Teures Benzin

Verhaftungswelle in Saudi-Arabien treibt den Ölpreis

Von Christian Siedenbiedel
 - 07:57

Der Ölpreis hat zum Wochenbeginn abermals zugelegt. Am Montag erreichte der Preis der Nordseesorte Brent zeitweise mit 63,77 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Litern) ein 28-Monats-Hoch. Das war ein Plus gegenüber dem Vortag von mehr als 2,5 Prozent. Der Preis der amerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) legte ebenfalls zu auf 57,07 Dollar. So teuer war Öl zuletzt im Juli 2015. Auch Heizöl und Kraftstoffe sind teurer geworden. Nach Angaben des Hamburger Energie Informationsdienstes (EID) stieg der Preis je 100 Liter Heizöl bei der Abnahme von 3000 Litern zuletzt auf 63 Euro. Das Internetportal Heizoel24.de, an das 500 Ölhändler ihre Preise melden, sprach von „unerfreulich deutlichen“ Aufschlägen zum Wochenbeginn: „Die Chancen auf ein vorwinterliches Heizölpreistief schwinden.“

Auch an den Tankstellen spürten Autofahrer das teurere Öl. Diesel verteuerte sich nach Angaben des Internetportals Clever-Tanken im Durchschnitt auf rund 1,18 Euro je Liter – Super E10 auf im Schnitt knapp 1,36 Euro je Liter.

Als zumindest einen wichtigen Grund für den Ölpreisanstieg nannten Analysten die Verhaftungswelle in Saudi-Arabien, dem wichtigsten Förderland der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Die Gefahr einer Destabilisierung der Situation in Saudi-Arabien sei seit dem Wochenende deutlich gestiegen, meinte Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht.

Am Wochenende sind in Saudi-Arabien zahlreiche Minister und Prinzen der königlichen Familie festgenommen worden. Zudem stürzte ein Hubschrauber mit Regierungsvertretern ab, wobei ein saudischer Prinz ums Leben kam. Hinzu kamen Meldungen, wonach nahe der saudischen Hauptstadt Riad eine Rakete aus dem Jemen abgefangen worden sei.Berücksichtige man zudem die am Wochenende im Libanon ausgebrochenen Regierungskrise nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Saad al-Hariri, würden die Spannungen im Nahen Osten förmlich sichtbar, meinte Lambrecht. Die Fundamentaldaten des Ölmarktes rückten dadurch in den Hintergrund.

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Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed Bin Salman hat nach Einschätzung von Beobachtern am Wochenende seine Macht durch die Festnahme zahlreicher Prinzen und Spitzenpolitiker im Rahmen einer sogenannten Anti-Korruptions-Kampagne ausgebaut. Das könnte Bedeutung für den Ölpreis haben: Der Kronprinz gilt als Unterstützer der Vereinbarung der Opec-Länder zur Förderkürzung. Zuletzt hatte er sich zitieren lassen, das nicht unumstrittene Opec-Abkommen sei aus seiner Sicht hilfreich für die Entwicklung des globalen Ölmarktes: „Das Königreich bestätigt seine Bereitschaft, die Übereinkunft über die Produktionskürzungen zu verlängern, die sich als geeignet erwiesen hat, ein neues Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage herbeizuführen.“ Die Vereinbarung der Opec zur Förderkürzung gilt bislang nur bis März 2018. Noch in diesem Monat, so wird jedoch spekuliert, könnte die Opec eine Verlängerung der Vereinbarung ankündigen.

Saudi-Arabien hat dabei im Augenblick ein besonderes Interesse, den Ölpreis hochzutreiben: Zu den Reformplänen des Kronprinzen zählen auch Privatisierungen. So soll der größte Ölkonzern des Landes, Saudi Aramco, voraussichtlich im nächsten Jahr an die Börse gebracht werden. Für den Börsengang wäre ein hoher Ölpreis wichtig, damit das Land seine Anteile nicht zu billig abgeben muss. Aus den Erlösen des Börsengangs will Saudi-Arabien einen Teil des Umbaus seiner Wirtschaft finanzieren, der das Land langfristig weniger abhängig vom Öl machen soll. Saudi-Arabien ist damit jetzt sehr abhängig von einem hohen Ölpreis – um künftig weniger abhängig zu sein.

Die Ansprüche der Förderer an den Preis steigen dabei. Analysten meinten, nachdem Saudi-Arabien einst mehr als 100 Dollar für einen angemessenen Ölpreis gehalten habe, später schon mit 50 Dollar zufrieden sein musste, habe das Land jetzt einen Ölpreis zwischen 60 und 70 Dollar im Blick. „Vom Opec-Treffen Mitte des Monats ist daher eher eine Unterstützung für das Szenario einer Fortführung der Produktionsbeschränkungen über März hinaus zu erwarten“, sagte Heinrich Peters, Ölanalyst der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), „wobei die Russen dies scheinbar erst Ende Januar endgültig entscheiden wollen.“

Die Investmentbank Goldman-Sachs hat in einem Bericht auf die „Rückkehr der geopolitischen Risiken“ für den Ölmarkt hingewiesen. Die Analysten erwähnen darin unter anderem die Situation im Irak und den kurdischen Gebieten – aber auch das Wiederaufflammen der Konflikte zwischen Iran und den Vereinigten Staaten. Zugleich hatte Goldman jedoch auch die starke Ölnachfrage in aller Welt hervorgehoben und ein stärkeres Bekenntnis der Opec-Staaten zu den Förderkürzungen konstatiert. Die globale Ölnachfrage ist in diesem Jahr bislang durch die starke Konjunktur um durchschnittlich 1,7 Millionen Barrel je Tag gestiegen.

Der Ölpreis wurde zuletzt auch von den Daten aus den Vereinigten Staaten gestützt. Demnach ist die Zahl der aktiven Bohrlöcher überraschend gefallen. Die Analysten von Barclays erhöhten ihre Preisprognose für das laufende vierte Quartal um sechs auf 60 Dollar je Fass. Auch der Opec-Preis für Öl, den das Kartell regelmäßig anhand eines Korbes von verschiedenen Ölsorten aus seinem Angebot feststellt, war zuletzt gestiegen. Das Opec-Sekretariat meldete am Montag, der Korbpreis habe am Freitag 59,15 Dollar je Barrel (159 Liter) betragen. Das waren 66 Cent mehr als am Donnerstag.

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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