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Patrick Drahi

Plant der „Kabelkönig“ den nächsten Coup?

© EPA, mho.

Altice, die Kabel-und Telekommunikationgesellschaft des französisch-israelischen Milliardärs Patrick Drahi könnte sich abermals vergrößern. Offenbar bereitet Altice ein Angebot für das zweitgrößte amerikanischen Kabel-Unternehmen Charter Communications vor. Die Rede ist von bis zu 185 Milliarden Dollar, die Charter mit seinen 26 Millionen Abonnenten kosten könnte.

Derzeit werde ein Angebot durch die amerikanische Tochtergesellschaft Altice USA allerdings nur erwogen, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg dem Unternehmen nahestehende Personen. Altice könnte sich auch für andere interessante Übernahmeziele entscheiden, hieß es. So ist bekannt, dass Drahi weitere Pay-TV-Anbieter in den Vereinigten Staaten erwerben möchte.

Sollte Altice sich zu einem Angebot entschließen, könnte es den Vorzug vor Softbank erhalten, dem japanischen Unternehmen unter Führung von Masayoshi Son, das Charter mit seiner angeschlagenen Tochtergesellschaft, dem Mobilfunkanbieter Sprint, fusionieren möchte. Dafür wollte Softbank 65 Milliarden Dollar aufwenden. Charter hatte das Angebot aber zurückgewiesen.

Charter ist derzeit das größte mögliche Kaufobjekt aus der amerikanischen Kabelbranche, einfach deswegen, weil sich das größte Unternehmen Comcast und die drittgrößte Cox in privater Hand befinden und die Eigentümer nicht verkaufsbereit sind. Großaktionär von Charter ist mit 21 Prozent Liberty Media. Das Unternehmen befindet sich in der Hand von John Malone, der auch „Cable Cowboy“ genannt wird und ehemals Drahis Mentor war.

Eine Übernahme von Charter wäre für Drahi die bei weitem größte Übernahme in der reichhaltigen Akquisitionsgeschichte von Altice. Mit einer Marktkapitalisierung von 120 Milliarden Dollar ist das Objekt der Begierde mehr als doppelt so groß wie Altice und Altice USA zusammen.

Die Finanzierung gilt auch als kritisch für ein mögliches Angebot, denn beide Gesellschaften sind stark verschuldet. Die Finanzschulden betrugen zu Jahresbeginn drei Viertel bzw. rund 60 Prozent der Bilanzsumme, die Nettofinanzschulden rund jeweils das Achtfache des operativen Gewinns. Mit den geschätzten bis zu 185 Milliarden Dollar würde sich die Verschuldung der Gruppe etwa verdreifachen.

Die Börse nahm die Nachrichten vergleichsweise entspannt auf. Altice USA schlossen praktisch unverändert. Charter Communications gewannen knapp 3 Prozent hinzu. Altice, verloren am Mittwoch zwar vier Prozent, legen aber am Donnerstag schon wieder um 1,7 Prozent zu. Man muss dabei auch berücksichtigen, dass der Aktienkurs Mitte Juni mit 23,26 Euro fast ein Zwei-Jahres-Hoch erreicht hatte.

Altice USA ist im Kern aus den Käufen von Cablevision Systems und Suddenlink entstanden. Finanziert hat Drahi dies vor allem mittels Fremdkapital, so dass sein Konzern hoch verschuldet ist, auch wenn der Börsengang von Altice USA mit 1,9 Milliarden Dollar bisher der zweitgrößte in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten war. Indes ging der Großteil der Erlöse aus dem Börsengang an die Anteilseigner und floss nicht in die Unternehmenskassen.

Drahi arbeitet seit etwa 15 Jahren daran, ein Telekommunikationsimperium aufzubauen. Der in Casablanca als Sohn zweier Mathematiklehrer geborene Drahi, der einst die französische Eliteschule Ecole Polytechnique besuchte, hatte in den frühen Neunziger Jahren in Frankreich ein Kabelunternehmen gegründet; für die Kundenakquise ging er noch von Tür zu Tür.

Die Branchenkrise nach dem Platzen der IT- und Telekommuniukationsblase nutzte er, um eine Reihe Wettbewerber aufzukaufen. Dabei kam ihm zugute, dass er kurz vorher seine Beteiligung an der Gesellschaft UPC von Malones Liberty Global verkauft hatte.

Zum Konzern gehören außerdem Portugal Telecom, weitere Unternehmen in Belgien, Luxemburg, der Dominikanischen Republik und der Schweiz sowie der israelische Telekommunikationsanbieter Hot. In der französischen Presse, die ihn “Kabelkönig“ getauft hat, gilt Drahi auch als "Zionist", der treu an der Seite des Staates Israel und seiner Siedlungspolitik stehe. Französische Kritiker haben dies auch dem Nachrichtensender I24 News zum Vorwurf gemacht.

In Frankreich rettete er 2013 die linke Tageszeitung Libération vor dem Bankrott und übernahm 2014 von der belgischen Roularta-Gruppe eine Reihe von Magazinen, darunter das Nachrichtenblatt L'Express. Drahi lebt in der Schweiz und hält sich fern vom Pariser Establishment.

Quelle: mho.
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