Mobiles Bezahlen

Paypal kooperiert mit Google Pay in Deutschland

Von Franz Nestler
 - 18:36

„Zeit zum Tanzen“: Mit dieser fröhlichen Botschaft verkündet der amerikanische Bezahldienst Paypal, dass seine deutsche Kunden nun mit Google Pay zahlen können. Das klingt etwas sperrig und kommt doch einer Revolution gleich: Jeder, der ein Android-Telefon hat und ein Paypal-Konto, kann damit ab sofort mit seinem Handy im Geschäft bezahlen – insofern der Händler kontaktlose Zahlungen akzeptiert.

80 bis 90 Prozent der verkauften Telefone hierzulande sind Android-Telefone, Paypal hat in Deutschland rund 21 Millionen Kunden. Damit erhält Mobile Payment ein riesiges Reichweitenplus und es kommt richtig Schwung in den Bezahlmarkt in Deutschland. Der ist sowohl für Google aus auch für Paypal nötig, denn die Konkurrenz ist hart: Die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken sind mit eigenen Lösungen bereits am Start, Apple Pay soll im Laufe des Jahres starten.

Hierzulande kündigte Google im Juni an, dass Google Pay in Deutschland startet. Mit von der Partie waren die Commerzbank und ihre Online-Tochter Comdirect sowie die Smartphone-Bank N26 und Wirecard – doch danach kam lange nichts. Mehr Kooperationspartner waren also durchaus erwünscht. Paypal dagegen versucht schon lange Zeit, auch in den stationären Handel zu kommen. Ein Versuch gemeinsam mit Vodafone scheiterte zuletzt.

Ideale Bedingungen

Damit sind die Bedingungen so gut wie nie für einen Durchbruch von Mobile Payment. Bis zum Jahr 2020 sollen alle Bezahlterminals in Europa diese Lösung unterstützen. Schon heute sind allein in Deutschland rund 550.000 der 820.000 Kassenterminals in der Lage, Transaktionen kontaktlos abzuwickeln. Die Zahl der Händler, die kontaktlose Zahlungen akzeptieren, ist laut Mastercard innerhalb eines Jahres um 73 Prozent gestiegen. Von den 100 Millionen Girokarten sollen in den kommenden zwei Jahren rund drei Viertel mit dem NFC-Chip ausgerüstet sein, der das kontaktlose Bezahlen ermöglicht. Kreditkarten sind größtenteils schon umgerüstet.

Auch wenn das kontaktlose Bezahlen sich großer Beliebtheit erfreut – jeder zweite findet es praktisch oder sehr praktisch – so ist es noch eine Nischenerscheinung. Rund 15 Prozent aller Kartentransaktionen werden hierzulande kontaktlos ausgeführt – eine Verdreifachung im Vergleich zum Jahr 2017. Aber noch sehr wenige davon werden mit dem Handy durchgeführt.

Für die Banken könnte die Aktivitäten von Google Pay und Paypal aber zum Problem werden. Wird der neue Dienst flächendeckend genutzt, sind die Banken außen vor. Zwar braucht man immer noch ein Konto, aber den Banken entgehen nun die wertvollen Kundendaten. Das könnte zum Boomerang gerade für die Apps der Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken werden. Ihr einziger Vorteil – dass man die Girocard integrieren kann – ist damit obsolet. Google Pay war bisher nur für Kreditkarten verfügbar, aber in Paypal kann dann jedes Konto hinterlegt werden.

Quelle: F.A.Z.
Franz Nestler
Redakteur in der Wirtschaft.
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