Tec-Dax

Der Tec-Dax bleibt auf Klettertour

Von Achim Matzke, Frankfurt
 - 22:07

Während Dax und M-Dax nach den Kursgewinnen im ersten Halbjahr 2017 auch aufgrund des zuletzt deutlich festeren Euros in mittelfristige Konsolidierungen hineingelaufen sind, setzt sich die technische Bilderbuch-Hausse im Tec-Dax weiter fort. Der Tec-Dax kann damit sowohl seine langfristige relative Stärke (seit März 2009) als auch die kurzfristige relative Stärke gegenüber dem Dax ausbauen. Dies zeigt sich etwa am bisherigen Jahresgewinn von zirka 26,4 Prozent, während der Dax zirka 6,7 Prozent erreicht hat. Die technische Gesamtlage signalisiert, dass der Tec-Dax auch im weiteren Jahresverlauf seine technische Führungsrolle im deutschen Indexvergleich beibehalten sollte. Mit Blick auf Einzelwerte bleiben United Internet, Wirecard und Xing die Favoriten für technische (Zu-)Käufe. Darüber hinaus befinden sich zurzeit noch Bechtle, Cancom, Jenoptik, MorphoSys, RIB Software und SMA Solar Technology auf der technischen Tec-Dax-Kaufliste.

Der Tec-Dax bewegt sich seit Oktober 2002 (Start um 306 Punkte) in einer sehr langfristigen Aufwärtsbewegung. Seit März 2009 (Ausgangsniveau lag bei 400 Punkten) hat sich wie im Dax ein technischer Hausse-Zyklus ergeben. In den gut acht Jahren hat der Tec-Dax zirka 455 Prozent hinzugewonnen, während der Dax „nur“ 235 Prozent gestiegen ist. Hierzu passt der im Oktober 2011 bei Kursen um 616 Punkte startende idealtypische Hausse-Trend, dessen fast sechsjährige Hausse-Trendlinie aktuell bei rund 1800 Punkten liegt. Innerhalb dieses Trends kam es in den Jahren 2015 und 2016 unterhalb der Widerstandszone um 1890 Punkte zu einer mittelfristigen Konsolidierung in Form einer Seitwärtspendelbewegung (Unterstützungszone von 1465 bis 1500). Diese Konsolidierung hatte einen trendbestätigenden Charakter (nach oben). Im Dezember 2016 (Start bei 1670 Punkten) etablierte der Index wieder einen neuen, steilen Aufwärtstrend, der nach dem Investment-Kaufsignal im Februar 2017 (Sprung über die Widerstandszone) ein hohes Aufwärtsmomentum erhalten hat. Die Aufwärtstrendlinie liegt zurzeit bei rund 2250 Punkten. Nach dem Erreichen der neuen Hausse-Tops im Juni 2017 bei etwa 2330 Punkten befindet sich der Tec-Dax aufgrund der mittelfristig überkauften Lage wieder in einer Konsolidierung. Auch wenn die überkaufte Lage noch nicht ausreichend abgebaut ist und die Konsolidierung noch etwas andauern sollte, deutet sich wieder ein trendbestätigender Charakter (nach oben) an. Die gute technische Gesamtlage des Tec-Dax und die damit verbundene, intakte kurz- und mittelfristige relative Stärke des Index deuten an, dass das bisherige technische Etappenziel von 2350 Punkten für den Tec-Dax für 2017 zu konservativ ist.

United Internet - die zweitgrößte Aktie im Tec-Dax

United Internet ist aktuell nach Streubesitz die zweitgrößte Aktie im Tec-Dax. Die Aktie hat sich in den letzten Jahren den Charakter eines technischen Marathonläufers erarbeitet. Dies steht für Aktien, die sich in sehr langfristigen Aufwärtsbewegungen befinden und in der Regel während einer Gesamtmarkt-Hausse neue Allzeithochs erreichen. Bei United Internet, die zuletzt besonders durch die Übernahme der ebenfalls im Tec-Dax notierten Drillisch (Anbieter von Mobilfunkprodukten) positiv aufgefallen ist, lässt sich die Aufwärtsbewegung seit 2001 in fünf einfache technische Phasen einteilen. Zuerst die technische Bilderbuch-Hausse (September 2001 bis November 2007) mit einem Kursanstieg von 0,4 Euro auf 17,4 Euro. Die zweite Phase war eine technische Zwischenbaisse (von November 2007 bis November 2008) mit einem Kursrutsch auf 4,2 Euro. Die dritte Phase war wieder eine technische Bilderbuch-Hausse bis zum Dezember 2015 mit einen Anstieg auf 51,9 Euro (Allzeithoch; Widerstandszone). Die vierte Phase war parallel zur Gesamtmarktschwäche eine technische Zwischenbaisse bis auf 34,4 Euro. Hierbei war die Aktie zum Jahreswechsel 2016/2017 in eine „Dreifachbodenformation“ mit der Unterstützungszone um 35,0 Euro und der Widerstandszone um 40,5 Euro hineingelaufen. Im März 2017 war United Internet mit einem Investment-Kaufsignal (Verlassen der Bodenformation) in die fünfte Phase, einen neuen Hausse-Trend, hineingelaufen. Die hohe Aufwärtsdynamik der letzten Wochen zeigt, dass dieser neue Hausse-Trend United Internet über die Widerstandszone im Umfeld der alten Allzeithochs (um 52,0 Euro) führen sollte. Aufgrund der sich abzeichnenden technischen Neubewegung von United Internet sollte das nächste technische Etappenziel in dieser Hausse bei 55,0 Euro liegen. United Internet bleibt ein technischer (Zu-)Kauf.

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Die Geschäftsschwerpunkte von Wirecard sind internetbasierte Zahlungs- und Abwicklungslösungen. Wirecard, mittlerweile nach Streubesitz die größte Aktie im Tec-Dax, hat sich ebenfalls zu einem technischen Marathonläufer am deutschen Aktienmarkt entwickelt. Die langfristige Aufwärtsbewegung startete im November 2002. Ab Juli 2008 mit Kursen um 3,0 Euro liegt ein idealtypischer Hausse-Trend mit einer insgesamt geringen Schwankungsintensität vor. Auch wenn dieser Hausse-Trend Wirecard bis zum November 2015 bis auf ein Niveau um 49,0 Euro geführt hat, so war die Aktie bereits ab Mitte 2015 aufgrund der überkauften Lage in eine normale mittelfristige Konsolidierung hineingelaufen. Im Jahr 2016 bildete sich dann unterhalb der gestaffelten Widerstandszone von 47,0 Euro bis 49,0 Euro ein mittelfristiges Aufwärtsdreieck heraus. Da es sich hierbei um eine trendbestätigende technische Formation (nach oben) handelt, überrascht es nicht, dass Wirecard im März 2017 mit einem neuen Investment-Kaufsignal angesprungen ist und die technische Neubewertung wiederaufgenommen wurde. Der neue, steile Hausse-Trend, dessen Trendlinie aktuell bei etwa 60,0 Euro liegt, deutet als nächstes mittelfristiges technisches Etappenziel den Bereich von 70,0 Euro bis 72,0 Euro an. Aufgrund der guten technischen Gesamtverfassung bleibt Wirecard ein technischer (Zu-)Kauf.

Die im Tec-Dax enthaltene Xing AG hat ihren Geschäftsschwerpunkt im Anbieten einer Online-Community für professionelles Networking. Nachdem die Aktie im Dezember 2006 zu 30,0 Euro an die Börse gebracht wurde, kam es von 2006 bis 2010 zunächst nur zu einer Seitwärtspendelbewegung im Umfeld des Neuemissionspreises. Ab Ende 2010 startete die Aktie mit einem übergeordneten Investment-Kaufsignal in eine neue Hausse-Bewegung, die in den letzten Jahren die Form einer idealtypischen technischen Hausse angenommen hat. Hierbei wechseln sich Investment-Kaufsignale, mittelfristige Aufwärtstrends und mittelfristige Konsolidierungen ab. Der Aufwärtstrend 2014 und 2015 führte Xing bis auf Kurse um 200 Euro (Oktober 2015; Widerstandszone). Aufgrund der mittelfristig überkauften Struktur und der damals bereits laufenden Gesamtmarktschwäche wurde der Titel dann in eine Seitwärtspendelbewegung gedrückt. Insgesamt bildete sich somit ab 2015 unterhalb der Widerstandszone von 200,0 Euro ein Aufwärtsdreieck heraus. Da es sich hierbei aus übergeordneter technischer Sicht um eine trendbestätigende Konsolidierung handelt, konnte Xing im April 2017 mit einem Investment-Kaufsignal anspringen. Als Konsequenz wurde die technische Neubewertung wiederaufgenommen, und die Aktie ist auf neue Allzeithochs bei 256 Euro geklettert. In den letzten Wochen befindet sich die Aktie in einer kurzfristigen Konsolidierung mit einem trendbestätigenden Charakter nach oben.

Quelle: F.A.Z.
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