Bitcoin

Der Kampf der Digitalwährungen

Von Franz Nestler
 - 10:55

Schreibt man über Bitcoin, muss auf die Begrifflichkeiten geachtet werden. Wo anderswo ein Kursminus von 25 Prozent ein Crash ist, ist er bei Bitcoin lediglich ein Schluckauf. Wo eine Verdoppelung des Kurses anderswo eine Rally ist, ist es bei Bitcoin lediglich die Fortsetzung eines Trends. Der Wahnsinn wird für die Digitalwährungen Normalität, von Manie zu sprechen scheint mitnichten übertrieben.

Beispiel Bitcoin: Eine Einheit der Digitalwährung notierte vor einem Jahr auf rund 707 Dollar. Am 8. November dieses Jahres waren es dagegen schon 7882 Dollar – ein Rekordhoch. Doch in der Nacht zum Montag fiel der Kurs dann plötzlich um knapp 29 Prozent auf 5605 Dollar – das Minus betrug damit 2277 Dollar. Am Montagnachmittag lag er dann wieder auf rund 6732 Dollar und somit dem fast dreifachen Stand. Bei diesen Zahlen kann einem nur schwindelig werden. Und in der Bitcoin-Gemeinschaft? Eher ein müdes Achselzucken. Die Handelsplattform etoro hatte noch den mutigsten Kommentar auf den Lippen: „Was auf den Kryptomärkten passiert ist, ist phänomenal.“

Bitcoin ist in die Jahre gekommen

Doch was passiert da auf den Märkten für Digitalwährungen genau? Es herrscht ein erbarmungsloser Kampf um die „richtige“ Digitalwährung. Doch was ist richtig, und was ist falsch? Um das genauer zu verstehen, muss man in die Geschichte der Währung eintauchen. Sämtliche moderne Digitalwährungen basieren auf der Technologie Blockchain.

Das System der Blockchain ist schnell erklärt. Es ist im Prinzip eine dezentrale Datenbank. Diese Datenbank besteht aus Blöcken, die miteinander verbunden sind – daher der Name Blockchain. In jedem Block sind im Falle des Bitcoin die Vorgängertransaktionen gespeichert. Dadurch ist sie nicht manipulierbar. Doch Blockchain ist nicht gleich Blockchain. So kann zum Beispiel die Größe der einzelnen Blöcke variieren.

Bitcoin ist dabei die älteste auf Blockchain basierende Digitalwährung – und damit auch die bekannteste. Ihre Marktkapitalisierung beträgt rund 112 Milliarden Dollar und damit mehr als die Hälfte des 202 Milliarden Dollar schweren Digitalwährungsmarkts. Doch sie gibt es eben schon seit dem Jahr 2009. Und es ist so ein bisschen wie mit einem veralteten Stück Software. Hier und da zwickt es eben, weil die Entwicklung nicht vorhersehbar war.

Da mittlerweile von der chinesischen Großmutter bis zum Wall-Street-Banker Millionen von Menschen die Währung nutzen, ist die zugrundeliegende Technik überfordert. Das führt dazu, dass Transaktionen länger dauern und dadurch teurer werden – eigentlich war die schnelle und günstige Abwicklung des Zahlungsverkehrs der große Vorteil der Internetwährung Bitcoin.

Deswegen versucht die Bitcoin-Gemeinschaft, die Software, auf der Bitcoin beruht, auf den neuesten Stand zu bringen. Und hier wird es kompliziert, denn es geht um Geld, um viel Geld – und damit um sehr viele unterschiedliche Interessen. Die Kursrally des Bitcoin im laufenden Jahr ist für viele vor allem mit der Anhebung der Blockgröße verbunden.

Doch diese wurde abgesagt, und gleichzeitig ging der Absturz der Währung los. Interessanterweise ist gleichzeitig der Kurs der Schwesterwährung „Bitcoin Cash“ durch die Decke gegangen. Innerhalb von drei Tagen vervierfachte er sich von rund 630 Dollar auf knapp 2500 Dollar. Sie unterstützt achtmal so große Blöcke wie Bitcoin und ist damit deutlich leistungsfähiger als der klassische Bitcoin.

Das klingt alles sehr technisch – um es konkreter zu machen: Am Montagnachmittag warteten im Bitcoin-Netzwerk 105.000 Transaktionen auf Bestätigung. Zum Vergleich: Am Tag werden rund 300.000 Transaktionen abgewickelt. Und eine Transaktion kostet momentan schon rund 20 Dollar. Klar, wenn ein Bitcoin 7000 Dollar kostet, ist das ein Klacks.

Doch von den günstigen Gebühren von einst ist man weit entfernt. Bei Bitcoin Cash kostet eine Transaktion dagegen nur 30 Cent. Woher genau kommen die Gebühren? Die Transaktionen werden immer von den sogenannten „Minern“ überprüft. Hat eine Mehrheit des Netzwerkes die Transaktion bestätigt, wird sie in den Block geschrieben. Für Bereitstellung dieser Rechenleistung erhalten sie dann eine Belohnung in Form von Bitcoin. Je schwieriger die Berechnungen sind, umso mehr Geld verdienen die „Miner“, weil sie mehr Rechenleistung bereitstellen.

Wenig Einfluss der analogen Welt

Die gesamte Rechenleistung einer Blockchain gibt man in der sogenannten „Hash Rate“ an. Einen Hash kann man sich als lange Zeichenfolge vorstellen, die ein Computer dann wiederum in etwas Lesbares verwandelt. Im Falle des Bitcoin-Netzwerkes beträgt die Rechenleistung aktuell 6,271 Exahash in der Sekunde – also 6,271 mal 10 hoch 15 Hash. Im Falle von Bitcoin Cash sind es dagegen 7,57 Exahash.

Der Preisanstieg von Bitcoin Cash macht das „Mining“ dieser Währung lukrativer, was wiederum das Bitcoin-Netzwerk noch weiter verlangsamt. Da es nur einen begrenzten Pool an Rechenleistung gibt, werden die „Miner“ am ehesten dahin wechseln, wo es lukrativ ist – und deswegen schwankt der Preis so stark.

Dagegen hat die analoge Welt in Form von Finanzaufsichten aktuell nur einen kleinen Einfluss auf die Währungen. Auch wenn China den Handel in Renminbi verboten hat, läuft er doch in China wie geschmiert – eben nur in Dollar. Auch die aktuellste Warnung der deutschen Finanzaufsicht Bafin oder der EU-Börsenaufsicht dürfte den meisten Bitcoin-Anhängern nur ein müdes Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Nestler, Franz
Franz Nestler
Redakteur in der Wirtschaft.
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