Dollar unter Druck

Der Euro im Höhenflug

Von Winand von Petersdorff und Markus Frühauf
 - 08:47

Der Euro setzt seinen Höhenflug fort. Am Donnerstag stieg die Gemeinschaftswährung auf 1,1778 Dollar. Es war das höchste Niveau, das der Euro seit Anfang 2015 erreicht hat. Diesmal setzte die amerikanische Notenbank Federal Reserve den Dollar unter Druck, denn ihre Mitteilung im Anschluss an die geldpolitische Sitzung am Mittwochabend ließ die Investoren zweifeln, dass es bald zu einer weiteren Leitzinserhöhung kommen wird.

Der starke Euro belastet vor allem deutsche Unternehmen, die viele Waren ins Ausland liefern. Denn deren Preise steigen und verschlechtern so die Wettbewerbssituation. Das erklärt auch, warum der deutsche Aktienindex 0,8 Prozent verlor auf 12.212,04 Punkte, während der Leitindex für den Euroraum, der Euro Stoxx 50, mit 3493 Punkten nahezu unverändert blieb. An der Wall Street zeigten sich die wichtigsten Indizes im frühen Geschäft höher: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,2 Prozent auf 21760 Punkte.

Eine weitere Ursache für die Schwäche des deutschen Aktienmarktes waren die enttäuschenden Quartalszahlen von Deutscher Bank und Bayer. Die Aktie der Deutschen Bank verbilligte sich um 6,5 Prozent, der Bayer-Kurs fiel um 3,3 Prozent. Dass der Euro derzeit gefragt ist, liegt aber nicht nur an der zögerlichen Haltung der Fed und der Führungsschwäche des Präsidenten Donald Trump. Weitere Ursachen sind die gute konjunkturelle Entwicklung im Euroraum sowie die nachlassenden politischen Risiken nach dem positiven Ausgang der Wahlen in Frankreich und den Niederlanden. Das stärkt den Euro auch gegenüber dem Schweizer Franken. Der Franken fiel am Donnerstag zum Euro auf 1,1246 Franken. Das war der niedrigste Stand seit der Aufgabe des Euromindestkurses Anfang 2015.

Ein einziges fehlendes Wort hat in der offiziellen Mitteilung der Fed den Dollar im Vergleich zu wichtigen Währungen seine Talfahrt fortsetzen lassen. Nach der Juni-Sitzung hatte die Fed noch verbreitet, die Inflation bewege sich „ein wenig“ (somewhat) unter dem Inflationsziel von 2 Prozent. In der aktuellen Mitteilung fehlte das ominöse Wort „somewhat“. Das nahmen die Markteilnehmer als Signal dafür, dass die Fed nicht mehr so erpicht ist, die nächste Zinsrunde so schnell wie möglich einzuleiten. Sie deuten die Wortwahl so, dass die Zentralbanker die niedrige Inflation, die zuletzt auf 1,4 Prozent gesunken war, nicht mehr als vorübergehendes Phänomen interpretieren. Daraus ziehen sie den Schluss, dass die amerikanische Geldpolitik noch eine ganze Weile expansiv bleibt. Der Leitzins, die Fed Funds Rate, liege weiter in einer Spanne zwischen 1,00 und 1,25 Prozent, teilte die Zentralbank mit. Das entspricht den Erwartungen der Marktbeobachter.

Schwacher Dollar spiegelt sinkendes Vertrauen in Trump

Gleichzeitig haben aber der Offenmarktausschuss der Fed und die Präsidentin Janet Yellen in ihrer Stellungnahme auch verdeutlicht, dass sie „relativ bald“ ihren Bilanzabbau einleiten wollen, vorausgesetzt, die Konjunktur spielt mit. Dabei geht es um den Plan der Fed, den Anleihebestand zu verkleinern. Die Fed hat im Zuge ihre Anleihekäufe (Quantitative Easing) einen Bestand von 4,5 Billionen Dollar aufgebaut, der nun abgebaut werden soll. Die Zentralbank hatte im Juni einen Plan dafür vorgelegt: Ein wachsender Teil der monatlichen Rückflüsse aus den Anleihen soll nicht mehr reinvestiert werden.

Im Abstand von drei Monaten soll der Anteil der Mittel, die aus den fällig werdenden Anleihen wieder angelegt werden, sinken – am Anfang um 10 Milliarden Dollar, nach zwölf Monaten um 50 Milliarden. Die Ankündigung der Umsetzung dieser Politik „relativ bald“ hätte von den Märkten als Signal begriffen werden können, dass die Fed an ihrer Absicht festhält, die Geldpolitik zu straffen. Doch die Botschaft, dass sich die Inflation wider Erwarten nicht einstellt, bekam mehr Gewicht. Der Dollar sank nicht nur auf ein Zweieinhalbjahrestief gegenüber dem Euro, sondern auch auf ein Jahrestief gegenüber einem Korb wichtiger Währungen. Der Euro und der australische Dollar haben in diesem Jahr im Vergleich zum Dollar um mehr als 11 Prozent zugelegt, selbst das britische Pfund gewann 6,4 Prozent, während Japans Yen ein Plus von 5,2 Prozent aufweist.

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In der Dollarschwäche spiegelt sich nicht nur die ausbleibende Inflation und die damit verbundene wachsende Wahrscheinlichkeit, dass die Fed ihr Tempo bei der Normalisierung der Geldpolitik drosselt. Sie reflektiert auch schwindende Zuversicht in die Fähigkeit der amerikanischen Regierung unter Donald Trump, ihre wirtschaftspolitischen Programme durchzusetzen. Zu Beginn des Jahres war erwartet worden, dass die von Trump angekündigte große Steuerreform, die Gesundheitsreform und das versprochene Infrastrukturprogramm die Wirtschaft in einer Weise befeuerten, die Zinsschritte nötig gemacht hätte.

Diese Erwartung verblasst spätestens seit dem Hickhack um die Gesundheitsreform. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seiner jüngsten Konjunkturprognose die Wachstumserwartungen leicht gesenkt. Der schwache Dollar bereitet auch dem Euroraum und Japan Schwierigkeiten. Dort ist die Inflation ebenfalls niedrig und wird vom schwachen Dollar noch weiter heruntergezogen. Der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte der Wechselkurs derzeit ein Grund sein, von einer geldpolitischen Straffung abzusehen.

Quelle: F.A.Z.
Winand von Petersdorff-Campen - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen ZeitunAutorenporträt / Frühauf, Markus (maf.)
Winand von Petersdorff-Campen
Markus Frühauf
Wirtschaftskorrespondent in Washington. Redakteur in der Wirtschaft.
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