Anleihen & Zinsen
Bankanleihen

Vier Prozent mit der IKB

Von Dennis Kremer
© dpa, F.A.S.

Zehn Jahre ist es her, dass die Deutsche Industrie Bank aus Düsseldorf, besser bekannt als IKB, auf unrühmliche Weise Eingang in die deutsche Wirtschaftsgeschichte fand. Die Bank hatte damals in großem Stil mit amerikanischen Hypothekenanleihen spekuliert, und als diese auf einmal an Wert verloren, stand man von heute auf morgen vor der Pleite.

Die schlimmste Bankenkrise seit 1931 rief Jochen Sanio, der damalige Chef der Finanzaufsicht Bafin, in jenen Sommertagen des Jahres 2007 aus, und konnte nicht ahnen, dass der Welt das Schlimmste noch bevorstand. Gut ein Jahr später sollte die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers das Finanzsystem der Welt fast zum Kollaps bringen.

Auf das, was später kommen sollte, gaben die Ereignisse in Düsseldorf schon einmal einen kleinen Vorgeschmack: Nach einem dramatischen Wochenende konnte die IKB nur mit Milliardenkrediten der Staatsbank KfW vor dem Untergang bewahrt werden. Fortan hatte die kleine, auf Finanzierung des Mittelstandes spezialisierte Bank mit einem Makel zu leben: Ein Institut, das trotz einer langen Geschichte (die IKB wurde 1924 gegründet) im ganzen Land auf einmal als Krisenbank bekannt war, hat es naturgemäß nicht leicht, Geschäftspartner und Investoren zu finden.

Anleger von Nachranganleihen haften zuerst

Umso ungewöhnlicher mutet es an, dass zehn Jahre nach dem Zusammenbruch der Hypothekenanleihen die Anleger wieder hohes Interesse an Wertpapieren aus dem Hause IKB haben – und zwar ausgerechnet an IKB-Anleihen. Seit einigen Wochen zählt vor allem eine bestimmte Anleihe der Düsseldorfer Bank (WKN: A2E4QG) mit Laufzeit bis Juli 2022 auf Online-Plattformen zu den beliebtesten Wertpapieren. Nicht nur angesichts der Historie der IKB erscheint dies zunächst seltsam, sondern noch aus einem zweiten Grund: Bankanleihen sind in Zeiten, in denen wie unlängst in Italien noch immer europäische Banken in Schwierigkeiten geraten, eine ziemlich riskante Anlageform. Denn auch wenn es in der Praxis hin und wieder zu umstrittenen staatlichen Entschädigungen für Anleihebesitzer kommt (so geschehen bei Italiens Krisenbank Monte dei Paschi): Wer einer Bank Kredit gibt – um nichts anderes handelt es sich beim Kauf einer Anleihe – muss sich darüber im Klaren sein, dass man im schlimmsten Fall sein Geld verliert.

Dies gilt besonders für alle Anleihen, bei denen es sich um sogenannte Nachranganleihen handelt, wie dies bei der IKB-Anleihe der Fall ist. Kommt es zu einer Pleite der dahinterstehenden Bank, müssen nachrangige Gläubiger nämlich vor allen anderen Gläubigern mit ihrem Geld dafür einstehen – sie sind, wie der Name schon sagt, nicht von gleichem Rang. „Gerät eine Bank in Schieflage, ist es mittlerweile üblich, dass die Besitzer von Nachranganleihen in Haftung genommen werden“, sagt Alex Constanze Steinmann, Finanzanalystin der DZ Bank.

Zukunft der IKB nach wie vor ungewiss

Was also finden die Anleger bloß an der IKB-Anleihe? Die Antwort liegt auf der Hand: Die Rendite ist mehr als auskömmlich, sie liegt aktuell bei rund vier Prozent. Das ist besonders in Niedrigzinszeiten ein hoher Wert und auch deutlich mehr, als ähnliche Anleihen anderer Banken derzeit einbringen. Eine Nachranganleihe der Deutschen Bank mit Laufzeit bis Februar 2025 beispielsweise kommt derzeit nur auf eine Rendite von 2,4 Prozent, eine Nachranganleihe der Commerzbank mit Laufzeit bis März 2021 lediglich auf 1,1 Prozent.

Natürlich gibt es für diese deutlichen Renditeunterschiede Gründe. So kann die IKB anders als Deutsche Bank und Commerzbank keine Ratingnote einer der großen Ratingagenturen wie Standard&Poor’s vorweisen. Anleger müssen sich also ohne Hilfe von außen ein Bild vom Zustand der Bank machen. Dies ist eine Erklärung, warum sie höhere Zinsen verlangen. Auch die Unsicherheit über die zukünftige Geschäftsentwicklung der IKB kommt in der höheren Rendite zum Ausdruck. Zwar schreibt die einstige Krisenbank mittlerweile im vierten Jahr nacheinander schwarze Zahlen. Doch noch immer ist nicht klar, was in Zukunft mit der Bank geschehen wird. Immer wieder gibt es Gerüchte, der heutige IKB-Besitzer, der amerikanische Finanzinvestor Lone Star, werde die Bank verkaufen. Auch wenn sich Geschichte bekanntlich nie wiederholt: Ein bisschen Mut braucht also, wer sich die vier Prozent verdienen will.

Quelle: F.A.S.
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