Australien

Chinesen machen Druck auf Erzförderer

Von Christoph Hein, Perth
 - 07:14

Der Drang der Schwellenländer, die wachsende Umweltverschmutzung in den Griff zu bekommen, lässt sich an den Gewinnen der Erzförderer ablesen. So verlangt China nun einen wachsenden Nachlass auf Eisenerz minderer Qualität. Denn das braucht mehr Kokskohle, um im Hochofen zu Stahl geschmolzen zu werden – was wiederum die Qualität der Luft beeinträchtigt.

Opfer ist der australische Erzkonzern Fortescue Metals Group. Das Gestein mit dem geringsten Erzgehalt (56 Prozent) wird von FMG nun mit einem Nachlass von 40 Prozent gegenüber den Vergleichspreis für eine Erz mit einem Reinheitsgrad von 62 Prozent verkauft. Das etwas gehaltvollere Erz (59 Prozent) bringt immer noch 23 Prozent weniger Geld, als erwartet. Üblich waren in den vergangenen Jahren Abschläge von 10 Prozent.

Der Preisnachlass ist gefordert, weil der weltweit größte Erzverbraucher, China, insbesondere in den Wintermonaten – in denen mit Kohle geheizt wird – sensibler auf die damit verbundene Luftverpestung reagiert. Chinas Umweltminister Li Ganjie erklärte, der geforderte Preisnachlass herrsche von Oktober bis März, werde aber nun jährlich wiederholt. Die Stahlbetriebe sind angewiesen, höherwertigere Ressourcen zu verwenden – die weniger gehaltvollen Erze verlieren deswegen an Attraktivität, was die Förderer dazu zwingt, drastische Rabatte zu akzeptieren.

Noch im Sommer hatte das Erzunternehmen Mineral Resources erwartet, der Nachlass werde bald auslaufen. Es kam genau andersherum: Nun heißt es, er werde in der jetzigen Größenordnung sicherlich noch im nächsten Jahr gelten – was deutlich niedrigere Margen für die Förderer dieser Qualitäten bedeutet.

„Ich denke, die Nachlässe sind schon Teil des Systems für die Zukunft – die Chinesen wollen ganz klar höherwertiges Erz. Wir würden gerne sehen, dass der Markt seinen Boden findet oder leicht anzieht. Aber rund um Weihnachten und das Chinesische Neujahrsfest kommt es normalerweise nicht zu Preiserhöhungen“, sagte Chris Ellison, Geschäftsführer von Mineral Resources.

Bei weiter fallenden Preisen will er den Verkauf einfrieren, um seine Vorkommen zu wahren. Chinas Umweltminister Li Ganjie nährt die Befürchtungen der Bergbauunternehmen: „Diese Kampagne begann im September und wird bis März 2018 dauern, aber sie ist kein einmaliges Ereignis“, erklärte er Ende Oktober.

FMG-Chef Nev Power macht sich und seinen Aktionären Mut: „Das ist eine künstlich erzeugte Marktbeeinflussung, keine natürliche Änderung im Markt.“ Seine Eigentümer aber reagieren gleichwohl: Seit September hat die Aktie des drittgrößten australischen Erzförderers schon ein gutes Fünftel ihres Wertes verloren.

Quelle: FAZ.NET
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Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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