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Digital bezahlen

Facebook und Apple werden den Banken gefährlich

Von Tim Kanning
 - 13:34
Zahlen mit dem Smartphone: Apple bietet das in immer mehr Ländern an – so auch in China. Bild: ddp Images, F.A.Z.

Finanzgeschäfte über Facebook sind in Brasilien schon heute möglich. Die Banco Bradesco etwa bietet ihren Kunden an, über die Smartphone-App des sozialen Netzwerks ihre alltäglichen Bankgeschäfte zu erledigen. Um neue potentielle Kunden zu finden, greift die Bank auf die Datenanalyse von Facebook zurück. In den Vereinigten Staaten wiederum können die Kunden der beiden Finanzunternehmen Capital One und Liberty Mutual schon über das Spracherkennungssystem „Alexa“ von Amazon ihre Konten abfragen, Rechnungen bezahlen und ihre Ausgaben überprüfen.

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Dies sind nur zwei von vielen Beispielen, wo sich etablierte Finanzunternehmen auf die Partnerschaft mit einem der großen Technologiekonzerne verlassen, um ihren Kunden neue Dienstleistungen anzubieten. Dass in solchen Kooperationen eine große Gefahr für die Zukunftsfähigkeit der Banken liegt, davor warnt nun das Weltwirtschaftsforum, das vor allem für sein jährliches Treffen in Davos bekannt ist.

Studie zum Bedrohungspotential

Für eine bislang unveröffentlichte Studie der Organisation, die der F.A.Z. exklusiv vorliegt, haben die Autoren nach eigenen Angaben Hunderte Fachleute aus der Finanz- und der IT-Industrie zum Bedrohungspotential neuer Technologien für Banken und Versicherer befragt.

Aus Deutschland haben sich zum Beispiel Kim Hammonds, im Vorstand der Deutschen Bank für die IT zuständig sowie der Finanzvorstand des Versicherungskonzerns Allianz, Dieter Wemmer, beteiligt. Wichtigste Erkenntnis: Nicht so sehr die kleinen innovativen Start-ups, die unter dem Schlagwort Fintechs zusammengefasst werden, dürften den etablierten Finanzkonzernen gefährlich werden, sondern vielmehr die großen Technologiekonzerne wie Apple, Google oder Facebook, mit denen sie heute noch zusammenarbeiten.

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„Die Partnerschaften zwischen Banken und großen Technologiekonzernen könnte schon bald nicht mehr wechselseitig funktionieren“, warnt Jesse McWaters, Projektleiter des Weltwirtschaftsforums für disruptive Innovationen in der Finanzwelt, der die Studie maßgeblich verfasst hat. Viele Finanzinstitute verließen sich inzwischen bei ihren wichtigsten strategischen Fähigkeiten auf Technologiefirmen. Im Gegenzug hätten sie den Konzernen aber nur ihr laufendes Geschäft zu bieten.

Der Bericht verweist auf die Risiken sowohl für die Banken wie auch für die Kunden und die Aufsichtsbehörden, wenn die Konzerne aus dem Silicon Valley selbst verstärkt Finanzdienstleistungen anbieten sollten. Erste Schritte in den Markt mit Geldgeschäften sind viele dieser Technologieriesen längst gegangen. So bietet Amazon in vielen Ländern schon eigene Bezahldienste oder auch Konsumentenkredite an, Apple weitet seinen Bezahldienst Apple Pay ebenfalls auf immer mehr Länder aus.

Gerade am Montag erst hat die Berliner Smartphone-Bank N26 bekanntgegeben, dass sie in Frankreich und Italien noch in diesem Jahr Apple Pay in ihre App integrieren werde. Technologiegiganten könnten sich durch ihre reiche Datenbasis und ihre starken Marken genau aussuchen, wo sie in den Markt mit Finanzdienstleistungen eintreten wollten, sagt McWaters. Dafür könnten sie die Abhängigkeit der etablierten Spieler von ihnen ausnutzen.

47 Milliarden Dollar auf sich vereinen

Auch für die Kunden der Technologiekonzerne könnte deren Einstieg in die Finanzwelt unschöne Folgen haben. Mit einem Mal lägen nämlich nicht nur die Daten zu ihrem Konsumverhalten dort, sondern auch noch alle Informationen über ihre finanziellen Verhältnisse.

Und auch die Folgen für die Aufsichtsbehörden sehen die Studienautoren kritisch: Für die Regulatoren werde es immer schwerer, wettbewerbsverzerrendes Verhalten oder auch den Missbrauch von persönlichen Daten des Kunden zu erkennen und zu verhindern. Erschwerend komme hinzu, dass die digitalen Neuerungen in Amerika, Europa und Asien sehr unterschiedlich reguliert würden. Das gefährde die Möglichkeiten, auf künftige Finanzkrisen zu reagieren.

Die Studienautoren vom Weltwirtschaftsforum rücken in ihrer aktuellen Veröffentlichung von ihrer früheren Einschätzung ab, wonach die Fintechs in einigen Nischen das Finanzsystem vollkommen verändern könnten. Zwar hätten sie in vielerlei Hinsicht die jüngsten Innovationen in der Finanzindustrie beeinflusst; dass die neuen Wettbewerber die etablierten Spieler tatsächlich in Bedrängnis bringen könnten, sei aus heutiger Sicht aber zu bezweifeln.

Für viele Kunden sei es einfach zu teuer und aufwendig, ihren Finanzdienstleister zu wechseln. Viele Finanzinstitute hätten auch rasch auf die neuen Anbieter reagiert. So hätten die meisten Fintechs schlicht nicht genug Kunden gewinnen können, um die für ein profitables Geschäft notwendigen Skaleneffekte zu heben, erläutert Rob Galaski, Partner der Unternehmensberatung Deloitte und Mit-Autor der Studie.

Als Beispiel nennt er die vollautomatisierte Anlageberatung, die vieldiskutierten Robo-Advisor. Zwar hätten hier zwei amerikanische Fintechs kräftig vorgelegt und bis Ende 2016 insgesamt 6,7 Milliarden Dollar (Betterment) und 4,4 Milliarden Dollar (Wealthfront) eingesammelt. Als der etablierte Vermögensverwalter Vanguard daraufhin allerdings seinen eigenen Robo-Advisor eingeführt hat, konnte der innerhalb kurzer Zeit bis Ende 2016 schon 47 Milliarden Dollar auf sich vereinen. Für Galaski zeigt das Beispiel: „Schnell folgen zu können hat sich für die Finanzinstitute als wertvoller erwiesen, als der Erste zu sein.“

Erklärvideo
Facebook - Internetgigant und Meinungsmacht
Quelle: F.A.Z.
Tim Kanning
Redakteur in der Wirtschaft.
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