Preis steigt

Saudi-Arabien will weniger Öl exportieren

Von Christian Siedenbiedel
 - 11:32

Pläne Saudi-Arabiens, seine Ölexporte zu reduzieren, haben den Ölpreis am Dienstag weiter steigen lassen. Das Land kündigte an, seine Ölausfuhren im August um rund 600.000 auf 6,6 Millionen Fass (159 Liter) am Tag reduzieren zu wollen – im Vorjahresmonat hatte die Menge noch rund eine Million Fass je Tag höher gelegen.

„Vor allem dürfte Saudi-Arabien die Exporte in die Vereinigten Staaten und nach Europa reduzieren, aber zugleich mehr Rohöl nach Asien liefern“, schreiben die Analysten der Commerzbank in einem Rohstoffbericht. Der Preis der Nordseesorte Brent legte daraufhin bis zum Nachmittag um 1,7 Prozent auf 49,41 Dollar je Fass zu. Noch im Juni hatte er zeitweise bei gut 44 Dollar gelegen. Die amerikanische Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich am Dienstag um 1,6 Prozent auf 49,30 Dollar.

China wichtigster Ölverarbeiter

Auch Heizöl in Deutschland wurde nach Zahlen der Internetplattform Heizoel24, an die 500 Ölhändler ihre Preise berichten, leicht teurer. Es kostete im Durchschnitt 51,01 Euro je 100 Liter, nachdem man im Juni schon mal weniger als 50 Euro gezahlt hatte. An der Tankstelle zahlen Autofahrer im Durchschnitt auch wieder etwas mehr für Benzin und Diesel als noch Mitte Juni, einen großer Preisanstieg durch die Ferienreisewelle hat es aber wohl nicht gegeben. Zuletzt kostete Diesel im Schnitt etwas mehr als 1,10 Euro je Liter. Für Super E10 zahlten Autofahrer gut 1,30 Euro je Liter.

Die Commerzbank meint, kurzfristig sei die Strategie der Exporteinschränkungen Saudi-Arabiens für das Ölförderland durchaus sinnvoll, langfristig werde sie aber keinen bleibenden Preiseffekt haben. Die Kürzungen seien vielmehr „ein doppelseitiges Schwert“: Erhielten beispielsweise die Vereinigten Staaten weniger Rohöl aus Saudi-Arabien und möglicherweise aus einem krisengeschüttelten Venezuela, dürfte das die Preise zwar unterstützen.

Den Preisanstieg würden aber die amerikanischen Schieferölunternehmen, die sich zuletzt mit der Ausweitung ihrer Bohrungen und den Investitionen in neue Anlagen etwas zurückgehalten hatten, sofort zu Absicherungszwecken nutzen und den Produktionsanstieg mittelfristig abermals beschleunigen. Auf den asiatischen Märkten könne Saudi-Arabien zwar Marktanteile zurückgewinnen. So habe China im Juni den vierten Monat in Folge mehr Rohöl aus Russland als aus Saudi-Arabien importiert. Doch höhere saudische Ölexporte nach China würden kaum langfristig zur Wiederherstellung des Gleichgewichts auf dem Ölmarkt beitragen, meint die Commerzbank.

Nach Angaben des Ölunternehmens Sinopec dürfte sich das Ölnachfragewachstum Chinas von 5,5 Prozent pro Jahr in den Jahren 2010 bis 2015 auf lediglich 2,5 Prozent in den Jahren 2016 bis 2020 verlangsamen. Deshalb werde sich der chinesische Kraftstoffüberschuss weiter stark erhöhen, womit das Land letztendlich zum wichtigsten Öl-Verarbeiter und Kraftstoffexporteur werde.

Das Bankhaus Metzler meint, auch eine gewisse positive Auswirkung der Ölpreissteigerung auf die Aktienkurse werde nur von kurzer Dauer sein. „Der Eindruck ist, dass die Opec zu nicht viel mehr als verbalen Ankündigungen in der Lage ist. Von daher dürften sich auch die jüngsten Kursgewinne schnell wieder in Wohlgefallen auflösen“, schreibt die Bank.

Unterdessen vertraten die Analysten der Privatbank Donner und Reuschel die Ansicht, von der Entwicklung der Energiepreise gehe im Moment keine treibende Wirkung auf die Inflation mehr aus. Carsten Mumm, der Leiter der Kapitalmarktanalyse, spricht von einem „rückläufigen Einfluss des Energiesektors“ auf die Inflation. „Im zweiten Quartal hat die Inflation in der Eurozone deutlich an Aufwind verloren“, sagte er. Von den größeren Ländern der Eurozone seien einzig Österreich, Deutschland und Spanien mit einem überdurchschnittlich hohen Zuwachs der Teuerungsrate konfrontiert.

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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