Frankreichs Wirtschaft

Technische Tour de France

Von Achim Matzke
 - 21:57

Durch den französischen Präsidentenwechsel und die angedeuteten Veränderungen in der französischen Wirtschafts- und Finanzpolitik ergeben sich für den französischen Aktienmarkt neue mittelfristige Perspektiven. Neben einem technisch motivierten Investment in den führenden Aktienindex CAC 40 finden sich drei Grundstrategien auf der technischen Kaufliste für französische Aktien. Bei der konservativen Strategie bieten sich die Euro-Stoxx-50-Titel Total, Saint-Gobain und Sanofi an. Bei den defensiven technischen Wachstumswerten sind der Kosmetikkonzern L’Oréal und der Getränkekonzern Pernod Ricard hervorzuheben. Bei den mittelgroßen französischen Aktien befinden sich Capgemini, das Catering- und Facility-Management-Unternehmen Elior Group und der Versorger Suez auf der technischen Kaufliste. Demgegenüber wären technische Käufe im Bereich der französischen Luxusgüter-Titel wie bei LVMH und Hermès International nach Kursgewinnen der Vorwochen prozyklisch interessant.

Der CAC 40 umfasst die größten und liquidesten französischen Aktien. Hierbei handelt es sich um einen Kursindex, bei dem die Dividendenzahlungen der Index-Mitglieder nicht anteilig in Kurssteigerungen des Index umgerechnet werden. Der CAC 40 startete – genau wie der Dax- Kursindex – am 31. Dezember 1987 bei 1000 Punkten. Während der CAC 40 jetzt bei etwa 5300 Punkten notiert, befindet sich der Dax-Kursindex aktuell bei etwa 6000 Punkten. Mit Blick auf die technische Gesamtlage ergibt sich für den CAC 40 das folgende Bild: Seit dem Allzeithoch im September 2000 bei etwa 6944 Punkten befindet sich der Index in einer breiten, 17-jährigen Seitwärtspendelbewegung. Hierbei haben die zwischenzeitlichen „normalen“ Baisse- und Hausse-Trends die langfristige Unterstützungszone von 2400 bis 2700 Punkten und die gestaffelte Widerstandszone von 6000 bis 7000 Punkten etabliert.

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Innerhalb dieser Spanne bewegt sich der Index seit März 2009 (Start bei 2465 Punkten) in einer Hausse, die bisher insgesamt aber nur ein moderates Aufwärtsmomentum aufwies. Seit dem Kurstief im September 2011 bei etwa 2695 Punkten hat sich ein Hausse-Trend herausgebildet, der aktuell bei etwa 4250 Punkten liegt. Nach der Aufwärtsbeschleunigung im 1. Quartal 2015 bis auf etwa 5280 Punkten (Widerstandszone) war der Index in eine technische Zwischenbaisse gedrückt worden. Diese mündete unterhalb der Widerstandszone von 4610 Punkten in eine Doppelbodenformation. Anfang Dezember 2016 ist der Index mit einem Kaufsignal aus dieser Bodenformation herausgekommen und hat einen neuen mittelfristigen Aufwärtstrend etabliert, so dass sich der Hausse-Trend fortsetzt. Zuletzt ist der CAC 40 – mit Rückenwind der Politik – mit einem weiteren Kaufsignal über die Kurstops aus dem Frühjahr 2015 gesprungen. Auch wenn der Index kurzfristig etwas überkauft ist, deuten die gute technische Gesamtlage und die intakten Aufwärts-Trends an, dass das langfristige technische Kurspotential im „Hereinlaufen“ in die 17-jährige Widerstandszone von 6000 bis 7000 Punkten liegen sollte.

Analyse der einzelnen Anbieter

Saint-Gobain produziert, vermarktet und vertreibt eine breite Palette von Glaswaren, Baustoffen und High-Performance-Materialien. Die Aktie war nach der sehr ausgeprägten Baisse von September 2007 (Start bei etwa 80 Euro) bis zum Februar 2009 bis auf etwa 16,70 Euro eingebrochen. Seitdem hat sich eine gut achtjährige Seitwärtspendelbewegung mit der technischen Form eines langfristigen Aufwärtsdreiecks ergeben. Die langfristige, mehrmals getestete Widerstandszone des Aufwärtsdreiecks lag bei 46 bis 47,5 Euro. Die Hausse-Bewegung seit Februar 2009 und der moderate Hausse-Trend seit August 2012 (Start bei 23,90 Euro) hatten die Aktie wieder an die langfristige Widerstandszone geführt. Mit dem Rückenwind der Politik ist Saint-Gobain mit einem übergeordneten Investment-Kaufsignal über die mehrjährige Widerstandszone gesprungen. Nach Jahren der Seitwärtspendelbewegung arbeitet die Aktie an der Etablierung einer neuen langfristigen Aufwärtsbewegung. Aufgrund der attraktiven Gesamtlage stellt Saint-Gobain einen technischen Kauf dar, wobei der Sicherungsstopp bei 42 Euro liegen sollte.

Pernod Ricard produziert, vermarktet und vertreibt weltweit eine umfangreiche Palette von Weinen und Spirituosen. Die Aktie gehört zu den europäischen Marathonläufern. Dies sind Aktien, die im Regelfall in jeder Gesamtmarkthausse neue historische Höchstkurse liefern. Bei Pernod Ricard liegt seit August 1990 und Kursen um 8,70 Euro eine langgezogene Aufwärtsbewegung vor, wobei sich seit März 2000 – zeitlich parallel zum damaligen Ende der Hausse bei Technologie, Medien und Telekommunikation – ein zentraler, 17-jähriger Hausse-Trend ergeben hat. Dieser liegt aktuell bei 85 Euro. Innerhalb dieser Bewegung hat sich seit dem Jahreswechsel 2013/2014 ein zusätzlicher, moderater Hausse-Trend (Trendlinie aktuell bei etwa 95 Euro) herausgebildet, wobei die alten Höchstkurse im April 2015 bei 117,80 Euro (Widerstandszone) erreicht wurden. Die Gesamtmarktschwäche ab April 2015 bis Sommer 2016 hat Pernod Ricard mit einer technischen Korrektur überstanden. Ab Sommer 2016 hat sich die Aktie mit mehreren Kaufsignalen wieder nach oben in Bewegung gesetzt. Zuletzt wurde auch die Widerstandszone im Umfeld der alten Allzeithochs überwunden, so dass sich die technische Neubewertung in Richtung 130 Euro fortsetzen sollte. Deshalb bleibt Pernod Ricard ein konservativer Kauf.

Capgemini bietet Managementberatungs- und Computerdienste an. Die Aktie steckte nach der sehr ausgeprägten Baisse (März 2000 bis Oktober 2002) jahrelang in einer Seitwärtspendelbewegung mit der Unterstützungszone um 20 Euro und der Widerstandszone 40 bis 45 Euro fest. Mit Hilfe der letzten Hausse-Bewegung, die zum Jahreswechsel 2011/2012 bei Kursen um 22 Euro startete, wurde die Seitwärtspendelbewegung nach oben verlassen. Der Hausse-Trend führte Capgemini bis Juli 2015 auf 90,90 Euro (Widerstandszone). Danach folgte eine zweijährige Seitwärtspendelbewegung. Aus mittelfristiger Sicht hatte diese einen trendbestätigenden Charakter nach oben. Deshalb überrascht es nicht, dass Capgemini zuletzt mit einem Investment-Kaufsignal über die Zone um 91 Euro gesprungen ist und jetzt wieder an der Etablierung eines mittelfristigen Aufwärtstrends mit der technischen Etappenzielzone von 100 bis 105 Euro arbeitet. Aufgrund der attraktiven technischen Gesamtsituation ist Capgemini ein technischer Kauf.

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Achim Matzke

Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research

Quelle: F.A.Z.
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