Börsenausblick

Der September könnte diesmal als starker Börsenmonat überraschen

 - 09:46

Bislang hat der Monat September für die Aktienmärkte gut begonnen: Der Dax ist seit Monatsbeginn in der Spitze immerhin um zweieinhalb Prozent gestiegen auf den höchsten Stand seit fünf Wochen. Der technologielastige TecDax erklomm am Donnerstag sogar den höchsten Stand seit mehr als 16 Jahren. Der Aufschwung könnte sich in der neuen Woche fortsetzen - trotz Nordkorea-Krise, den Wirbelstürmen „Harvey" und „Irma" sowie einem weiter steigenden Euro.

Es habe den Anschein, als wären geopolitische Risiken derzeit weniger virulent, schrieb die Analystin Claudia Windt von der Helaba in einem Marktkommentar: „Die internationale Geschlossenheit gegen Nordkorea entlastet zunächst". Sie lasse sich auf die Formel „Sanktionen, aber kein Krieg“ zusammenfassen. Positiv sei auch, dass Präsident Donald Trump eine Haushaltskrise zunächst abgewendet habe. Allerdings könne es zum Jahresende wieder turbulent werden, wenn die vorübergehende Aussetzung der Schuldenobergrenze ende.

Auch der steigende Euro muss europäische Aktien nicht zwangsläufig belasten. Denn die zunehmende Unsicherheit von Investoren über die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten habe nicht so sehr den Euro gestärkt, als vielmehr den Dollar geschwächt.

So habe der überraschende Rücktritt des Fed-Vizepräsidenten Stanley Fischer an den Finanzmärkten für Ratlosigkeit gesorgt. Sein Rückzug werde als „stiller Protest" gegen die Deregulierungspläne des Präsidenten
Trump gewertet.

Schon jetzt seien im geldpolitischen Gremium der Fed nur vier von sieben Stellen besetzt. Im Februar kommenden Jahres ende zudem die Amtszeit der Fed-Chefin Janet Yellen. „Die künftige Geldpolitik wird damit immer weniger berechenbar", urteilte Windt. Dies verunsichere Anleger, die in den vergangenen Wochen rund 30 Milliarden Dollar aus den Aktienmärkten nach Europa und Japan umgeschichtet hätten. „Dies erklärt den überwiegenden Teil der Euro-Stärke", resümierte die
Analystin.

Unsicherheit herrscht an den Märkten über den künftigen Zinspfad in Amerika. Probleme bereitet der amerikanischen Notenbank vor allem die nach wie vor niedrige Inflation. Hierzu gibt es in der kommenden Woche neuen Aufschluss, wenn die Erzeuger- und Verbraucherpreise im August veröffentlicht werden. „Aufgrund des mittlerweile wieder klar oberhalb der Marke von 50 Dollar notierenden Ölpreises dürften die Verbraucherpreise etwas kräftiger gestiegen sein", prognostizierte der Volkswirt Lucas Kramer von der Postbank.

Auch die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze im August dürften auf eine robuste Wirtschaft Amerikas hindeuten. Kramer sprach von einem "hohen Stimmungsniveau in der Industrie" einerseits und einem positiven Wachstumsbeitrag durch den Einzelhandel andererseits. Immerhin stehen die privaten Konsumausgaben in Amerika für rund zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes. Beide Daten werden am Freitag veröffentlicht.

Überschaubar ist in der kommenden Woche die Agenda für die Unternehmen. Zum alles überragenden Ereignis könnte die Präsentation eines neuen iPhone durch Apple werden. Medienberichten zufolge soll das Gerät am Dienstagabend präsentiert werden. Apple-Aktien stiegen in den vergangenen Wochen fast täglich auf neue Rekordstände. Das neue iPhone werde voraussichtlich „cool genug sein, um für 1000 Dollar verkauft zu werden", schrieb der Analyst Jeffrey Kvaal von der
Investmentbank Nomura in einem Ausblick auf das Großereignis.

Vermutlich im Schatten von Apple, gleichwohl aber einen Blick wert könnte die deutsche Autobranche sein. Am Montag lädt Daimler Investoren zu einem Kapitalmarkttag, auf dem es um um die Marke Mercedes Benz geht. Zudem eröffnet Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Frankfurt die 67. Internationale Automobilausstellung IAA.

Quelle: casc/dpa-AFX
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