Amerikanische Staatsanleihen

China könnte Amerika den Geldhahn zudrehen

Von Franz Nestler
 - 09:08

Die steigenden Renditen bereiten den Anlegern langsam, aber sicher Kopfzerbrechen. Am Mittwoch machten Gerüchte die Runde, dass China den Kauf amerikanischer Staatsanleihen drosseln könnte. Konkret hätten Vertreter der chinesischen Führung empfohlen, den Anleihekauf zu verringern oder gar komplett zu stoppen. Die Empfehlung habe auch mit den handelspolitischen Spannungen mit den Vereinigten Staaten zu tun. Der amerikanische Präsident Donald Trump wird nicht müde, gegen die vermeintlich unfaire und aggressive Wirtschaftspolitik der „rivalisierenden Macht“ Chinas zu wettern. Großspurig und selbstbewusst hat er dem Reich der Mitte den wirtschaftspolitischen Kampf angesagt.

Das weckt Befürchtungen, der Anleihemarkt könnte ins Taumeln geraten. Obwohl es nur ein Gerücht war und völlig unklar, wer genau den Ratschlag ausgesprochen hatte, waren die Reaktionen heftig. Der Dollar wurde geschwächt und trieb den Euro in die Höhe.

Die zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen rentierten am Mittwoch auf einem Zehn-Monats-Hoch von 2,597 Prozent. Damit muss die amerikanische Regierung das erste Mal seit dem Sommer 2011 wieder mehr als 2,5 Prozent für Schulden bezahlen, die sie über zehn Jahre aufnimmt. Der Zeitpunkt dafür ist denkbar ungünstig: Denn gerade jetzt tritt die amerikanische Steuerreform in Kraft, welche die Staatsverschuldung kräftig in die Höhe schrauben dürfte.

Am Donnerstag folgte dann das Dementi aus China: Auf der Internetseite der State Administration of Foreign Exchange hieß es am frühen Donnerstagmorgen, dass ein entsprechender Bericht, wonach China als größter ausländischer Gläubiger der Vereinigten Staaten seine Kaufstrategie für amerikanische Staatsanleihen überprüfe, möglicherweise eine falsche Quelle zitiert habe, oder es könne sich auch um „Fake News" handeln.

Die Bedeutung Chinas für die Vereinigten Staaten kann man nicht überschätzen. Mit seinen gigantischen Devisenreserven finanzieren die Chinesen zu einem erheblichen Teil das Leben der Amerikaner auf Pump. Chinesische Gläubiger halten aktuell knapp 1,2 Billionen Dollar an amerikanischen Staatsanleihen und anderen Papieren, kein anderes Land der Welt bringt es auf mehr.

Im Schlepptau der amerikanischen Anleihen erreichte die Rendite der vergleichbaren Bundestitel mit 0,55 Prozent den höchsten Stand seit vergangenen August. Profiteure der steigenden Zinsen waren Finanzwerte. Der europäische Bankenindex kletterte auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 191,81 Punkten. Spitzenreiter war hier die Commerzbank, deren Aktien sich um bis zu 4,8 Prozent verteuerten und mit 13,18 Euro so hoch notierten wie zuletzt vor drei Jahren. Die Deutsche Bank gewannen zeitweise 2,8 Prozent. („Enttäuschende Auktion von Bundesanleihen“)

Quelle: F.A.Z.
Franz Nestler
Redakteur in der Wirtschaft.
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