Comeback

Asiatische Aktien lohnen wieder

Von Martin Hock
 - 06:15

Investments in den Schwellenländern Asiens waren in den vergangenen Jahren in Ungnade fallen. Zwischen 2013 und 2015 wurden unter dem Strich relativ zu den entwickelten Märkten Gelder abgezogen. Die Investoren hatten dabei nicht unrecht, reagierten sie doch auf negative Fundamentaldaten: Das Wachstum hatte sich verlangsamt und im Vergleich zu den entwickelten Märkten gab es seit 2009 schon erheblich mehr negative Korrekturen von Gewinnprognosen.

In diesem Jahr aber hat sich das geändert. Nach einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung der Aktienmärkte fließt seit Februar wieder mehr Geld nach Asien, nicht zuletzt weil die Unternehmensergebnisse wieder mehr überzeugen. Suranjan Mukherjee, Manager des Asian Special Situations Funds der Fondsgesellschaft Fidelity, hat dafür eine recht nüchterne Erklärung: „Es ist einfach eine zyklische Wende.“

Das heißt nicht, dass die asiatischen Aktien uninteressant seien. Im Gegenteil, Asien sei durch den schwachen Verlauf der Vorjahre preiswerter geworden. „Ich denke, die Entwicklung der asiatischen Märkte wird noch richtig interessant werden“, sagt der Inder. Und bei den großen Technologiethemen wie Cloud Computing, autonome Fahrzeuge oder der Digitalisierung der Industrie seien auch immer wieder asiatische Unternehmen dabei.

Als Manager eines „Special Situations Funds“ geht Mukherjee indes mit einem spezifischen Ansatz an Investments heran. Drei Kategorien von Unternehmen sind für ihn interessant: Restrukturierungsfälle, Privilegierte und Weltmarktführer.

Zur letzten Gruppe zählt etwa der Halbleiterhersteller Taiwan Semiconductor. An der beherrschenden Stellung des Unternehmens gibt es wenig zu zweifeln. Mit einem Weltmarktanteil von etwa 60 Prozent in der Fertigung ist das Unternehmen derzeit aus der Chip-Welt nicht wegzudenken. Allein: Mukherjee ist nicht der einzige Investor, der sich dessen bewusst ist. In den vergangenen acht Jahren hat sich der Aktienkurs fast verachtfacht und ist damit etwa doppelt so stark gestiegen wie der Umsatz.

Doch Mukherjee findet die Aktie nicht zu teuer. „Das Entscheidende ist, dass wir hier einen Weltmarktführer haben, dessen Erträge steigen. Auf Basis des Buchwerts ist die Bewertung mit dem Dreifachen rückblickend konstant.“ Und das sei in Ordnung so, das Unternehmen gut geführt, das Marktwachstum aussichtsreich – für Mukherjee passt das.

Zu den Privilegierten zählt der Inder Unternehmen, die auf unterentwickelten Märkten eine starke Stellung innehaben, wie etwa Finanzdienstleister. In einem Land wie Indonesien, wo die Kreditvergabe nur rund 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, haben Finanzdienstleister noch große Chancen, stark mit dem Markt zu wachsen. Zu Mukherjees Favoriten zählt die Bank Central Asia. „Ein erfahrenes Management, eine konservative Kreditvergabe und ein Fokus auf das stabilere Privatkundengeschäft – das gefällt uns daran.“

Etwas diffiziler ist es mit den Restrukturierungsfällen. „Wenn wir für ein Unternehmen, das aktuell negativ gesehen wird, innerhalb von drei bis fünf Jahren die Perspektive für eine Verbesserung der fundamentalen Daten, der Bewertung oder der Stimmung sehen, investieren wir und bleiben dabei.“ Als Beispiel nennt Mukherjee den Zigarettenhersteller LT Group.

Das Gemeinschaftsunternehmen mit Philipp Morris Philippines beherrschte 90 Prozent des Marktes, bevor 2013 die Tabaksteuer deutlich erhöht wurde. Daraufhin wichen viele Raucher auf Produkte des Konkurrenten Mighty aus, dem vorgeworfen wird, die Steuern zu umgehen. „Seitdem geht der Kurs seitwärts. Wir erwarten aber, dass die Behörden härter durchgreifen werden und LT wieder Marktanteile zurückgewinnt. Solange diese These intakt ist, werden wir dabei bleiben.“ Allerdings räumt der Fondsmanager ein, dass die Erfolge dieser Restrukturierungswetten nicht so hoch sind. „Wenn wir Glück haben, liegen wir in 60 Prozent der Fälle richtig.“

Doch das disziplinierte Befolgen der Anlagestrategie auf der Kaufseite ist für Mukherjee nur ein Teil des Erfolgs. Wichtig sei eben auch, dass man sich beim Verkaufen an die Strategie halte. „Unser Fonds ist kurszielgetrieben. Wenn dieses erreicht ist, also der Aktienkurs nach unserem Dafürhalten den inneren Wert des Unternehmens widerspiegelt, verkaufen wir. Wenn sich unsere Investmentthese als falsch erweist, verkaufen wir. Und wenn wir im selben Land oder im selben Markt eine besser Aktie finden, verkaufen wir.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hock, Martin (mho.)
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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