Alno-Pleite

Wer zahlt bei verspäteter Insolvenz?

Von Martin Hock
 - 17:20

2013 war der Küchenbauer Alno laut einem Gutachten schon insolvent. Erst im Juli 2017 erfolgte der Insolvenzantrag. Insolvenzverwalter Martin Hörmann will nun Schadenersatz von den früheren Managern fordern.

Grundsätzlich müssen diese für den Schaden aufkommen, auch wenn sich 95 Prozent der Geschäftsführer in Deutschland dessen nicht bewusst sein, so der Versicherer VOV, der sogenannte D&O-Policen anbietet, mit denen sich Manager gegen Haftungsansprüche absichern können. So glaubten etwa drei Viertel, sie seien durch die Pflichteinlage von 25.000 Euro bei einer GmbH geschützt. Tatsächlich gilt wegen der gesetzlich verankerten Organhaftung ein unbeschränkter Zugriff auf das Privatvermögen von Managern.

Ganz besonders gilt das für eine Insolvenzlage: Leistet ein Geschäftsführer Zahlungen an Dritte, obwohl das Unternehmen schon insolvenzreif ist, können Gläubiger und Insolvenzverwalter Schadenersatz verlangen. Letzterer muss das sogar, denn er ist gehalten, das Möglichste herauszuholen.

Insolvenzverwalter klagen über Manager-Versicherer

Nicht immer ist jedoch bei den Managern etwas zu holen. Von Vorteil könnte es sein, wenn diese in weiser Voraussicht eine D&O-Police abgeschlossen haben.

Praktisch jedoch wird es auch hier schwierig. nach einer Befragung von VOV und dem Deutschen Instituts für angewandtes Insolvenzrecht (DIAI) bei 75 Insolvenzverwaltern, zahlen die Versicherer nicht ohne weiteres, und zwar gerade wenn es um Zahlungen bei Insolvenzreife geht.

Unter Berufung auf ein Oberlandesgerichtsurteil, wonach solche Zahlungen keinen Vermögensschaden darstellten, bestätigten 59 Prozent der Insolvenzverwalter, dass die Versicherer solche Schäden selten oder nie erstatten. Weitere 32 Prozent sprechen von gelegentlichen Zahlungen.

Vielfach scheint dies an den Vertragsbedingungen zu liegen. Aktuelle Vertragsbedingungen deckten diese Haftungsrisiken ausdrücklich ab, so VOV-Chef Diederik Sutorius.

Versicherer klagen über Insolvenzverwalter

Auch sonst gibt es immer wieder Streit um die Forderungshöhe. Fast die Hälfte beklagt eine grundsätzliche Ablehnungshaltung. Kein einziger Anspruch gehe vollumfänglich durch.

VOV sieht allerdings auch Verantwortung bei den Insolvenzverwaltern. „Insolvenzverwalter stecken in einem Dilemma“, sagt Sutorius, „Insolvenzverwalter, die zu wenig fordern können für entgangene Schadenersatzzahlung selbst zur Kasse gebeten werden.“ Laut dem DIAI werden Forderungen häufig unzureichend begründet, und zwar schlechter, wenn sie an einen Versicherer gerichtet werden, als wenn der Insolvenzverwalter Klage führen will. In der Regel vergleichen sich die Streitparteien dann außergerichtlich.

Das große Ringen

Letztlich also bleibt es dabei: Eine Insolvenzverwaltung ist eine Auseinandersetzung darum, wer für den Schaden aufkommt. Das will am Ende niemand. Die Gläubiger nicht, die ihr Geld riskiert haben. Die Manager nicht, die im Zweifel bestreiten, Fehler gemacht zu haben. Und deren Versicherer auch nicht, der wie alle Versicherer eben nicht gerne zahlt, wenn er nicht unbedingt muss.

Daher muss unter den Parteien wie in jedem Rechtsstreit am Ende ein Kompromiss gefunden werden. Je nachdem, wem wie viel Verantwortung zugewiesen werden kann, trifft ihn diese dann auch finanziell. Je weniger Verantwortung nachgewiesen werden kann, desto mehr trifft es die Gläubiger und Eigenkapitalgeber. In der Zwischenzeit wird heftig und oft jahrelang gerungen. Den Alno-Gläubigern steht also wohl noch eine längere Leidenszeit bevor.

Quelle: FAZ.NET
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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