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Skandalzins Libor soll ersetzt werden

Von Christian Siedenbiedel
 - 16:47

Der Bankenzins Libor soll abgeschafft werden. Die britische Finanzaufsicht FCA, in deren Einflussbereich die „London Interbank Offered Rate“ ermittelt wird, drängt auf eine Ablösung durch ein zuverlässigeres System bis Ende 2021.

Unklar ist allerdings, wie der Ersatz aussehen wird und was mit Finanzprodukten passiert, die noch am Libor hängen. „Die Planung und die Überleitung müssen jetzt beginnen“, sagte FCA-Chef Andrew Bailey am Donnerstag in London. Als eine denkbare Alternative wird bisweilen der Zinssatz „Sonia“ („Sterling Overnight Index Average“) genannt, ein Geldmarkt-Zinssatz für Über-Nacht-Ausleihungen.

Zahlreiche Klagen

Der Libor war in aller Welt zu trauriger Berühmtheit gelangt, weil sich um ihn einer der größten Manipulationsskandale der Bankengeschichte drehte. Der Zinssatz wurde früher täglich durch eine offenbar relativ laxe Umfrage unter Banken festgelegt, die melden mussten, zu welchem Zinssatz sie sich von anderen Banken über Nacht Geld leihen konnten. Dabei wurde über Jahre manipuliert.

Das war auch deshalb ein Skandal, weil in aller Welt Finanzprodukte im Wert von mehr als 500 Billionen Euro am Libor hängen sollen. Eine ganze Reihe von Großbanken musste Milliardenstrafen zahlen, es gab auch Verurteilungen einzelner Banker.

Gewisse Reformen des Libor wurden schon vorgenommen, das reicht aber offenbar vielen noch nicht. Auch für die kontinentaleuropäische Variante, den Euribor, und den amerikanischen Dollar-Libor gibt es Reformbestrebungen.

Zahlreiche zivilrechtliche Klagen wegen der Manipulation sind noch anhängig. Das Bankhaus Metzler hatte sich daran über eine amerikanische Tochtergesellschaft beteiligt. „Es scheint Bewegung in das Thema reinzukommen“, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Anfang der Woche kursierten Berichte, die Deutsche Bank und JP Morgan wollten gegen Zahlungen von 77 Millionen Dollar (Deutsche Bank) und 71 Millionen Dollar (JP Morgan) Libor-Klagen beilegen.

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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