EZB

„Politische Risiken schaden dem Euro“

Von Gerald Braunberger
 - 15:28

„Die sehr einfache Nachricht ist, dass der Euro als internationale Währung weiter an Boden verloren hat“, sagt Benoît Cœuré. Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank bezieht sich auf die Erkenntnisse in der aktuellen Ausgabe des jährlich von der Zentralbank veröffentlichten Berichts über die internationale Rolle des Euros. „Auch wenn eine stärkere internationale Rolle des Euros kein Ziel der Geldpolitik an sich ist, wäre sie ein Beleg des Vertrauens der Welt in eine erfolgreiche Vervollständigung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion“, heißt es in dem Bericht.

Sicherlich spielen die niedrigen Renditen für Staatsanleihen in der Eurozone eine Rolle für die rückläufige Bedeutung der Gemeinschaftswährung, aber für die Entwicklung des vergangenen Jahres nennt die EZB vor allem politische Risiken, wie das britische Votum für den Brexit, die Wahlen in den Vereinigten Staaten sowie die Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich. Vermögensverwalter berichten, dass in den vergangenen Jahren mehrere Zentralbanken und Staatsfonds im Rahmen des EZB-Anleihekaufprogramms ihre Euroanleihen vollständig verkauft haben, weil sie an der Dauerhaftigkeit der Eurozone zweifelten.

„Über ein Drittel der Manager von Währungsreserven zeigten sich vor allem von der Möglichkeit einer politisch induzierten Schwäche oder einer Instabilität der Eurozone im Jahre 2017 beunruhigt“, zitiert die EZB eine Befragung. „70 Prozent der Befragten berichteten zudem, dass negative Renditen sie zu Reduzierungen ihrer Bestände an auf Euro lautenden Wertpapieren veranlasst hätten.“ Ein Drittel der Befragten fürchtet einen schweren Preiseinbruch für Euroanleihen im laufenden Jahr.

Das „herausfordernde internationale Umfeld“ ließ die Rolle des Euros bei internationalen Krediten, der Ausgabe von Anleihen auf fremde Währung sowie im internationalen Devisenhandel zurückgehen. Im Devisenhandel ist nach einer Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich der Dollar in 88 Prozent aller Tauschgeschäfte mit Währungen vertreten, der Euro nur in 31 Prozent. „Ähnlich hat sich der Anteil des Euros an den umlaufenden internationalen Anleihen im Jahre 2016 ermäßigt“, heißt es in dem Bericht.

Im Gegenzug konnte der Euro im vergangenen Jahr als Währungsreserve der Zentralbanken und Staatsfonds leicht an Bedeutung gewinnen – allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau. Hier liegt die Gemeinschaftswährung weiter unangefochten auf Rang 2. Der Anteil des Euros ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen; er beläuft sich auf knapp 20 Prozent, während der Dollar unangefochten mit 64 Prozent seine Kreise an der Spitze zieht. Das Pfund und der Yen kommen auf Anteile von jeweils rund 4 Prozent, der chinesische Renminbi (Yuan) kommt derzeit nur auf einen Anteil von 1 Prozent.

Quelle: F.A.Z.
Gerald Braunberger - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Gerald Braunberger
Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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