Schieferöl-Konzerne

Der grüne Wandel einer Investmentbank

Von Christian Siedenbiedel
 - 09:41

Die französische Großbank BNP Paribas hat am Mittwoch mitgeteilt, künftig kein Geschäft mit Schieferöl-Konzernen mehr machen zu wollen. Betroffen seien Unternehmen, deren Hauptgeschäft Förderung, Verkauf, Marketing oder Handel von Öl aus Ölsand- oder Ölschiefer sei. Die Grenze, von der an dieser Bann greifen soll, liege bei rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes eines Unternehmens. Auch würden keine neuen Projekte mehr rund um den Transport von Öl und Gas finanziert, sofern diese Energieträger mit den umstrittenen Förderverfahren gewonnen wurden. Auch Bohrungen aller Art in der Arktis würden nicht länger finanziert.

Die Bank hatte zuvor schon die Finanzierung von Kohleminen und Kohlekraftwerken auf Eis gelegt. Im Gegenzug will BNP bis 2020 rund 15 Milliarden Euro in die Finanzierung von erneuerbaren Energien stecken. Auch der französische Konkurrent Société Générale hatte im Oktober mitgeteilt, das Geschäft mit der Finanzierung von Steinkohlekraftwerken auslaufen zu lassen – zum Schieferöl und Ölsand allerdings bislang nichts gesagt. Was steckt dahinter? Geht es nur um grünes Marketing – oder hat die Ankündigung Folgen? Und was bedeutet das gegebenenfalls für Ölförderung und Ölpreis?

Bankchef Jean-Laurent Bonnafé jedenfalls nannte den Wunsch, einen Beitrag zu einer „Energietransformation und zur Dekarbonisierung der Wirtschaft“ zu leisten, als Hauptgrund für den Schritt. Es gehe ihm um den „Wandel zu einer nachhaltigeren Welt“. Bonnafé, Jahrgang 1961 und seit 2011 an der Spitze der Großbank, hatte sich auch in der Vergangenheit durchaus schon für Klimaschutzprojekte engagiert. Beispielsweise hatte die Bank im vergangenen Jahr eine Absichtserklärung der sogenannten „Task Force on Climate-Related Financial Disclosures“ unter Führung des britischen Notenbankchefs Mark Carney unterzeichnet. Ziel waren auch da Schritte gegen die Klimaerwärmung und eine Prüfung von Risiken in den Bankportfolios, die mit der Klimaerwärmung zu tun haben.

Kein inhaltsleeres Bekenntnis

Noch einmal Schwung bekommen haben soll diese Bewegung allerdings durch die neue Regierung unter Präsident Emmanuel Macron. Die französische Administration drängt die Finanzbranche, einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele von Paris aus dem Jahr 2015 zu leisten. Institutionelle Investoren sollen zudem gesetzlich dazu angehalten werden, die Risiken in ihren Portfolios, die mit dem Klimawandel verbunden sind, zu reduzieren.

Es gehe dabei nicht um ein inhaltsleeres Bekenntnis zu abstrakten Zielen, versicherte ein Banksprecher auf Anfrage. Die Bank ist in den Vereinigten Staaten tatsächlich nennenswert durch Niederlassungen vertreten. BNP mache bislang durchaus Geschäft mit Fracking-Unternehmen und Zulieferern, die künftig unter diesen Bann fielen. Das alles werde aber nicht von heute auf morgen passieren, das sei „ein Prozess“. Die Bank werde jetzt Gespräche mit den Kunden führen, die in den künftig ausgeschlossenen Wirtschaftsbereichen tätig sind, und ausloten, wie man weiter vorgehen könne. Das alles solle, was die bereits vorhandenen BNP-Kunden in den Vereinigten Staaten in diesem Segment betreffe, „in engem Dialog“ vor sich gehen. Wohlgemerkt gehe es bei diesem Schritt um Unternehmen, die unmittelbar in Nordamerika mit dem Fracking zu tun haben, hieß es bei BNP. An die großen Mineralölkonzerne traut sich die Bank dann wohl doch nicht heran, die Auswirkungen in allen Ländern wären schließlich kaum zu übersehen. Obwohl die Bank keine Namen nennen will, sind Geschäfte beispielsweise mit Shell, Total oder BP wohl nicht vom Bann betroffen.

Die praktischen Auswirkungen des Schritts dürften vermutlich überschaubar bleiben, war am Mittwoch der erste Eindruck von Analysten. Zu den ganz großen Ölfinanzierern gehöre BNP ohnehin nicht. Mit Auswirkungen auf den finanziellen Spielraum von Fracking-Unternehmen sei durch einen solchen Schritt einer einzelnen Bank sicher nicht zu rechnen, meinte Giovanni Staunovo, Ölfachmann der Schweizer Großbank UBS: Die Schieferölbranche habe ausreichend Zugang zu anderen Banken, zudem habe sie die Möglichkeit, sich über Aktien oder Anleihen zu finanzieren – was in den vergangenen Jahren auch rege genutzt worden sei. Folglich glaube er nicht, dass diese Entscheidung tatsächlich einen Einfluss auf das Ausmaß des Fracking haben werde – die Förderung hänge vor allem vom Ölpreis und der Entwicklung der Kosten ab.

Was bedeutet das für Ölförderung und Ölpreis?

In den vergangenen Jahren hatte die Ölfördermenge in Amerika durch das Fracking stark zugenommen (siehe Grafik). Zugleich ist die Förderung unter Umweltgesichtspunkten und unter Gesichtspunkten des Klimaschutzes umstritten.

Als nicht ganz ungefährlich gilt allerdings auch die gegenseitige Abhängigkeit von Finanzsystem und amerikanischer Energiebranche. Heinrich Peters, Ölanalyst der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), sieht daher auch ein Interesse von Banken darin, bei diesen Risiken vorsichtiger zu sein. „Zuletzt haben auch die Notenbanken den Bankensektor aufgefordert, zu hohe Kreditengagements im Energiesektor mit Blick darauf zu überprüfen und gegebenenfalls zu reduzieren, zumal das Engagement zum Teil noch sehr hoch ist.“ Gegenwärtig sei der Investitionsbedarf im Mineralölsektor ohnehin nicht besonders hoch, meint Ölfachmann Peters: „Längerfristig könnte eine geringere Investitionstätigkeit zu vorübergehend höheren Ölpreisen führen, da die Substitution von fossilen Brennstoffen sich womöglich langsamer vollzieht als die Anpassungen auf der Angebotsseite.“

Die Märkte reagierten auf die Nachricht kaum. Am Montag gaben die Ölpreise nach, um 0,5 Prozent für die Nordseesorte Brent auf 56,25 Dollar, und um gleichfalls 0,5 Prozent für die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) auf 50,70 Dollar. Der Aktienkurs von BNP Paribas sank etwas, um 0,3 Prozent auf 67,17 Euro.

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Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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