Zinspolitik

Amerikanische Notenbank erhöht Leitzins nicht weiter

 - 21:06

Die amerikanische Notenbank Fed hat bei ihrer Abkehr vom Krisenmodus der Geldpolitik vorerst eine Pause eingelegt und den Leitzins nicht weiter angehoben. Die Fed-Funds-Rate liege weiter in einer Spanne zwischen 1,00 und 1,25 Prozent, teilten die Währungshüter am Mittwoch in Washington mit. Volkswirte und Anleger an den Finanzmärkten hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Man behalte die Inflation im Blick und werde bald mit dem Abbau der billionenschweren Notenbankbilanz beginnen, so die Währungshüter.

Zuletzt hatte die Fed Mitte Juni den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Dies war die vierte Erhöhung seit der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Zwischen Ende 2008 und Ende 2015 hatte die Notenbank den Zinssatz an der Nulllinie gehalten, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Preisentwicklung zu stabilisieren.

Yellen: Inflation größter Unsicherheitsfaktor

Die Zinsentscheidung sei einstimmig gefallen, hieß es in der Stellungnahme zu den Beschlüssen vom Mittwoch. Man werde die weitere Entwicklung der Inflation genau beobachten und gehe davon aus, dass die Teuerungsrate in Richtung des angepeilten Zielwerts von zwei Prozent steigen, kurzfristig aber etwas darunter verbleiben werde.

Zuletzt hatte die Fed-Vorsitzende Janet Yellen die Inflation als größten Unsicherheitsfaktor mit Blick auf die künftige Geldpolitik bezeichnet und betont, dass man die weitere Entwicklung genau im Blick behalten werde. Eine schwache Inflation spricht tendenziell gegen eine straffere Geldpolitik. Jüngsten Zahlen zufolge lag die Teuerungsrate im Juni nur bei 1,6 Prozent und damit so niedrig wie seit Oktober 2016 nicht mehr.

Bilanzabbau beginnt „relativ bald“

Am Mittwoch betonten die Notenbanker zudem, dass sie „relativ bald“ mit dem Abbau der billionenschweren Notenbankbilanz beginnen werden. Vorerst werde man aber auslaufende Papiere weiter reinvestieren. Die Fed hatte im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise Staatsanleihen und mit Hypotheken besicherte Wertpapiere im Volumen von rund 4,5 Billionen Dollar erworben. Die dadurch aufgeblähte Bilanz soll nun allmählich wieder abgebaut werden.

Einen ersten Ablaufplan dafür haben die Währungshüter bereits vorgelegt, dabei jedoch nicht angegeben, wann genau mit dem Abbau begonnen werden soll. Wenn die wirtschaftliche Entwicklung im Rahmen der Erwartungen bleibt, soll der Starttermin noch in diesem Jahr liegen. Dann soll ein Teil der auslaufenden Papiere nicht mehr reinvestiert werden.

Dollar verliert, Euro gewinnt

Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten bewerten die Währungshüter eher positiv. Die Beschäftigung habe sich solide entwickelt und die Arbeitslosigkeit sei gesunken, hieß es am Mittwoch. Die Risiken für die Wirtschaft seien ungefähr ausgewogen.

An den Finanzmärkten gingen nach den Fed-Beschlüssen die Renditen auf amerikanische Staatspapiere zurück und der Dollar verlor an Wert. Im Gegenzug stieg der Eurokurs über 1,17 US-Dollar. Der amerikanische Aktienmarkt reagierte leicht positiv. Die Marktreaktionen sprechen dafür, dass einige Anleger konkretere Hinweise auf einen künftigen geldpolitischen Straffungskurs erwartet hatten.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte die Notenbankchefin Janet Yellen im Wahlkampf heftig attackiert. Er warf ihr seinerzeit vor, eine "politisch" motivierte Zinspolitik zu betreiben: Sie halte den Leitzins künstlich niedrig, um die Wirtschaftsbilanz des damaligen Präsidenten Barack Obama aufzumöbeln.

Seit seinem Wahlsieg erneuerte Trump diese Kritik aber nicht. In einer seiner vielen Kehrwenden lobte er die Fed-Chefin im April sogar. Dennoch wird in Washington weiterhin darüber spekuliert, dass er Yellen nach Ende ihrer laufenden Amtszeit im Februar 2018 von dem Posten entfernen
könnte.

Quelle: hepo./dpa
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