. Danach ist Salzgitter – parallel zur ansprechenden Kursentwicklung von vielen internationalen Stahlaktien – nach oben umgeschlagen und etablierte einen neuen mittelfristigen Aufwärtstrend.

Lage ist mittelfristig überkauft

Dieser weitete sich ebenfalls zu einem technischen Hausse-Trend aus, wodurch auch die neunjährige Baisse-Bewegung zumindest zur Seite verlassen wurde. Der mittelfristige Hausse-Trend führte die Aktie bis zum Februar 2017 auf Kurse um 38,40 Euro und damit ganz in die Nähe der langfristigen Widerstandszone von 40 Euro bis 41,60 Euro. Vor dem Hintergrund der mittelfristig überkauften Lage brach bei Salzgitter – wieder parallel zur technische Lage in anderen internationalen Stahltiteln – der gut einjährige, steile Hausse-Trend mit einem Gewinnmitnahmesignal ab.

Einerseits befindet sich Salzgitter aus übergeordneter technischer Sicht nach dem Abschluss der neunjährigen Baisse-Bewegung jetzt in einer langfristigen technischen Bodenformation. Andererseits sollte nach dem Verlassen des mittelfristigen Hausse-Trends zunächst eine Seitwärtspendelbewegung auf dem aktuellen Niveau anstehen. Als Konsequenz ist Salzgitter jetzt nur eine technische Halteposition mit einem Sicherungsstopp bei 26,00 Euro.

Luxusgüter, Tabak und Kosmetika in der Aufwärtsbewegung

Der Stoxx Personal & Household Goods, der zurzeit 35 europäische Titel beinhaltet, umfasst auch die Bereiche Luxusgüter, Tabak und Kosmetika. Der Sektorindex gehört zu den sogenannten technischen Marathonläufern. Das steht für Sektoren, die sich in sehr langfristigen Aufwärtsbewegungen befinden. Hierbei hat sich seit dem Jahr 2011 und Kursen um 356 ein zentraler Hausse-Trend herausgebildet, dessen Hausse-Trendlinie aktuell bei zirka 750 liegt.

Nachdem der Sektor im Zuge der Gesamtmarkthausse bis zum August 2015 auf zirka 817 stieg, zog die einsetzende Zwischen-Baisse bei den Standardwerteindizes diesen Sektor in eine Seitwärtspendelbewegung. Als Konsequenz hat der Stoxx Personal & Household Goods seine relative Stärke im Sektorvergleich verteidigt.

Die Seitwärtspendelbewegung hatte die Form eines Aufwärtsdreiecks unterhalb der gestaffelten Widerstandszone von 810 bis 817 erhalten. Da diese charttechnische Formation einen trendbestätigenden Charakter nach oben aufweist, überrascht es nicht, dass der Sektor im Februar 2017 mit einem Investment-Kaufsignal (Sprung über 817) die langfristige technische Hausse wieder aufgenommen hat.

Da sich als langfristiges technisches Etappenziel der Bereich um 950 andeutet, bleibt der Stoxx Personal & Household Goods ein technisches Basisinvestment mit Blick auf die europäischen Sektoren.

Sprung über die Widerstandszone möglich

Die Henkel-Vorzüge sind aus technischer Sicht ein Musterbeispiel für einen defensiven Wachstumswert. Die Aktie befindet sich seit März 2009 und Kursen um 17,50 Euro in einer technischen Bilderbuch-Hausse. Seit dem Jahreswechsel 2012/2013 hat sich ein idealtypischer Hausse-Trend mit einem Wechselspiel aus Kaufsignalen, mittelfristigen Aufwärtstrends und mittelfristigen Konsolidierungen ergeben.

Der zentrale Hausse-Trend liegt aktuell bei zirka 95 Euro. Ausgehend von Kursen um 87 zum Jahreswechsel 2015/2016 hat sich eine moderate Aufwärtsbeschleunigung durchgesetzt, wobei der mittelfristige Aufwärtstrend direkt unterhalb der steigenden 200-Tage-Linie bei zirka 112 Euro anzutreffen ist. In den letzten Wochen sind die Henkel-Vorzügen in eine Konsolidierung unterhalb der kleinen Widerstandszone um 123 Euro hineingelaufen. Die technische Gesamtlage signalisiert einen Sprung über diese Widerstandszone.

Als Konsequenz würden sich die verschiedenen Aufwärtstrends in der Aktie fortsetzen. Da das nächste technische Etappenziel innerhalb der intakten Neubewertung bei den Henkel-Vorzügen im Bereich um 130 Euro liegen sollte, bleibt diese Aktie ein technischer Kauf. Trotz der guten technischen Gesamtlage sollte aber jede Position in den Henkel-Vorzügen mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 98 Euro belegt werden.

Quelle: F.A.Z.
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