Mittelstandsanleihen

18,70 Euro für Beate-Uhse-Gläubiger

Von Martin Hock
 - 08:56

Der Abstieg des Erotikkonzerns Beate Uhse war ein langer Leidensweg. Einst ein Vorreiter der sexuellen Befreiung, hatte er schon beim Börsengang in den neunziger Jahren die besten Zeiten hinter sich. 2005 begannen die Umsätze zu sinken, bis 2015 hatten sie sich mehr als halbiert. Ab 2006 überwogen die Verlustjahre die Jahre, in denen Gewinne erzielt wurden. Ab 2010 stieg die Verschuldung, während das Unternehmen immer mehr schrumpfte. Nach den zuletzt ausgewiesenen Zahlen war die Bilanzsumme Mitte 2016 nur noch wenig höher als 1998.

Nichtsdestoweniger war im Sommer 2014 noch erfolgreich für eine Anleihe getrommelt worden, mit der der Konzern noch einmal 30 Millionen Euro eingenommen hatte. Investmentbanker priesen das Unternehmen sogar als Vorbild für den damals schon arg in Verruf geraten Markt für Mittelstandsanleihen. Beate Uhse habe jede Kennziffer im „Best-Practice-Leitfaden“ für den Entry Standard für Anleihen erfüllt, hieß es da – wohl ignorierend, dass die verstaubte Marke sich im Internet einer dynamisch wirkenderen Konkurrenz etwa von Amorelie oder Eis erwehren musste und das Filialgeschäft wenig zukunftsträchtig war und das Kataloggeschäft gar nicht mehr lief, das 22016 folgerichtig eingestellt wurde.

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Mitte Dezember 2017 folgte der Insolvenzantrag. Für diesen hat Beate Uhse nun den Insolvenzplan eingereicht. Wie nicht anders zu erwarten, ist er für die Anleihegläubiger bitter, auch wenn das Unternehmen betont, dass dadurch „eine im Verhältnis zur Regelabwicklung des Insolvenzverfahrens erhöhte Befriedigung erreicht werden“ soll. Ein Argument, das bei Insolvenzen in Eigenverwaltung immer ins Feld geführt wird, um die Zustimmung der Gläubiger zu erreichen, aber deswegen nicht falsch sein muss – auch wenn die wahren Nutznießer in der Regel neue Investoren sind, die oft genug die alten sind.

Der Insolvenzplan will den „lebensfähigen Teil der Gruppe“ erhalten. Dazu sollen die werthaltigen Vermögenswerte und die AG auf eine neue Gesellschaft übertragen werden. Ein ungenannter Investor soll dann im Rahmen einer Kapitalerhöhung bis zu 1,35 Millionen Euro einschießen. Mit dem Kaufpreis für die Vermögenswerte und Erlösen aus Forderungen gegen verbundene Unternehmen sollen „eine erste Insolvenzdividende für die Gläubiger bezahlt werden“. In Zahlen liest sich das weniger spektakulär: Aus heutiger Sicht ergebe sich eine mögliche Quote von 1,87 Prozent für die Gläubiger. Wer also 1000 Euro in die Anleihe investiert hat, erhält 18,70 Euro zurück.

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Allerdings kann man noch auf mehr spekulieren, wenn man will. Denn den Anleihegläubigern werden stattdessen auch Bezugsrechte für eine zweite Kapitalerhöhung angeboten. Allerdings hat das einen doppelten Haken. Die damit verbundenen Aktien gibt es nicht kostenlos. Für 1000 Euro Anleihe gibt es Bezugsrechte für 15 Geschäftsanteile. Die Höhe des Agios sei noch festzulegen. Ein Angebot, das wohl eher wenig attraktiv ist: Erst ist auf die geringfügige Restzahlung zu verzichten, um dann Anteile von ungewissem Wert für einen ungewissen Preis zu erwerben. Was dafür spricht ist, ist nur dass das investierte Geld zu 98,13 Prozent schon verloren ist. Wem die Anteile am Ende zu teuer sind, kann die Bezugsrechte verfallen lassen und verliert dabei nur 18,70 Euro.

Ob es im Zweifel ein gutes Geschäft ist, muss sich dann weisen. Noch ist nicht klar, was da als werthaltig angesehen wird. 2015 war die Entertainment-Sparte die einzige des Konzerns die Geld verdiente. Der Name Beate Uhse ist zwar bekannt, könnte aber mehr Belastung als Vorteil sein in einem Geschäft, das sich an eine jüngere Zielgruppe richtet oder zumindest an eine, die sich jünger fühlen möchte.

Nichts bleibt am Ende erwartungsgemäß den Aktionären. Die Beate Uhse AG soll liquidiert werden. „Damit einher geht ein Verlust der Börsenzulassung und ein vollständiges Untergehen der Anteilsrechte der Aktionäre durch die Liquidation der Schuldnerin.“ Im Klartext: Die Aktien können eingestampft werden. Wohl dem, der seinerzeit ein effektives Stück erworben hat. Das ziert vermutlich schon länger irgendeine Wand und darf da bleiben. Bei Ebay werden die Stücke derzeit für 18 bis 50 Euro angeboten.

Quelle: FAZ.NET
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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