90 Prozent Kursplus

Die Angst vor der Bitcoin-Spaltung ist verflogen

Von Franz Nestler
 - 17:28

Freud und Leid liegen manchmal sehr dicht beieinander. Das gilt für Anleger allgemein, doch für Bitcoin-Investoren speziell noch mehr. Gerade wurde die Internetwährung Bitcoin in zwei Währungen gespalten: Zum einen blieb der normale Bitcoin erhalten, zum anderen entstand Bitcoin Cash.

Die Befürchtungen im Vorfeld waren groß, was dann passieren könne. Um bestens für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, stellten einige Handelsbörsen am vergangenen Dienstag ihren Handel vorübergehend ein. Bezahlt werden konnte über zahlreiche Dienstleister ebenso wenig.

Plus 90 Prozent in drei Wochen

Doch dann verlief die eigentliche Spaltung weitgehend ereignislos. Es kam zu keinem Crash und technische Probleme während der Umstellung waren auch nicht bekannt. Alle Unsicherheit zuvor war wie weggespült.

Und wie diese Unsicherheit Bitcoin zunächst auf etwa 1865 Dollar drückte, so schob die neu gewonnene Sicherheit die Internetwährung kräftig an. Bis zum Dienstagnachmittag kostete ein Bitcoin bis zu 3488 Dollar – ein Plus von 90 Prozent in den vergangenen drei Wochen.

Doch nicht nur die Entwicklung in den vergangenen Wochen ist beeindruckend, auch die über eine längere Zeit. Die Kryptowährung hat sich im vergangenen halben Jahr verdreifacht und in den vergangenen fünf Jahren steht ein Kursplus von mehr als 30.000 Prozent zu Buche.

Wie wird es nun weitergehen? Mit der Spaltungsentscheidung vergangene Woche scheint ein Weg vorhersehbar. So sind die Probleme von Bitcoin vorerst gelöst, da die Kryptowährung kurz davor war, ein Opfer des eigenen Erfolgs zu werden. Da mittlerweile von der chinesischen Großmutter bis zum Wall-Street-Banker Millionen von Menschen die Währung nutzen, ist die zugrundeliegende Technik überfordert. Das führt dazu, dass Transaktionen länger dauern und dadurch teurer werden – eigentlich war die schnelle und günstige Abwicklung des Zahlungsverkehrs der große Vorteil der Internetwährung Bitcoin.

Deswegen musste eine neue Lösung her. Der neue Kompromiss der Bitcoin-Gemeinde löst dieses Problem sehr elegant. Da Bitcoin auf der so genannten Blockchain basiert, wurden die einzelnen Daten in Blöcke hineingeschrieben. Das war bei niedrigen Umsätzen auch kein Problem. Doch mit dem steigenden Datenvolumen wurde es das.

Erklärvideo
Was ist eine Kryptowährung?
© Reuters, Deutsche Welle

Mit dem neuen Protokoll, dass auf den Namen Segwit2x hört, wird ein Teil der bisher in den Blöcken gespeicherten Daten ausgelagert. Die Entwickler erhoffen sich davon, das Netzwerk auch für die nächsten Jahre zukunftssicher zu machen.

Aktuell gibt es rund 840 Digitalwährungen, Tendenz weiter steigend. Auch sie haben stark von der nun vorherrschenden Sicherheit auf dem Markt der Kryptowährungen profitiert. Während vor drei Wochen die Marktkapitalisierung noch 69 Milliarden Dollar betrug, sind es heute schon 121 Milliarden Dollar. Es zirkulieren dabei Bitcoin im Wert von 56 Milliarden Dollar, damit ist sie die mit Abstand wichtigste Währung und macht 46 Prozent des Marktes aus.

Diese Tendenz ist aber weiter sinkend. Konkurrenz steht in Form von Ethereum und Ripple auf den Plätzen zwei und drei schon bereit. Sie haben aktuell eine Marktkapitalisierung von rund 27 Milliarden Dollar und etwa 9 Milliarden Dollar. Bitcoin Cash notiert im Moment bei 368 Dollar und hat damit eine Marktkapitalisierung von 6 Milliarden Dollar. Damit ist sie im Moment die viertwichtigste Währung. Doch wie es mit ihr weitergeht, das ist noch ungewiss. Die Kursschwankungen waren zuletzt stärker als beim Bitcoin und bisher unterstützen nur wenige die neue Kryptowährung.

Der zukünftige Stand der Kryptowährung ist schwer vorauszusagen. Bitcoin-Anleger mussten schon Kursstürze von 50 Prozent und mehr verkraften. Auf unserer Prognosebörse FAZ.NET-Orakel können Sie nun selbst zeigen, wie gut Sie die Entwicklung des Bitcoin-Kurses prognostizieren können - und mit etwas Glück einen attraktiven Preis gewinnen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Nestler, Franz
Franz Nestler
Redakteur in der Wirtschaft.
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