Neues Flaggschiff

Der große iPhone-Tag für Apple

Von Roland Lindner, New York
 - 06:36
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Es ist schon einige Zeit her, dass der Elektronikkonzern Apple bei der Vorstellung neuer iPhone-Modelle für echte Knalleffekte sorgte. Die jüngsten Generationen des vor zehn Jahren erstmals herausgekommenen Smartphones brachten jeweils keine sonderlich dramatischen Neuerungen gegenüber ihren jeweiligen Vorgängermodellen.

Das letzte Modell, das als bedeutende Weiterentwicklung galt, war das 2014 herausgekommene iPhone 6. Nun aber lässt Apple wieder einmal ein größeres Spektakel erwarten. Für den Dienstag hat der Konzern in seine nagelneue Hauptverwaltung im kalifornischen Silicon Valley eingeladen, wo er diesmal angeblich nicht nur zwei neuen iPhones enthüllen will wie in den vergangenen Jahren, sondern drei.

Weniger aufregend dürften dabei noch die erwarteten Weiterentwicklungen der gegenwärtigen Modelle iPhone 7 und iPhone 7 Plus sein, die angeblich „iPhone 8“ und „iPhone 8 Plus“ heißen werden. Daneben will Apple aber angeblich auch eine Art Super-iPhone vorstellen, das selbst in der billigsten Variante um die 1000 Dollar kosten soll und damit weit mehr als bisherige Geräte. In verschiedenen Technologieblogs wurde in den vergangenen Tagen berichtet, dass es den Namen „iPhone X“ tragen soll.

Neues iPhone-Spitzenmodell

Für diesen stolzen Preis soll das neue Spitzenmodell einen sogenannten Oled-Bildschirm statt eines herkömmlichen LCD-Displays haben, was eine deutlich bessere Bildqualität verspricht. Der Bildschirm soll sich fast über die gesamte Oberfläche des Geräts erstrecken, würde somit also größer sein als bei den bisherigen Modellen.

Das iPhone X soll außerdem eine Gesichtserkennungsfunktion zum Entsperren des Geräts haben, drahtloses Aufladen ermöglichen, und Augmented Reality, also das Anreichern der realen Umgebung mit digitalen Bildern, soll bei ihm eine große Rolle spielen. Sollte sich der Preis um die 1000 Dollar tatsächlich bewahrheiten, würde das Gerät so viel kosten wie der Apple-Laptop Macbook Air. Es würde preislich fast 55 Prozent über dem iPhone 7 und 30 Prozent über dem iPhone 7 Plus liegen. Diese üppigen Beträge werden von Analysten mit höheren Kosten für Bauteile wie den Oled-Bildschirm erklärt.

Unabhängig davon, ob Apple sein Publikum mit dem neuen Flaggschiffgerät begeistern kann, wird sich die Frage stellen, in welchen Stückzahlen der Konzern es liefern kann. In den vergangenen Tagen mehrten sich die Anzeichen, dass sich die Verfügbarkeit des Handys anfangs noch in recht engen Grenzen halten könnte. Analyst Ming-Chi Kuo von KGI Securities schrieb am Montag in einer Notiz an Investoren, wegen eines Mangels an Bauteilen könne Apple derzeit weniger als 10000 Exemplare des Geräts fertigen lassen. Damit würde das Angebot weit unter einer Million Handys im Monat liegen.

Dank iPhone und iPad
Apple verdient so viel wie noch nie
© AFP, reuters

Neue Apple Watch und Apple TV

Besonders die goldene Version des neuen Modells werde anfangs nur „in extrem niedrigen Mengen“ erhältlich sein oder sogar erst später als andere Varianten auf den Markt kommen, schrieb der Analyst weiter. In der vergangenen Woche hatte schon das „Wall Street Journal“ berichtet, dass sich unter anderem wegen der Oled-Bildschirme der Zeitplan für die Produktion des Geräts um einen Monat nach hinten verschoben habe. Diese Oled-Displays werden ausgerechnet vom koreanischen Samsung-Konzern hergestellt, einem der schärfsten Rivalen von Apple im Smartphone-Geschäft, der diese Bildschirme auch in seinen eigenen Geräten verwendet. Allerdings soll die Produktion der Oled-iPhones komplizierter sein.

Neben iPhones will der amerikanische Konzern am Dienstag wohl auch neue Versionen seiner Computeruhr Apple Watch und seines digitalen Fernsehempfängers Apple TV vorstellen. Beide Geräte leisten bislang nur einen recht überschaubaren Beitrag zum Umsatz von Apple. Umso mehr werden sich die Augen am Dienstag in erster Linie auf das iPhone richten, das für mehr als die Hälfte des Apple-Umsatzes steht. Die Erwartungen sind enorm, der Aktienkurs von Apple hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 50 Prozent an Wert gewonnen. Der Konzern hat derzeit eine Marktkapitalisierung von mehr als 830 Milliarden Dollar und ist damit das mit Abstand am höchsten bewertete Unternehmen der Welt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Lindner, Roland (lid.)
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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