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Aberdeen Standard Investments

Der Kampf gegen die Indexfonds

Von Markus Frühauf
 - 17:43
Keith Skeoch, Vorstandsvorsitzender von Aberdeen Standard Investments, sieht in der aktiven Vermögensverwaltung große Vorteile. Bild: interTOPICS /Micha Theiner, F.A.Z.

Aktiv oder passiv steht für Keith Skeoch außer Frage. Denn er ist einer von zwei Vorstandsvorsitzenden des gerade fusionierten britischen Vermögensverwalters Aberdeen Standard Investments, zu dem auch der Versicherer Standard Life gehört. Erklärtes Ziel des Zusammenschlusses ist es, einen der größten aktiven Vermögensverwalter zu schaffen. Mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 680 Milliarden Euro betrachtet sich die in Edinburgh ansässige Gesellschaft als die Nummer eins in Großbritannien. Skeoch macht auf einer Medienveranstaltung in Edinburgh, zu der Aberdeen Standard Investments Journalisten – auch der F.A.Z. – eingeladen hatte, keinen Hehl aus den Herausforderungen, vor denen die Zunft der Vermögensverwalter in den kommenden Jahren stehen wird.

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Die Konkurrenz durch die passiv verwalteten Indexfonds, den sogenannten Exchange Traded Funds (ETF), hat die Landkarte grundlegend verändert. Dominierten noch Anfang des Jahrtausends die aktiven Vermögensverwalter den Weltmarkt, sind es nun die vor allem an passiven ETF-Produkten ausgerichteten Wettbewerber wie Blackrock oder Vanguard (siehe Grafik). Sie bieten börsennotierte Indexfonds an, die Indizes wie zum Beispiel den Dax abbilden. Dafür sind ihre Gebühren deutlich günstiger als für klassische Fonds, deren Fondsmanager bestimmte Aktien, Anleihen oder andere Vermögenswerte auswählen in der Hoffnung, besser als der Gesamtmarkt abzuschneiden. Die passiven Vermögensverwalter folgen der Devise, dass kein einzelner Fondsmanager auf Dauer in der Lage ist, den Markt zu schlagen.

Aktive Verwaltung im Vorteil?

Der Chef von Aberdeen Standard Investments hält hier entschieden dagegen. „Ein aktiver Vermögensverwalter kann selbstverständlich besser als der Gesamtmarkt abschneiden“, ist Skeoch überzeugt. Er fügt hinzu, dass dies nicht immer und für jedes Jahr gelten müsse. Seinen Worten zufolge zeigen sich die Qualitäten des aktiven Fondsmanagers in Zeiten, in denen die Finanzmärkte hohen Schwankungen ausgesetzt sind. „Die tatsächliche Leistung aktiver Verwaltung muss in Dekaden gemessen werden“, umschreibt er die langfristige Ausrichtung dieses Ansatzes.

Darunter versteht er in erster Linie ein Premiumprodukt, für das auch Premiumpreise gezahlt werden. Auf Dauer sei es nicht möglich, für einen jährlichen Ertrag von 4 Prozent auf das angelegte Vermögen eine Gebühr von 1 Prozent zu verlangen. Aktive Vermögensverwalter müssten einen Mehrwert anbieten, der den Interessen der Kunden in einer komplexer werdenden Welt besonders dient.

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Kunden bereit für Extraprämien

Dazu zählt Skeoch Anlagevehikel, die verschiedene Anlageklassen wie zum Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffe abbilden (Multi-Asset-Fonds). Aber auch alternative Anlagen wie Infrastrukturfonds oder nachhaltige, dem Umweltschutz dienende Investments gehören seiner Ansicht nach in das Angebot. Im Gespräch zeigte sich Andrew McCaffery, der für Aberdeen Standard kundenbezogene Anlagekonzepte verantwortet, davon überzeugt, dass die Kunden bereit seien, für eine Verbreiterung des Anlagespektrums und damit verbunden eine stärke Diversifikation ihrer Risiken eine Extraprämie zu bezahlen. Er ist sich aber ebenso wie sein Vorstandschef Skeoch bewusst, dass auf Dauer die Performance stimmen muss, um höhere Gebühren zu rechtfertigen. Für klassische Investmentfonds, die sich zum Beispiel stark an Aktienindizes orientieren, dürfte das kaum möglich sein.

Doch nicht nur die passiven Produkte setzen der Branche zu. Auch die aufsichtsrechtlichen Vorgaben wie zum Beispiel die vom kommenden Jahr an in Kraft tretende EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid 2 oder die Digitalisierung sorgen für höhere Kosten oder Investitionen und mehr Transparenz bezüglich der Gebühren. Derzeit haben viele Vermögensverwalter mitgeteilt, darunter auch Aberdeen Standard, dass sie ihre Kosten für Research, also Wertpapier-, Rohstoff- oder Marktanalysen, nicht auf die Kunden übertragen, sondern selbst tragen werden.

Weltweit verwaltetes Vermögen steigt

Allerdings sind die höheren Kosten durch die Regulierung sowie die zunehmende Konkurrenz durch die ETF-Anbieter ein wesentlicher Grund für die Fusion zwischen Standard Life Investments und Aberdeen gewesen. Die Branche aktiver Vermögensverwalter steht unter Konsolidierungsdruck. Nach Ansicht von Skeoch geht es darum, die Kosten zu senken und gleichzeitig die Marktreichweite zu erhöhen. Dass der Kuchen weiterhin groß genug bleibt, davon ist er überzeugt. Das in der ganzen Welt verwaltete Vermögen habe sich zwischen 2011 und 2015 um 22 auf 77 Billionen Dollar erhöht. Er beruft sich auf Prognosen, wonach sich dieser Wert bis Ende 2020 auf 105 Billionen Dollar steigern wird. Davon wird ein immer größerer Teil in passive Produkte fließen. Aber Skeoch sieht weiterhin ausreichend Möglichkeiten, um mit den richtigen aktiven Produkten eine anspruchsvoller werdende Kundschaft bedienen zu können.

Durch die Fusion erhöht sich die Reichweite deutlich. Aberdeen bringt vor allem Expertise aus den Schwellenländern mit, während Standard Life Investments sich besser an den europäischen Märkten auskennt. Skeoch bezeichnet die Überschneidungen als gering.

Quelle: F.A.Z.
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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