Rotterdam

Raffinerie-Brand treibt Dieselpreis in die Höhe

Von Christian Siedenbiedel
 - 07:50

Pünktlich zum deutschen Dieselgipfel wird Diesel teurer. Der Brand in einer großen Raffinerie von Shell in Rotterdam am Wochenende hat den Preis für Future-Kontrakte auf Gasöl an der Rohstoffbörse ICE Futures in London, an denen sich der Preis von Diesel und Heizöl orientiert, in die Höhe getrieben. Er erreichte bereits am Montag ein Fünf-Monats-Hoch. Auch wenn das eigentliche Feuer nach einem Kurzschluss in einer Hochspannungsanlage der Raffinerie schnell gelöscht war, ist noch nicht klar, wann Europas größte Erdöl-Verarbeitungsanlage wieder planmäßig produzieren wird. Auswirkungen wurden aufgrund der Transportwege vor allem entlang des Rheins erwartet.

Vor kurzem hatte es schon einen ähnlichen Fall gegeben: Zu Beginn der Sommerferien sorgte ein Brand in der größten deutschen Raffinerie in Leuna in Sachsen-Anhalt für Schwierigkeiten mit der Diesel-Versorgung vor allem in den neuen Bundesländern. Betroffen waren rund 1300 Tankstellen, die sonst aus der Raffinerie beliefert werden. Vorübergehend gab es damals selbst in Frankfurt an einzelnen Tankstellen kein Diesel zu kaufen.

Deutlich zu merken war der Preisanstieg in dieser Woche beim Heizöl. Wie das Internetportal Heizoel24 unter Berufung auf 500 deutsche Ölhändler berichtet, gab es zum Wochenbeginn einen Preissprung. Der höchste Stand der Endverbraucherpreise in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit immerhin zwei Monaten wurde erreicht. Für 100 Liter zahlten Öl-Käufer mehr als 54 Euro. Noch im Juni hatten Hausbesitzer, die sich für den Winter eindecken wollen, Heizöl für weniger als 50 Euro je 100 Liter kaufen können.

Auf Monatssicht günstigste Tankmonat

An den Tankstellen in Deutschland hingegen konnte man von dem Anstieg des Börsen-Dieselpreises zumindest bislang nicht viel merken. Beim Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) in München hieß es, am Montag habe ein Liter Diesel-Kraftstoff in Deutschland im Durchschnitt 1,123 Euro gekostet – am Dienstag habe man zumindest keinen deutlichen Anstieg beobachten können.

Auf Monatssicht ist der Juli laut ADAC sogar der günstigste Tankmonat des bisherigen Jahres gewesen: Im Durchschnitt kostete ein Liter Super E10 rund 1,313 Euro, Diesel war für 1,115 Euro je Liter zu haben. Steffen Bock vom Internetportal Clever Tanken hob hervor, dass Benzin und Diesel im Juli in Deutschland trotz der Sommerferien-Reisewelle relativ günstig gewesen seien.

Der Preis für Rohöl hat am Dienstag unterdessen zunächst neue Höhen erklommen, drehte im Verlauf des Handelstages aber ins Minus. Zwischenzeitlich kostete die Nordseesorte Brent 52,95 Dollar je Fass (159 Liter), so viel wie seit Mai nicht mehr. Auch die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) konnte zwischenzeitlich auf 50,40 Dollar zulegen, den höchsten Stand seit Mitte Mai. Im Tagesverlauf gaben beide Ölsorten ihre Gewinne aber wieder ab. Der Brent-Preis rutschte deutlich ins Minus, und der Preis für WTI sank sogar wieder unter die Marke von 50 Dollar.

Zwei Fragen bewegten dabei Investoren an den Ölmärkten: Halten sich Amerikas Fracker jetzt stärker zurück? Und: Gelingt es der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec), mehr Förderdisziplin an den Tag zu legen und ihre Pläne für eine Förderkürzung durchzusetzen?

Amerikas Ölreserven gehen wohl weiter zurück

Analysten erklärten den Preisanstieg am Ölmarkt zuletzt mit der Entwicklung der Förderung in den Vereinigten Staaten. Nach Zahlen des Öldienstleisters Baker Hughes hat sich der Anstieg der Zahl der aktiven Bohrlöcher in Amerika verlangsamt. Nach Angaben der Energy Information Administration (EIA) haben die Vereinigten Staaten zudem im Mai weniger Öl produziert als bisher angenommen. Je Tag waren es 9,17 Millionen Fass am Tag, 150.000 Fass weniger als zuvor angenommen. Für den Dienstagabend wurden Lagerdaten des Interessenverbands American Petroleum Institute (API) erwartet und für Mittwoch die offiziellen Daten der amerikanischen Regierung. Analysten rechnen damit, dass die Ölreserven weiter gesunken sind.

Anfang kommender Woche wollen sich dann Vertreter von Opec- und Nicht-Opec-Staaten in Abu Dhabi treffen, um über Verstöße gegen die Regeln zur Förderkürzung zu reden. Eugen Weinberg, Ölanalyst der Commerzbank, glaubt aber nicht daran, dass die Ölländer mit ihren Versuchen, den Ölpreis weiter hochzutreiben, sehr erfolgreich sein werden. „Wir rechnen damit, dass die Förderdisziplin demnächst bröckeln wird“, sagt Weinberg. Am Montag waren die jüngsten Opec-Produktionszahlen veröffentlicht worden. Sie deuten eher auf ein weiteres Überangebot hin. Im Juli sei die Produktion zwar „nur“ um 90.000 Fass am Tag gegenüber Juni gestiegen, sagte Weinberg. Dafür seien aber die Juni-Zahlen massiv nach oben revidiert worden. „Das heißt, dass das Ziel eines ausgeglichenen Ölmarktes noch nicht einmal am Horizont zu sehen ist“, sagte Weinberg.

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Nicht nur Libyen, das von der Förderkürzung ausgenommen war, hat mehr Öl gefördert. Die Umsetzung der Förderkürzungspläne lag den Angaben zufolge nur bei 77 Prozent im Juni und 84 Prozent im Juli. Mehr gekürzt als vorgesehen haben ihre Ölförderung beispielsweise Saudi-Arabien und Qatar, weniger hingegen beispielsweise die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak.

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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