Vorschlag im Parlament

Die Schweden wollen ihr Bargeld retten

 - 18:06

Wer in Schweden ein Eis kaufen möchte oder ein Parkticket braucht, der kann das nicht unbedingt mit Bargeld bezahlen. Scheine und Münzen sind in dem Land unbeliebt. Acht von zehn Schweden haben bei ihrem letzten Einkauf eine Bankkarte verwendet, und sogar die Bezahlapp der privaten Banken hat in Schweden Erfolg – anders als in Deutschland. Doch jetzt wird es den Schweden zu viel.

Denn was, wenn eine Krise kommt? Wenn die digitalen Bezahlsysteme zusammenbrechen? Oder einfach bei einem Stromausfall? Schon vor einiger Zeit hat der Präsident von Schwedens Zentralbank, der „Riksbank“, Stefan Ingves, vor Problemen gewarnt. Dabei hat er eine Digitalwährung vorgeschlagen – aber auch neue Gesetze, um das Bargeld zu sichern.

Jetzt findet er Gehör. In der Tageszeitung „Dagens Nyheter“ hat der zuständige Parlamentsausschuss eine Bargeld-Pflicht für große Banken vorgeschlagen. Die Ansprüche klingen für einen Mitteleuropäer nicht sonderlich hoch: 99 Prozent der Schweden sollten innerhalb von 25 Kilometern Gelegenheit haben, an Bargeld zu kommen – also wenigstens an einen Geldautomaten. Banken könnten aber auch mit Händlern zusammenarbeiten oder eine eigene Filiale aufmachen.

Zehn Millionen Euro an Kosten

Dazu sollen große Banken mit Kundeneinlagen von mehr als 70 Milliarden Kronen (rund 7 Milliarden Euro) verpflichtet werden, ihren Kunden einen Bargeld-Service anzubieten. Ein Bericht des Parlamentsausschusses selbst spricht von „nennenswerten“ Kosten für das Bargeld, auf Kunden und Banken komme eine Mehrbelastung von 100 Millionen Kronen (rund 10 Millionen Euro) im Jahr zu.

Der Schwedische Bankenverband protestiert schon mal: Es sei ungerecht, dass nur die großen Banken dazu verpflichtet würden, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg den Generaldirektor des Verbandes. Das widerspreche EU-Recht.

Schwedens Finanzmarkt- und Verbraucherminister ist ebenfalls skeptisch. Noch im April zog er die Rechtmäßigkeit eines solchen Vorschlags in Zweifel. Am Montag sprach er jetzt in einem Interview von einem „starken“ Vorschlag des Parlamentsausschusses – schließlich wird dieser von allen Parteien im Parlament getragen. Nur ob die Regierung den Vorschlag am Ende unterstützt, das ist noch offen.

Quelle: bern.
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