Kryptowährung

Bulgarien ist Bitcoin-Großbesitzer

Von Franz Nestler
 - 18:39

Es war eine Meldung, die es kaum in die Nebenspalten einer Tageszeitung schaffte: Im Mai unternahmen die bulgarischen Behörden einen Schlag gegen das organisierte Verbrechen. Kriminelle hatten einen Virus auf Computern des bulgarischen Zolls installiert. Dieser erlaubte ihnen, Güter ins Land zu schmuggeln, ohne die Zollgebühren zu entrichten. So weit, so unspektakulär. Die Liste der beschlagnahmten Güter liest sich dann auch sehr gewöhnlich: Computer, Akten, Tablets, Bankdokumente, fünf Millionen Euro – und exakt 213.519 Bitcoin.

Das ist mehr als ein Prozent aller Bitcoin. Im Mai waren diese schon mehr als 400 Millionen Euro wert. Durch den exorbitanten Preissprung der Digitalwährung sind es zu heutigen Preisen aber schon rund 2,9 Milliarden Euro. Damit ist Bulgarien Bitcoin-Großbesitzer, wenn nicht sogar der größte Bitcoin-Besitzer der Welt. Genau validieren lässt sich das natürlich nicht, da das Bitcoin-Netzwerk anonym ist.

Ein Verkauf könnte den Preis drücken

Was tun mit so viel Geld? Mit dem Geld könnte Bulgarien fast 20 Prozent seiner Staatsschulden bezahlen, die sich auf rund 15 Milliarden Euro belaufen. Und hier wird es nun für Bulgarien kompliziert. Das Land selbst äußert sich nicht zu Plänen, was man mit dem unerwartetem Reichtum machen möchte. Das hat auch ganz einfache juristische Gründe: Das Verfahren gegen die Zoll-Betrüger ist noch nicht abgeschlossen. Damit hat der bulgarische Staat den Bitcoin-Schatz zwar konfisziert, aber ist noch nicht Eigentümer.

Doch auch dann gibt es noch technische Hürden. So brauchen sie auch die Passwörter der Betrüger, möchten sie diese verkaufen. Es ist unklar, ob sie schon in deren Besitz sind. Selbst wenn diese gelöst sind, kann Bulgarien eine solche gigantische Menge Bitcoin nicht auf einem Schlag verkaufen. Das würde Preiserschütterungen über die Märkte aussenden, welche den Bitcoin-Preis in den Keller drücken dürfte. Aktuell werden am Tag rund 3 Millionen Bitcoin gehandelt.

„Coinfriends“
Warum sind Bitcoins ein Erfolg?
© Helmut Fricke, F.A.Z.

Die Leitwährung der legendären „Silk Road“

Bulgarien ist aber nicht das einzige oder erste Land, das Bitcoin von Kriminellen konfisziert hat. Das amerikanische FBI konfiszierte schon im September 2013 144.000 Bitcoin. Sie gehörten Ross William Ulbricht, dem Betreiber der legendären „Silk Road“. Auf ihr konnte man von Drogen über Kinderpornographie bis hin zu Waffen und Auftragsmördern alles handeln – sogar ein Panzer aus den ehemaligen Ostblockstaaten an Selbstabholer war dort zu verkaufen. In der „Silk Road“ war Bitcoin die Leitwährung, Geschäfte in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar wurden dort abgeschlossen. Ulbricht wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und sitzt im Gefängnis – ohne Aussicht auf Bewährung.

Die Staatsanwaltschaft verkaufte die Digitalwährung mangels Erfahrung dann in vier Tranchen zwischen Juni 2014 und Mitte 2016. Das Ganze wurde von einigen Pannen begleitet: So veröffentlichte das Justizministerium unabsichtlich schon die Bieterliste und stellte einige Größen aus dem Silicon Valley bloß, die um den digitalen Schatz steigern wollen. Führende Angestellte von Yelp, Second Market oder Coinbase interessierten sich demnach für die beschlagnahmten Bitcoin. Aber auch Banken und Hedgefonds blicken auf die digitale Devise, darunter die BNP Paribas oder die Little Phoenix Investment Group. Im Zuge der Versteigerungen stahlen im Jahr 2015 zwei FBI-Agenten 1606 Bitcoin. Dafür sitzen die beiden ehemaligen FBI-Agenten nun für zwei und sechs Jahre im Gefängnis. Bulgarien täte also gut daran, sich die Vereinigten Staaten nur bedingt zum Vorbild zu nehmen.

Quelle: F.A.Z.
Franz Nestler
Redakteur in der Wirtschaft.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenBitcoinBulgarienFBI