Mittelstandsmarkt

Geschäftszahlen bisher nicht ermutigend

Von Martin Hock
© 3W Power, FAZ.NET
Auch 3W Power trifft die Solarkrise hart

Wie man es auch immer nimmt, das Interesse an kleinen Anleihen ebenso kleiner Emittenten, sogenannten Mittelstandsanleihen hält an. Der vom Fachdienst anleihen-finder.de ermittelte Micro-Bond-Index Mibox, der die Kursentwicklung aller an den Mittelstandssegmenten deutscher Börsen gelisteten Anleihen abbildet, ist seit seinem Tief Ende Juni 2012 bei 93,83 Punkten auf 100,14 Zähler geklettert.

Dabei hat er in den vergangenen Tagen von seinem Anderthalb-Jahres-Hoch von 101,93 Zählern wieder deutlich nachgegeben. Herunter zogen den Index dabei die vergleichsweise großen Emissionen der von Centrosolar (50 Millionen Euro) und 3 W Power (98 Millionen Euro). Während Centrosolar eine Umschuldung ankündigte, brach der Kurs des 3W-Bonds nach Vorlage der Geschäftsergebnisse für 2012 deutlich von 100 Prozent der Nominale bis auf 76,50 Prozent ein.

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Großkunde droht 3W in die Krise zu stürzen

Nicht nur, dass der Umsatz des unter anderem für die Solarindustrie zuliefernden Elektrobauteileherstellers um mehr als 8 Prozent gesunken war. Auch das operative Ergebnis fiel kräftig auf 18,3 Millionen Euro nach knapp 54 Millionen im Vorjahr. Vor allem aber berichtete 3W, dass es bei einem Kunden Kunden zu Zahlungsverzögerungen komme, die sich aufgrund der Bankensituation in Zypern verschärft hätten.

Da auf diesen aber 37,5 Prozent der Forderungen des Unternehmens in Höhe von 124,5 Millionen Euro entfielen, könne 3W „ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten ausgesetzt sein, sollte es nicht gelingen einen wesentlichen Teil des von dem Kunden geschuldeten Betrags erfolgreich einzufordern“. Zudem verschob 3W darob die Veröffentlichung des endgültigen Geschäftsberichts.

Darüber hinaus wurden rund 175 Millionen an zusätzlichen Abschreibungen fällig, aufgrund der „Anpassung der Geschäftspläne“. Insgesamt wird damit auch 3W voll von der Solarkrise erwischt, die schon den Gläubigern anderer Anleihen erhebliche Verluste beschert hat und noch bescheren wird.

Bei Sic Processing ist nichts zu holen

Extrem schmerzlich wird es jetzt für die Gläubiger der insolventen Sic Processing werden, deren Anleihe ein Volumen von 82 Millionen Euro hat. Der Sachwalter hat jetzt Masseunzulänglichkeit angezeigt. Damit müssen zunächst Altmasseverbindlichkeiten nicht mehr erfüllt werden. Das macht es wahrscheinlich, dass Anleger gar nichts mehr erhalten.

Rechtsanwalt Marc Liebscher von der Berliner Kanzlei Dr. Späth & Partner stellt in diesem Zusammenhang die Frage, wie das Unternehmen überhaupt die Genehmigung für eine Insolvenz in Eigenverwaltung erhalten konnte. Sic sei ganz offensichtlich völlig pleite, da bei Anzeige der Masseunzulänglichkeit auch Verbindlichkeiten nicht mehr gedeckt seien, die nach Insolvenzeröffnung begründet wurden.

Bei der Eigenverwaltung bestehe immer die Gefahr, dass der Bock zum Gärtner gemacht werde. Im Falle der Sic seien Anleihegelder zu einem großen Teil in ein weitverzweigtes Firmennetz von Deutschland über Luxemburg, Jersey, London und Skandinavien abgeflossen. Das Geld sei noch vorhanden und es bestünden gute Aussichten zumindest einen ansehnlichen Teil wieder zu bekommen.

Umsatz- und Gewinnrückgänge

Die Tatsache, dass das Interesse an Mittelstandsanleihen weiter groß ist, dürfte nicht zuletzt dem Umstand geschuldet sein, dass die Krisen-Unternehmen allesamt aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien stammen. Blickt man indes auf die derzeit nach und nach eintröpfelnden Geschäftsergebnisse für 2012, kommen Zweifel auf, dass das so bleiben muss.

So ist etwa der Umsatz des Herstellers von Datenarchivsystemen, BDT, um 9 Prozent gefallen. Der Autohändler Procar musste einen Rückgang von mehr als 9 Prozent hinnehmen und der Bierbrauer Karlsberg von mehr als 6 Prozent. Der Jahresüberschuss des Autozubehörhändlers Albert Reiff fiel um 96 Prozent auf nur noch 550.000 Euro, der Schnapsbrenner Berentzen rutschte mit 1,6 Millionen Euro in die roten Zahlen.

Verschlechterte Mittelzuflüsse

Meist stammen diese Erkenntnisse aus vorab veröffentlichten Zahlen, doch die wenigen vorliegenden Bilanzen verströmen keinen Optimismus. Die Deckung der Zinsausgaben durch das Betriebsergebnis hat sich häufig verschlechtert und als einziges von sieben Unternehmen hat das Chemie-Unternehmen Nabaltec seinen Mittelzufluss verbessern können. Keines der Unternehmen stammt aus der Branche der Erneuerbaren Energien.

Und auch der Blick in die Zukunft lässt manche Befürchtung zu. Die schwachen Ergebnisse, die der Fruchtsaft-Hersteller Eckes-Granini jetzt vorlegte, machen nicht viel Hoffnung, dass sich die negative Tendenz des ersten Geschäftshalbjahres bei Valensina verbessert hat. Und der Biogasspezialist MT Energie hat unlängst Entlassungen und Kapazitätsabbau angekündigt.

Verbesserte Liquidität

Die Rating-Agentur Scope scheint optimistischer. In einer Mitte Februar veröffentlichten Untersuchung von 30 repräsentativen Emittenten kam sie zu dem Schluss, dass sich immerhin die Liquiditätsausstattung 2012 verbessert habe. Grund sei die Ablösung kurzfristiger Verbindlichkeiten und der Aufbau von Liquiditätspolstern durch die begebenen Anleihen. Zudem sei das Verhältnis von Cash-Flow zu Umsatz deutlich gestiegen. Für das erste Halbjahr 2013 ging Scope von keinem wesentlichen Rückgang der durchschnittlichen Liquiditätsausstattung aus.

Haken der Liquiditätsuntersuchung ist indes, dass sie kurzfristig orientiert ist. Naturgemäß verbessert sich kurzfristig die Mittelausstattung, wenn einem Unternehmen Fremdmittel in Höhe von einem Sechstel seines Jahresumsatzes zufließen wie etwa bei Karlsberg. Seitdem sind die Bankschulden um 8,2 Millionen gefallen, die Darlehen von verbundenen Unternehmen um 12 Millionen und der Kassenbestand um 5,2 Millionen gestiegen. Dadurch steht der Bierbrauer erst einmal deutlich besser da.

Indes ist die Eigenkapitalquote leicht gefallen und die Nettofinanzverschuldung hat sich mehr als verdoppelt, auch in Relation zum operativen Gewinn, derweil sich der operative Mittelzufluss fast halbiert hat. Absolut gesehen sieht die Karlsberg-Bilanz akzeptabel aus, aber ob bei Zinszahlungen in Höhe von mehr als der Hälfte des Jahresüberschusses überhaupt Mittel zur Tilgung der Anleihe im Jahr 2017 erwirtschaftet werden können ist fraglich. Also bleiben nur Refinanzierungsrunden. Diese Sachklage trifft auf viele Emittenten zu, und ob alle ihre Anleihen werden refinanzieren können, muss sich erst noch weisen.

Quelle: FAZ.NET
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