Devisenmarkt

Privatanleger zocken immer häufiger

Von Daniel Mohr
 - 07:19

Immer mehr Privatanleger in Deutschland versuchen sich in der Spekulation mit Devisen. Nach Schätzungen von Gain Capital ist der Markt in Deutschland im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent gewachsen. Der amerikanische Anbieter von Währungsspekulationen im Internet begründete mit diesem rasanten Marktwachstum seinen Markteintritt zu Jahresbeginn unter dem Namen Forex.com. Zuvor waren schon große Anbieter wie FXCM und Alpari in den deutschen Markt eingestiegen. Er gilt als attraktiv.

„Oft wird das Potential der Devisenspekulanten in Deutschland auf 50.000 Personen beziffert, wir gehen aber in den nächsten Jahren von einem Wachstum auf bis zu 250.000 aus“, sagt Heiko Müller, Geschäftsführer von Alpari Deutschland. Das Thema müsse aber noch mehr in die Breite getragen werden: „Nicht nur die großen Investoren können am Devisenmarkt Geld verdienen, sondern auch ganz normale Privatanleger.“

Tägliches Volumen von rund 4 Billionen Dollar

Nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) wird an den Devisenmärkten täglich ein Volumen von rund 4 Billionen Dollar gehandelt. Sie sind damit die größte Anlageklasse der Welt. Der Anteil der Privatanleger steige zwar sichtlich, wird aber noch immer auf weniger als 10 Prozent geschätzt. Viele dürften von den hohen Risiken im Devisenhandel abgeschreckt werden. Wechselkurse hängen von einer solchen Vielzahl von Faktoren ab, dass sich Veränderungen kaum seriös prognostizieren lassen.

Die meisten Anleger setzen deshalb auf die kurzfristige Spekulation mit hohen Hebeln. Als typisch gilt ein Hebel von 100. Eine Veränderung im Wechselkurs von 1 Prozent bedeutet damit eine Veränderung in der angelegten Summe von 100 Prozent. Bewegt sich der Kurs in die vom Anleger erwartete Richtung, verdoppelt er somit sein angelegtes Geld. Entwickelt sich der Kurs allerdings in die andere Richtung, ist das Geld verloren.

Im Devisenhandel sind hierfür Contracts for Difference (CFDs) eine gebräuchliche Anlageform. Der Anleger partizipiert an der Differenz aus Kauf- und Verkaufspreis. Dabei kann es zu Nachschusspflichten kommen. Wenn sich in oben genanntem Beispiel der Kurs um 2 Prozent entgegen der Erwartung des Anlegers bewegt, verliert er nicht nur sein eingesetztes Kapital, sondern muss dieselbe Summe nochmals nachschießen. Es gibt aber auch Anbieter, die solche Nachschusspflichten nicht vorsehen und eingegangene Positionen sofort schließen, wenn das Kapital aufgebraucht ist.

„24 Stunden und länger“

Dieser hochspekulative Charakter von Devisenspekulationen geht einher mit sehr kurzen Zeithorizonten für die Geldanlage. „Wir beobachten den Trend zu eher langfristigen Strategien“, sagt Müller: „Langfristig heißt bei uns: 24 Stunden und länger.“ Die Anleger an den Devisenmärkten orientieren sich dabei meist an technischen Indikatoren. Plattformen für den Devisenhandel im Internet bieten daher eine Vielzahl solcher Indikatoren. Das Angebot an technischen Analysemöglichkeiten gilt als wesentlicher Wettbewerbsfaktor in der Branche. Ein ganz klassischer technischer Indikator an den Aktienmärkten ist die 200-Tage-Linie, die den durchschnittlichen Kurs der vergangenen 200 Handelstage wiedergibt und deren Durchbrechen von unten nach oben als Kaufsignal gilt und von oben nach unten als Verkaufsignal. An den Devisenmärkten ist die 200-Minuten-Linie relevant.

Der CFD-Handel mit Devisen hat - anders als derjenige mit Optionsscheinen oder Knock-out-Produkten - den Vorteil, dass die Anleger zu jeder Zeit selbst den Wert ihrer eingegangenen Position nachvollziehen zu können. Die Anleger kaufen zum gerade gültigen Devisenkurs und verkaufen zum später aktuellen. Bei Zertifikaten auf Wechselkursveränderungen ist die Sache komplizierter. So wird der Preis eines Optionsscheins von weiteren Faktoren wie dem Zeitwert und der Volatilität bestimmt. Gleichwohl stehen auch am Zertifikatemarkt eine Vielzahl verschiedener Währungspaare zur Verfügung, auf die mit abgestuftem Risiko spekuliert werden kann.

Beobachtete Spekulationen

Wer sich nicht selbst in die Details der technischen Analyse von Devisenkursen einarbeiten will, kann auch auf die Strategien erfahrener Anleger setzen. Auf der Internetseite von Ayondo lassen sich die Spekulationen von mehr als 1000 Anlegern beobachten. Rund 150 davon sind zertifizierte Trader. Sie haben über einen längeren Zeitraum nachgewiesen, dass sie erfolgreich am Markt spekuliert haben. Ein Anleger kann sein bei einem der drei Partner-Broker Activ Trades, Ava FX oder Alpari (seit Montag) geführtes Konto an maximal fünf dieser Trader gleichzeitig anschließen und vollzieht damit deren Aktivitäten nach. Oft werden 40 bis 50 Transaktionen am Tag durchgeführt. Der Anleger behält aber immer den vollen Zugriff auf sein Konto und kann von dem Trader eingegangene Positionen sofort wieder schließen. Außerdem kann er generelle Risikobegrenzungen vornehmen.

Mehr als 30000 registrierte Nutzer hat Ayondo mittlerweile, mehrere tausend haben ihr Konto an einen oder mehrere der zertifizierten Trader angeschlossen. Der Handel bezieht sich dabei aber nicht nur auf Devisen, sondern auch auf Aktienindizes und Rohstoffe. Seit diesem Montag beträgt die Mindestgröße für ein Konto nur noch 100 Euro, bei einem Ayondo-Zugang über ein Alpari-Konto 500 Euro. „Zum Einstieg und Ausprobieren haben viele Kunden einen kleinen Betrag gewünscht“, sagt Ayondo-Gründer und Geschäftsführer Manuel Heyden. Schließlich sei Ayondo eine Kapitalmarktinnovation. „Manche Anleger haben aber auch schon Konten im Volumen von mehr als 200000 Euro.“ Heyden rät den Anlegern, mehreren zertifizierten Tradern gleichzeitig zu „folgen“: „Das reduziert das Risiko, denn nicht jeder Trader hat für jede Marktsituation die richtige Lösung parat, und nicht jede Strategie funktioniert ewig.“

Quelle: F.A.Z.
Daniel Mohr  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Mohr
Redakteur in der Wirtschaft.
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