Digital bezahlen
Insolvente Kartenbetreiber

Fußballklubs verprellen ihre Fans

Von Markus Frühauf
© dpa, F.A.Z.

Die Stimmung ist gereizt gewesen, als die Fans am vergangenen Samstag in der Frankfurter Commerzbank-Arena nach dem Schlusspfiff ihre Getränkebecher zurückgeben wollten. Das lag weniger an der Heimniederlage der Frankfurter Eintracht gegen den VfL Wolfsburg, sondern an dem Ärger um die Just-Pay-Bezahlkarten des insolventen Dienstleisters Payment Solution AG.

Lang waren die Schlagen dort, wo das Pfand bar ausgezahlt wurde. An den Imbissständen, die in Frankfurt das Gastronomieunternehmen Aramark betreibt, ging es zwar schneller, weil das Pfand auf die Just-Pay-Bezahlkarten geladen wurde. Doch danach gab es lange Gesichter, weil an den Kassen, wo die Restguthaben auf den Just-Pay-Karten ausbezahlt werden sollten, nichts zu holen war. Denn der Betreiber dieser Bezahlkarten, der in Hamburg sitzende Dienstleister Payment Solution, hatte wenige Tage zuvor Insolvenzantrag gestellt. Nun sitzen die Fans auf ihren Karten und wissen nicht, wie und wann die Restguthaben ausbezahlt werden.

Über die Summen wird spekuliert. In Presseberichten wurde allein für Frankfurt eine Zahl von 50.000 bis 60.000 Just-Pay-Karten und einer noch darauf vorhandenen Summe von 500.000 Euro genannt. Hinter der insolventen Payment Solution steht der Schweizer Zahlungsdienstleister Sandpiper Digital Payments AG. Er hält an Payment Solution rund 93 Prozent. In der Branche werden die Restguthaben auf den Just-Pay-Karten sogar auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt. Über die Just-Pay-Plattformen sollen zwischen 2 bis 4 Millionen Bezahlkarten vergeben worden sein.

Verjährung der Kartenguthabens erlaubt?

Im Durchschnitt sollen 10 Euro je Karte noch geladen sein. Dann wäre man bei 20 bis 40 Millionen Euro an Restguthaben auf den Just-Pay-Karten. Diese werden nicht nur in der Frankfurter Commerzbank-Arena eingesetzt, sondern auch in den Stadien von Hertha BSC, 1. FC Kaiserslautern, FC Augsburg oder beim Handball-Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt. Wie der ARD-Hörfunk Mitte November berichtete, soll der FC Bayern München im Jahr 2010 über seine für die Bezahlkarten zuständige GmbH Erträge in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro durch verfallene Bezahlkartenguthaben ausgewiesen haben.

Auch im Berliner Olympiastadion gibt’s das Stadionbier nur mit einer Bezahlkarte.
© dpa, F.A.Z.

Kurz nach diesem Bericht gingen die Verbraucherschützer gegen die Betreiber der Stadionbezahlkarten vor. Darunter befand sich auch Payment Solution, die im Januar dann ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen änderte. Die Verbraucherschützer hatten vor allem die Verjährung der Kartenguthabens als rechtlich unwirksam kritisiert. Auch Schalke 04 musste nach einer Abmahnung durch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen klein beigeben. Die Klauseln, wonach von den Fans für die Rückzahlung ihres Guthabens auf der Knappencard eine Gebühr von 3 Euro erhoben wird sowie die Rückzahlung nach entsprechender Aufforderung des Karteninhabers bis zu eineinhalb Jahren dauern konnte, musste die Schalke 04 Arena Management GmbH streichen.

System zu teuer

Die Insolvenz des Kartenbetreibers Payment Solution wird im Umfeld des Eigentümers Sandpiper mit den hohen Aufwendungen begründet, mit denen dieser in Vorlage tritt, bevor er ausreichend über die Gebühren an den Umsätzen der Stadiongastronomie verdient. So müssen die Imbissstände zunächst mit den Geräten und der dafür nötigen Infrastruktur ausgestattet werden. Das kann in einem Bundesligastadion einen Euro-Millionenbetrag erforderlich machen. Diese Kosten hat Payment Solution versucht auf die Fans zu übertragen, in dem auf die Bezahlkarten bei der Ausgabe ein Pfand erhoben wurde.

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Das hat bis zu 5 Euro je Karte ausgemacht. Doch der Betreiber dieser Bezahlkarten hat wenig Einfluss darauf, wie sich die Umsätze mit Bier und Bratwürsten in den Stadien entwickeln. Das liegt zunächst am Zuschaueraufkommen, das wiederum von der Leistung der Mannschaften beeinflusst wird. Aber noch schlimmer ist die Ablehnung dieser Bezahlkarten in weiten Kreisen der kritischen Anhängerschaft, deren bekanntesten Vertreter die Ultras aus den Stehkurven sind.

Der Schlummergroschen freut die Vereine

Die Fußballfans vertritt René Lau, Rechtsanwalt aus Berlin und Mitglied der AG Fananwälte. Der Hertha-Fan beobachtet seit dieser Saison wieder eine höhere Akzeptanz von Bargeldzahlungen in den Stadien der Fußball-Bundesliga. Er führt dies auf die Kritik aus der Fanszene zurück, die in den Vereinen zu einem Umdenken geführt habe. Lau teilt die Kritik der Fans, denn seiner Ansicht nach schränkt die Bezahlkarte die Freiheit der Stadionbesucher ein. „Es gibt Kombinationen mit der Mitgliedskarte, bei denen die Fans Daten preisgeben. Es ist dann zum Beispiel nachlesbar, wie viel Bier und wie viele Bratwürste der Inhaber einer solchen Karte während eines Fußballspiels verzehrt.“

Zudem sei der Fan gezwungen, nicht nur am Imbissstand Schlange zu stehen, sondern auch beim Aufladen der Karte oder beim Auszahlen des darauf verbliebenen Restbetrags. Lau verweist auch auf den Schlummergroschen, die ungenutzten Restbeträge auf den Bezahlkarten. „Damit bekommen viele Vereine hübsche Summen zusammen.“ Das zeigt das Beispiel FC Bayern. Nach Ansicht von Lau haben die Vereine und Stadionbetreiber diese Bezahlkarten vor allem deshalb eingeführt, um die Umsätze der Betreiber der Imbissstände in den Stadien besser kontrollieren zu können und „nicht, um irgendeinen Service für den Fan anzubieten oder Wartezeiten zu verkürzen“.

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Nach der Insolvenz einer Bezahlkartenfirma sind Fans sauer. Von wem können sie ihr Geld zurück verlangen?
Quelle: F.A.Z.
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