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Übernahme geplatzt

Stada-Aktienkurs auf Talfahrt

Von Ilka Kopplin
 - 14:39

Am Ende hat es nicht ganz gereicht: Die beiden Finanzinvestoren Bain und Cinven haben nicht genügend Aktionäre überzeugen können, ihre Offerte von 66 Euro je Anteilsschein des Pharmaherstellers Stada anzunehmen. 65,52 Prozent der Anteilseigner hatten bis Mitternacht am Donnerstag ihre Papiere angedient, teilte Stada am späten Montagabend mit – und damit zu wenig, um die zuvor schon einmal gesenkte Annahmequote von 67,5 Prozent zu erfüllen.

Für die Stada-Aktie ging es am Dienstag zunächst bergab. Am Morgen rutschte sie bis auf 56,51 Euro ab, dämmte bis zum frühen Nachmittag angesichts weiter bestehender Übernahmehoffnungen ihre Verluste aber ein. Zuletzt lag der Kurs noch um 3,30 Prozent tiefer bei 59,75 Euro. Angeheizt wurde die neue Fantasie durch Berichte, wonach Investoren - vor allem Hedgefonds - mit Bain und Cinven über die Ausgestaltung eines möglichen neuen Angebots sprechen.

STADA

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„Wir respektieren das knappe Votum unserer Aktionärinnen und Aktionäre und verstehen es als Auftrag, unsere erfolgreiche Wachstumsstrategie weiter voranzutreiben“, wird Stada-Vorstandsvorsitzender Matthias Wiedenfels in der Mitteilung des Unternehmens zitiert. Man betrachte diese Entscheidung auch als Vertrauensbeweis in die Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

Stada-Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Oetker äußerte sich in der Mitteilung ähnlich. Er sei fest davon überzeugt, dass es Stada als unabhängigem Anbieter von Generika und Markenprodukten mit einer am Markt klar anerkannten Wachstumsstrategie gelingen werde, „den Unternehmenswert nachhaltig zu steigern“.

Die beiden Finanzinvestoren teilten lediglich mit, sie hätten „sehr eng und konstruktiv“ mit Vorstand und Aufsichtsrat zusammengearbeitet, die die Annahme des Angebots empfohlen und es nachdrücklich unterstützt hätten. Trotz intensiver Ansprache der Aktionäre und eines attraktiven Angebotspreises habe man die Schwelle knapp verfehlt.

Ganz überraschend kam die Niederlage nicht. Bis zum Donnerstagmittag, aktuellere Zahlen gab es bislang nicht, hatten erst 45,3 Prozent der Anteilseigner ihre Papiere angedient. Dabei hatten Bain und Cinven den Aktionären schon zuvor mehr Zeit eingeräumt und die Frist um zwei Wochen bis zum 22. Juni verlängert, sowie die Annahmequote von 75 auf 67,5 Prozent verringert.

Anfang Juni, wenige Tage vor Ende der ersten Frist, war schon abzusehen, dass eine Dreiviertelmehrheit wohl nicht zu bekommen wäre. Damals hatten Gerüchte über ein neuerliches Gegenangebot noch einmal die Spekulationen angefacht und den einen oder anderen Aktionär womöglich noch bis zum Schluss zögern lassen.

Dass die Übernahme platzen könnte, damit hätte Mitte April wohl niemand gerechnet. Damals hatten sich Bain und Cinven nach einem wochenlangen Bieterrennen gegen das Konsortium der beiden Finanzinvestoren Advent und Permira durchgesetzt. Die haben zwischenzeitlich die von ihnen beauftragten Banken von ihren Aufgaben entbunden. Ob sie nun noch an einer Stada-Übernahme interessiert sind, ist unklar.

Viel Stirnrunzeln

Mit dem Angebot von 66 Euro je Aktie durch Bain und Cinven hätte die Übernahme einen Wert von rund 5,3 Milliarden Euro gehabt. Damals waren viele ob der Höhe der Offerte überrascht, waren Branchenbeobachter doch eher von einem Angebot um die 60 Euro ausgegangen, da Private-Equity-Investoren üblicherweise mit sehr spitzem Bleistift rechnen.

Zudem hatten die Finanzgesellschaften weitreichende Zusagen für Arbeitnehmer gemacht, beispielsweise über mehrere Jahre weitgehend auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Darüber hinaus sicherten sie zu, die weitere Expansion und Internationalisierung des Herstellers von Generika und rezeptfreien Arzneien wie Grippostad unterstützen zu wollen. Am Ende hatte man auch Aufsichtsrat und Vorstand überzeugt.

Der Entscheidung war ein wochenlanges Bieterrennen vorausgegangen, das teilweise für Stirnrunzeln gesorgt hatte. So wurde beispielsweise die Bilanzpressekonferenz kurzfristig um einige Tage mit der Begründung verschoben, es müsse eine Transaktion mit Hilfe der Wirtschaftsprüfer neu bewertet werden. Man wolle sich im Rahmen der Verhandlungen in keiner Weise angreifbar machen.

Rückkehr zum Alltag

Auch wurden die Gespräche mit den Bietern zwischenzeitlich unterbrochen, da man mit den bis dahin gebotenen Kaufpreisen offenbar noch nicht zufrieden war. So hieß es von Seiten Stadas, die Bieter würden in ihren Offerten das Wertsteigerungspotential noch nicht entsprechend würdigen. Sogar wie im Krimi ging es teilweise zu, als nach einem Medienbericht bekanntgeworden war, dass Stada-Chef Wiedenfels im vergangenen Jahr offenbar ausspioniert worden war.

Wie schnell nun bei dem Bad Vilbeler Konzern Ruhe einkehrt, muss sich erst noch zeigen. Das operative Geschäft und die neue Strategie würden davon wohl erst einmal nicht beeinflusst, wohl aber der Aktienkurs, sagt Analyst Volker Braun vom Bankhaus Lampe. Es sei gut möglich, dass sich der Kurs eher wieder bei einem Wert um 50 Euro einpendele, sagt er.

Rein operativ wird es nun darum gehen, die erst im März neu vorgestellte Strategie „Stada Plus“ weiter voranzubringen. Man werde die schon laufenden umfangreichen Maßnahmen des Zukunftsprogramms konsequent fortführen, sagte Wiedenfels in der Mitteilung von Montag. So will Stada beispielsweise wichtige Markenprodukte stärker international vertreiben. Auch die Kosten will der studierte Jurist weiter senken, unter anderem im Einkauf und in der Produktion.

Quelle: F.A.Z.
Ilka Kopplin
Redakteurin in der Wirtschaft.
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