Aktie an der Dax-Spitze

Etappensieg für Bayer im Glyphosat-Urteil

 - 13:25

Die Furcht der Anleger vor einer Abschwächung des weltweiten Wachstums drückt die europäischen Aktienbörsen auf den niedrigsten Stand seit gut eineinhalb Jahren. Gegen den Dax-Trend stieg dagegen bisher der Aktienkurs von Bayer um zeitweise mehr als 6,5 Prozent - so stark wie zuletzt vor sieben Jahren.

Grund ist, dass der Prozess im Amerika gegen die Bayer-Tochter Monsanto um glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel wohl neu aufgerollt wird. Richterin Suzanne Bolanos gab in San Francisco vorläufig dem Antrag von Monsanto statt, die Strafzahlungen in Höhe von 250 Millionen Dollar neu zu verhandeln.

Hoffnung auf milderes Urteil

Die Parteien hätten nun bis Freitag Zeit, ihre Stellungnahmen abzugeben. Bayer begrüßte die Entscheidung. Damit würde, falls vom Gericht bestätigt, der zugesprochene Strafschadenersatz aufgehoben, erklärte der Konzern am Donnerstag. „Bayer ist weiterhin davon überzeugt, dass das Urteil und die Schadenersatzforderungen im Widerspruch zu den im Prozess vorgelegten Beweisen stehen.“

Die Hoffnung auf ein milderes Urteil gab der Bayer-Aktie kräftig Auftrieb. Zeitweise war sie mit einem Plus von mehr als 6,5 Prozent einziger Gewinner im Dax. „Es schaut nun so aus, als ob die ursprüngliche Strafe erheblich reduziert wird, wenn sie nicht ganz auf Null gestrichen wird“, sagte Analyst Markus Mayer von der Baader Helvea Bank. Das Pendel könne nun zugunsten des Konzerns umschwingen, der sich gegen Tausende Klagen in den Vereinigten Staaten verteidigen müsse.

BAYER

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Bayer hatte Monsanto für rund 63 Milliarden Dollar übernommen. Das von dem amerikanischen Agrarchemiekonzern entwickelte Glyphosat zählt zu den am meisten eingesetzten Unkrautvernichtungsmitteln in der Landwirtschaft. Nach früheren Angaben ist Bayer mit rund 8700 Klagen wegen Glyphosat konfrontiert. Bei dem Prozess in Kalifornien handelte es sich um das erste Verfahren in Amerika, das sich mit der Frage befasst, ob das Mittel Krebs verursachen kann.

Bayer bestreitet, dass Glyphosat Krebs verursacht

Es war wegen der schweren Erkrankung des Klägers vorgezogen worden. Der ehemals als Platzwart an einer kalifornischen Schule tätige Dewayne Johnson hatte bis zu 30 Mal im Jahr Glyphosat eingesetzt und Monsanto vorgeworfen, durch das Mittel an Lymphdrüsenkrebs erkrankt zu sein.

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Krebs durch GlyphosatMonsanto muss Millionen zahlen

Ein kalifornisches Geschworenengericht hatte im August Strafzahlungen und Entschädigungen von 289 Millionen Dollar ausgesprochen. Das Unternehmen habe es versäumt, ihn und andere Verbraucher vor den Krebsrisiken seiner Unkrautvernichter zu warnen, entschied das Gericht damals. Monsanto hatte Berufung gegen das Urteil angekündigt.

Bayer bestreitet, dass Glyphosat Krebs verursacht. Das Urteil der Jury stehe im Widerspruch zu über 40 Jahren praktischer Erfahrung und umfangreichen wissenschaftlichen Daten und Analysen, erklärte der Konzern. Es habe zudem eingehende Überprüfungen durch die Regulierungsbehörden in Amerika und der EU gegeben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte die Chemikalie allerdings 2015 als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft.

Nach Einschätzung des Leverkusener Konzerns steht dies aber im Widerspruch zu den Bewertungen von vielen anderen Behörden rund um den Globus. Zuletzt hatte eine weitere Studie die Debatte um das Pestizid neu angefacht. Nach einer Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Texas in Austin macht das Pflanzengift Honigbienen anfälliger für Infektionen. Glyphosat könne deshalb die Gesundheit der Bienen beeinträchtigen.

Analysten sind positiv gestimmt

Bei den Aktien-Analysten kommt die mögliche Wendung im Glyphosat-Prozess gut an. Die britische Investmentbank Barclays hat derweil die Einstufung für Bayer auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 100 Euro belassen. Die aktuelle Entwicklung im juristischen Verfahren um Glyphosat in den Vereinigten Staaten sei dazu geeignet, die Martkstimmung für die Aktie zu heben, schrieb Analyst Emmanuel Papadakis.

Auch Warburg Research hat die Einstufung für Bayer auf "Buy" mit einem Kursziel von 88,50 Euro belassen, während JP Morgan die Bayer-Aktie mit „Overweight" bewertet. Aktuell ist die Bayer-Aktie mit einem geschätzten 2019er-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,2 bewertet und die Mehrzahl der Analysten rät zum Kauf.

Quelle: casc./Reuters
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